Kirchenkirnberg Schöne Bachkantaten

Der Projekt-Kammerchor begeisterte in Kirchenkirnberg das Publikum.
Der Projekt-Kammerchor begeisterte in Kirchenkirnberg das Publikum. © Foto: gk
Kirchenkirnberg / GK 25.11.2014
Der Leiter der evangelischen Kirchenmusik, Uwe Matti, hatte für die Zuhörer der geistlichen Abendmusik zum Ewigkeitssonntag einen Projekt-Kammerchor zusammengestellt, der Bach interpretierte.

Qualitativ hochwertige Darbietungen von drei besonders facettenreichen Kantaten-Tonkunstwerken des großen Meisters Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) erlebten die zahlreichen Zuhörer der geistlichen Abendmusik zum Ewigkeitssonntag in der evangelischen Kirche in Kirchenkirnberg.

Dafür hatte Uwe Matti, Leiter der evangelischen Kirchenmusik Kirchenkirnberg, einen Projekt-Kammerchor aus erfahrenen Sängern zusammengestellt, die eine Verbindung zur Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land haben. Profi-Musiker aus Mattis Bekanntenkreis bildeten ein kleines Instrumentalensemble, und Studienkollegen traten als Vokalsolisten auf. Diese verschiedenen Gruppen bildeten einen harmonischen Klangkörper und interagierten präzise in reizvollem Wechsel der Arien, Rezitative und Choräle.

Mit großem Einfühlungsvermögen bot das Instrumentalensemble die ernste, nachdenkliche Sinfonia dar, die auf die Kantate "Ich steh mit einem Fuß im Grabe" (Bach-Werke-Verzeichnis 156) einstimmt. Feinsinnig gestalteten Henriette Wagner und Ulrich Pfeilsticker (Oboe) den Melodiepart. Frank Lehmann (Fagott), Bertram Schade (Violine), Julia Glocke (Violine und Viola), Constanze Knapp (Viola), Konstanze Liebeskind (Violoncello), Udo Königs (Kontrabass) und Judith-Maria Matti (Orgelpositiv) interpretierten als homogener Klangkörper souverän und mit Verve die Instrumentalpartien.

Bach komponierte diese Kantate, in der der Gläubige um Beistand bei Krankheit und ein seliges Ende bittet, nach dem Text von Picander, Pseudonym für Christian Friedrich Henrici. Zudem integrierte er die erste Strophe des Liedes "Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt" von Johann Hermann Schein. Sopranistin Jeanette Bühler agierte mit angenehm warmer, reiner Stimme. Präzise und linear bot sie ihre Partien dar, auch die enorm schwierigen Koloraturen in großen Höhen.

Mit klarer, kraftvoller, heller Stimme sang Tenor Frank Bossert, hatte aber indes Mühe bei sehr hohen Tönen. Ein eindrucksvolles Debüt als Bassist gab Matthias Baur mit sonorer Stimme, souveränem Vortrag auch schwieriger Koloraturen und pointierter Textaussprache. Musikfreunde kennen und schätzen ihn als engagierten Dirigenten des Kammerorchesters Murrhardt. Mit innerer Anteilnahme und exaktem Zusammenwirken der verschiedenen Stimmen trug der Kammerchor harmonisch die Choräle vor.

Die Kantate "Aus der Tiefen ruf ich, Herr, zu dir" (BWV 131) war eine vielschichtige Vertonung des 130. Psalms. Darin hofft der Gläubige darauf, dass Gott sich seiner erbarmt, ihn aus seiner Not und von seinen Sünden erlöst. Die Komposition war mit vielen schwierigen Passagen gespickt und für die Mitwirkenden eine große Herausforderung. Doch Solisten, Kammerchor und Musiker meisterten mit Bravour ihre Partien in raschem Wechsel, mit kunstvoll ausgeschmückten Stimmen, in verschiedenen Rhythmen und Tempi.

In der Kantate "Am Abend aber desselbigen Sabbats" (BWV 42) vertonte Bach Verse aus dem 20. Kapitel des Johannesevangeliums. Darin erscheint der auferstandene Jesus Christus den im Verborgenen versammelten Jüngern als Beschützer seiner Kirche. Ein großer Hörgenuss war die heitere, rhythmisch schwungvolle Sinfonia, ein kleines Kirchenkonzert mit charakteristischer Bach-Motorik und anmutiger Melodik. Bezaubernd klang das reizvolle Duett von Tenor und Sopran "Verzage nicht, o Häuflein klein". Barocke Pracht strahlte die Bass-Arie "Jesus ist ein Schild der Seinen" aus, die stilistisch an die majestätische Arie "Großer Herr und starker König" aus dem Weihnachtsoratorium erinnerte.

Altistin Henriette Schöwitz bot die Arie "Wo zwei oder drei versammelt sind in Jesu teurem Namen" mit ihrer warmen und voluminösen Stimme gefühlvoll und klanglich überzeugend dar. Indes kamen bei ihren Einsätzen Melodien und Koloraturen nicht immer klar zum Ausdruck. Stimmungsvoll präsentierte der Kammerchor den feierlichen Schlusschoral "Verleih uns Frieden gnädiglich". Pfarrer Steffen Kaltenbach trug die Texte des 130. Psalms und des 20. Kapitels des Johannesevangeliums als Lesung vor. Mit viel Beifall dankten die Zuhörer allen Mitwirkenden für ihr harmonisches Miteinander und die schönen Interpretationen der Kantaten.

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