Crailsheim / Christine Hofmann Die Stadt Crailsheim will in ihren unterversorgten Gebieten schnelles Internet bis ins Haus bringen. Dafür ist sie bereit, 1,4 Millionen Euro auszugeben. Der Löwenanteil kommt von Bund und Land.

Rund 100 Millionen Euro wären nötig, um Glasfaserkabel bis in jedes Haus der Stadt Crailsheim zu verlegen. Das hat das Planungsbüro Geo-Data errechnet, das im Auftrag des Landkreises Schwäbisch Hall ein Ausbaukonzept für das landkreisweite Backbone-­Netz und die innerörtlichen Teilnetze erstellt hat.

Nathalie Hess von Geo-Data stellte am Donnerstag im Hauptausschuss vor, welche unterversorgten Gebiete, die eine Bandbreite von weniger als 30 Megabit pro Sekunde haben und als „weiße Flecken“ bezeichnet werden, unter Zuhilfenahme einer Landes- und Bundesförderung mit Glasfaser versorgt werden könnten. Für diese Gebiete gibt es eine 90-prozentige Förderung, was den Netzausbau in kleinen Teilorten für die Stadt lukrativ macht.

423 unterversorgte Häuser

Das Konzept bezeichnet zwölf Gebiete mit 423 Hausanschlüssen. Die Ausbaukosten für diese Anschlüsse belaufen sich nach einer groben Kostenschätzung auf rund 13,7 Millionen Euro. Abzüglich der kombinierten Fördersumme aus Bundes- und Landesförderung von 12,3 Millionen Euro verbleibt für die Stadt Crailsheim ein Eigenanteil von 1,4 Millionen Euro.

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer sieht darin eine „kostengünstige Chance“, in diesen „weißen Flecken“ Glasfaser bis in jedes Gebäude zu verlegen. Es wurde auch schon eine Priorisierung vorgenommen, welche Gebiete zuerst ausgebaut werden sollen. Danach kommen im nächsten Jahr zuerst Saurach, Ölhaus und Heinkenbusch an die Reihe. 2021 könnte es mit Alexandersreut weitergehen. Die Gebiete mit den wenigsten Anschlüssen – drei in Tiefenbach, zwei in Weilershof und zwei in Stöckenhof – bilden schließlich im Jahr 2024 das Schlusslicht.

„Es ist solidarisch, wenn jedes Haus schnelles Internet bekommt“

Auch in Gewerbegebieten können sogenannte FTTB-Netze (Glasfaser bis ins Gebäude) förderfähig erschlossen werden, wenn es mindestens drei Firmen gibt, die Bedarf an schnellem Internet nachweisen können. Deshalb umfasst die Ausbaukonzeption auch die Gewerbegebiete Fliegerhorst, Altenmünster, Südost und Roßfeld.

Die Stadträte äußerten sich bis auf Peter Gansky (BLC), der den Breitbandausbau als zu teuer wertete – „Wir müssen nicht nur 1,4 Millionen Euro zahlen. Die 14 Millionen Euro sind Steuergelder, die zahlen wir doch auch!“ –, durchweg positiv zum Breitbandausbaukonzept der unterversorgten Bereiche und stimmten dem Glasfasernetzausbau in den zwölf Gebieten bis in jedes Haus hinein mit großer Mehrheit zu.

Tatsächlich kostet der Anschluss von zwei Häusern in Stöckenhof 550 000 Euro und auch in Weilershof und bei den drei Hausanschlüssen in Tiefenbach fallen ähnlich hohe Kosten an. Gansky hatte für diese abgelegenen Wohnplätze Richtfunk anstatt Glasfaser vorgeschlagen. Doch die übrigen Stadträte hielten am Breitband-Ausbaukonzept fest. „Ich bin etwas amüsiert, dass einzelne Gebäude eine eigene Glasfaserleitung bekommen. Aber es sei ihnen gegönnt“, sagte Hermann Wagner (AWV). Und Christian Hellenschmidt (Grüne) ergänzte: „Es hat etwas mit Solidarität zu tun, alle Häuser zu erschließen, das sind wir den Einwohnern schuldig.“

Anschluss für alle

Auch die SPD-Fraktion betonte, dass ein Glasfaseranschluss allen Crailsheimern zustehe. „Die Menschen erwarten das zu Recht von uns, und die aktuelle Förderung bietet uns die Chance, das zu tun. Da muss man zugreifen“, sagte Stadträtin Helga Hartleitner mit Nachdruck. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerhard Neidlein lobte gar die Landes- und die Bundesregierung: „Sie haben den ländlichen Raum nicht vernachlässigt. Eine Förderung von 90 Prozent ist nicht üblich.“

Der Bau- und Sozialausschuss wird ebenfalls über das Breitband-Ausbaukonzept vorberaten, bevor der Gemeinderat am Donnerstag eine Entscheidung fällt.

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1,4

Millionen Euro beträgt der Eigen­anteil der Stadt Crailsheim beim Breitbandausbau der unterversorgten Gebiete. Die Gesamtkosten betragen 13,7 Millionen Euro.

Ausbaukonzept für „weiße Flecken“

Zwei Kriterien hat die Stadt Crailsheim der Priorisierung des FTTB-Ausbaus zugrunde gelegt: Zum einen bauliche Aspekte, durch die sich Synergien ergeben wie in Saurach, Ölhaus und Heinkenbusch oder in Alexandersreut, wo in 2020 und 2021 Tiefbaumaßnahmen geplant sind. Zum anderen die Anzahl der Hausanschlüsse, je mehr Anschlüsse, desto schneller wird erschlossen.

Priorisierung des Ausbaus
2020: Saurach, Ölhaus, Heinkenbusch
2021: Alexandersreut, Gewerbegebiet Fliegerhorst
2022: Gewerbegebiete Altenmünster, Südost und Roßfeld
2023: Buch und Rüddern, Ingersheim Süd, Hammerschmiede
2024: Tiefenbach, Weilershof, Stöckenhof