Mitten im Schönebürgwald kommen Luca Rabus aus Oberspeltach und Johannes Zeng aus Ilshofen richtig ins Schwitzen. Die 21 und 20 Jahre alten Freunde hängen nebeneinander an einer Sprossenwand und trainieren ihre Bauchmuskeln, indem sie ihre Beine anheben – während über ihnen die Blätter rauschen und vereinzeltes Vogelzwitschern zu hören ist.
Rabus und Zeng sind auf dem rund zwei Kilometer langen Trimm-Dich-Pfad im Schönebürgwald in Crailsheim unterwegs. Beide treiben mehrmals in der Woche Sport im Fitnessstudio. „Es ist ganz anders, in der ­Natur zu trainieren, man muss viel mit dem eigenen Körpergewicht arbeiten“, meint Zeng und beginnt gleich mit der nächsten Übung: Durchhangeln an einem Barren.
Der Parcours hält viele Kräftigungsübungen bereit. Ringe oder Reckstangen laden zu Klimmzügen ein. „Gut für den Muskelaufbau, aber echt anstrengend“, urteilt Zeng. Diese Einschätzung teilt Rabus: „Man braucht echt viel Körperspannung. Ein bisschen ins Schwitzen kommt man da schnell.“
Auch für das Bauchmuskeltraining gibt es ein paar Geräte im Wald. Ein paar speziell angeordnete Baumstämme erlauben Sit-ups, Liegestützen und – für Kreativ-Sportliche wie die zwei Freunde – Handstand und Yogaübungen.
Um den Gleichgewichtssinn zu trainieren, gibt es Balancierbalken, auch zum Dehnen findet man Angebote auf dem Rundweg. „Man kann hier sehr kreativ sein,“ sagt Rabus begeistert. Der 21-Jährige besucht die Sportschule in Waldenburg, der Bewegungsparcours am Rand von Crailsheim macht ihm großen Spaß. „Eigentlich müsste man sich regelmäßig Zeit hierfür nehmen und alles richtig ausprobieren.“

Ein Trainingspartner hilft

Die beiden Freunde trainieren häufig zusammen. „In letzter Zeit haben wir gemerkt, wie viel motivierender es ist, einen Trainingspartner zu haben. Man kann sich gegenseitig helfen und an der richtigen Ausführung der Übungen arbeiten“, berichtet Rabus. „Dazu kommt natürlich, dass zu zweit alles doppelt so viel Spaß macht.“
Die Zeit im Schönebürgwald hat den Sportlern gut gefallen. „Eine tolle Abwechslung zu unserem üblichen Training“, meint Zeng. „Es war schon anstrengend, weil ich viele Übungen in der Form sonst nicht mache, ich würde aber wiederkommen.“ Rabus stimmt ihm zu: „Es tut gut, draußen an der frischen Luft im ­
Wald zu sein, während man trainiert.“

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Stationen gibt es beim Trimm-Dich-Pfad im Schönebürgwald. Man benötigt 30 bis 45 Minuten Zeit, um den Parcours zu durchlaufen.

Als „Trimmy“ einst für mehr Bewegung warb


Trimm-Dich-Pfade sind Bewegungsparcours, die der Allgemeinheit kostenlos zum Trainieren zur Verfügung stehen. Verschiedene Sportgeräte laden zum Kraft-, Konditions- und Ausdauertraining ein. Die Pfade erstrecken sich über zwei bis vier Kilometer, meist als Rundweg. Alle paar hundert Meter trifft man auf eine Station, an der Tafeln mit zugehörigen Übungsanweisungen und Informationen zu finden sind. In den 1970er-Jahren startete der Deutsche Sportbund aufgrund einer steigenden Rate von Übergewicht und Schlaganfällen die Bewegung „Trimm dich durch Sport“. Ein Männchen namens „Trimmy“ warb deutschlandweit für mehr Bewegung – mit Erfolg. In den 1980er-Jahren hatten 49 Prozent der Deutschen bereits mindestens einmal einen Trimm-Dich-Pfad benutzt. Es war die größte und erfolgreichste Gesundheitskampagne, die es je gab. In den 1990er-Jahren nahm die Beliebtheit der Pfade  jedoch wieder ab. Erst seit ein paar Jahren ist der Trend zu beobachten, dass mehr Menschen wieder die Sportgeräte an der frischen Luft nutzen. elho