Fast drei Stunden Konzentration auf Spiel und Gesang boten Chor und Band des Gymnasiums. Im instrumentalen Vorspiel waren von der von Gregor Markowski geleiteten Band Töne zu hören, die leicht an Andrew Lloyd Webbers "Phantom of the Opera" erinnerten - spielen dort Orgelklänge doch auch eine dominante Rolle. Das darauf eröffnende Vokalstück "Mittsommernacht" sang der Chor, von Tilman Hartig einstudiert, mit Drive.

Nicht minder ausgelassen wirkten der nachfolgende Chor in der Psychiatrie, "Hurra, wir sind bescheuert", und das den zweiten Akt eröffnende Chorstück, der an Offenbachs Cancan "Galop infernal" erinnernde "Maskenball". Schön pulsierend und einnehmend wirkte das finale "Vampire haben kein Herz".

Auch sonst waren die Chorsänger stark gefragt. Mal ergänzten sie gesanglich Auftritte wie den der drei Vampirinnen, das wundervoll gierig klingende "Es ist angerichtet", mal waren sie in kleineren Formationen zu hören. Besonders lustig klang dabei das achtstimmige Kaffeekränzchen von Mrs. Ascot, der Psychiatrieleiterin, mit den dicken Kuchenesserinnen und ihrem "Esst mehr Schokolade". Trude Herr ließ posthum grüßen.

Neben den drei Vampirinnen Eloise (Lara Göltenboth), Françoise (Jessica Wieland) und Bernadette (Lena Stephan) stachen unter den Hauptprotagonisten in der Gerabronner Stadthalle besonders die Darstellerinnen von Lucy, Mina, Jonathan und Graf Dracula heraus. Pauline Beyer wusste als Psychiatrieschwester Lucy, nach dem Dracula-Biss vom Sittlichkeitsvereinsmitglied zur Nymphomanin gewandelt, durch wunderbar swingenden Jazzgesang zu "Hey, Mr. Nickelby" zu fesseln, mit Groove von den Instrumentalisten begleitet.

Lara Brändle gelangen in der Rolle als Mina schön empfundene Duette: mit Jonathan-Darsteller Simeon Moor das zweimal zu hörende Liebesduett "Dies Gefühl im Bauch" und mit Dracula-Darsteller Tobias Rapp das Verführungsduett "Morgen Nacht". Alle drei Darsteller fesselten auch durch ihr schauspielerisches Können, genauso wie Simon Kreuzer als etwas westernheldartiger Dr. van Helsing mit "Ein Vampir ist unter uns"-Dramatik, Lisa Götzelmann als lustige Psychiaterin Dr. Sewart, Carolina Böhm als schön wichtigtuende Maklerin Mrs. Hawkins und Svea Beck als beim Knutschen strenge, aber beim Kuchen Milde walten lassende Mrs. Ascot.

In einigen lustigen Nebenrollen glänzten auch Marissa Oettel und Luisa Brändle als ängstliches, aber stets beflissenes und schließlich gebissenes Diebespaar Timmy und Backe sowie Manuel Sarembe und Linus Rappold als völlig übermüdete Notärzte, denen der Notarztwagenfahrer (Nils Ent) ständig Lachgas zum Aufwachen verabreichen musste.

Manuel Sarembe - dabei nicht der Einzige, der mehrere Rollen zu bewältigen hatte - gelang auch der biedere Mr. Nickelby vom Sittlichkeitsverein wundervoll: Auf dem Weg in die Psychiatrie zum Blockflötenkreis wird er von Pauline Beyer als gebissene Lucy hemmungslos bezirzt, was ihn herrlich hilflos und von der Situation überfordert kapitulieren lässt.

Barbara Brinkmann-Pastille hat nicht nur da bei ihrer Regie eine glückliche Hand bewiesen. Zu "Maskenball" und auch anderen Ensemblestücken hat Franziska Schaller eine abwechslungsreiche Choreografie bis hin zum Cancan-Tanzen entworfen. Das durchdachte Bühnenbild mit Stadtkulisse, Psychiatrieeinrichtung und Schlosskeller hat die Klasse 7b unter der Leitung von Gundula Schäfer angefertigt.