Outlet Schlussstrich: Feuchtwangener "Altstadt Outlet" ist vom Tisch

Das geplante „Altstadt Outlet“ in Feuchtwangen ist vom Tisch. Die Projektentwickler um Jan D. Leuze haben jetzt einen Schlussstrich gezogen.
Das geplante „Altstadt Outlet“ in Feuchtwangen ist vom Tisch. Die Projektentwickler um Jan D. Leuze haben jetzt einen Schlussstrich gezogen. © Foto: Das geplante „Altstadt Outlet“ in Feuchtwangen ist vom Tisch. Die Projektentwickler um Jan D. Leuze haben jetzt einen Schlussstrich gezogen.
Feuchtwangen / AUTOR 14.05.2016
Aus und vorbei: Projektentwickler Jan D. Leuze will das „Altstadt Outlet Feuchtwangen“ nicht mehr realisieren. Das Team hat einen Schlussstrich gezogen.

Vor einem Jahr sah es noch ganz anders aus. „Feuchtwangen soll nicht in Schönheit sterben“, hatte sich Bürgermeister Patrick Ruh gewünscht. Auf Einladung der Stadt war Leuze im Mai 2015 an die Romantische Straße gekommen. Die Verwaltungsspitze hatte von seinem Pilotprojekt in Wilhelmshaven gehört. Dort baut Leuze mit dem „Wilhelms“ das einzige Outletcenter an der Nordseeküste.

Jetzt zeigte sich der Bürgermeister von Leuzes schritt überrascht – und sogar vor den Kopf gestoßen. Von der Leuze-Pressemitteilung, in der der Planer seinen Rückzug ankündigt, erfuhr Patrick Ruh erst nach Feierabend. Zunächst wollte Ruh daraufhin ein Gespräch mit dem Investor führen – was wohl auch nötig war, denn in Leuzes Schreiben kommt die Stadt nicht gut weg. Dort ist die Rede vom Bremsen seitens der Stadtverwaltung, von „Entscheidungsschwäche“ der Verantwortlichen in Stadt, Verwaltung und Politik, von „Querelen“ und „öffentlichen Anfeindungen“.

Nach einem Gespräch zwischen Bürgermeister und Leuze gab es eine Neufassung der Pressemitteilung, diesmal in entschärfter Form. Leuze war es laut Bürgermeister-Aussage wichtig klarzustellen, dass nicht Ruh persönlich für das Scheitern des Projekts verantwortlich gemacht werde. Die Angriffe auf die Stadt bezögen sich auf andere. Leuze hätte gemerkt, dass es offenbar Vorbehalte gegen ihn gegeben habe.

Das Feuchtwanger  Objekt sollte einen Gegenpol zum Online-Handel bilden und für zusätzliche Belebung der teilweise verwaisten City sorgen. Der Geschäftsmann aus Konstanz wollte ein Konzept vorlegen, das den Leerstand beseitigen sollte, das Modell des „Altstadt Outlets“. Im Mittelpunkt stand die Kombination aus einzigartiger Historie und zeitgemäßen Einkaufs- und Erlebniswelten.

Von Anfang an stand fest, dass dies nur zusammen mit der Stadt und ihren Bürgern hätte umgesetzt werden können. Schließlich sollten Häuser gekauft, saniert und nach dem Vorbild des „City Outlets“ in Bad Münstereifel mit Leben gefüllt werden. Jan D. Leuze ließ seinen Worten schnell Taten folgen. Auf eigene Rechnung gab er beim Factory-Outletcenter-Spezialisten Dr. Joachim Will, Inhaber des renommierten Wiesbadener Beratungsunternehmens „Ecostra“, ein Gutachten in Auftrag. Das Ergebnis der sogenannten Standort- und Potenzialanalyse fiel positiv aus. Nah eigenem Bekunden hat Leuze bereits „über eine Viertelmillion Euro in seinen Fechtwanger Traum“ investiert. In seiner Pressemitteilung indes ist nun von „Lehrgeld“ die Rede. An der Begeisterung für das Projekt habe sich zwar nichts geändert, doch man wolle nicht noch mehr Geld und Gedanken einbringen.

Laut Leuze wird Feuchtwangen wohl weiter wie Dornröschen vor sich hinschlummern, „bis sich irgendwann einmal ein neuer Prinz in die Kreuzgangstadt verirrt, um es wach zu küssen“.

In einer Bürgerversammlung im September stand das gesamte Team den Feuchtwangern Rede und Antwort. Die Stadthalle war seinerzeit zum Bersten voll. Das Interesse war riesig, der Zuspruch groß. Ein gemeinsamer Besuch mit einer Projektverantwortlichen der Stadt im „City Outlet Bad Münstereifel“ sollte zudem Restzweifel beseitigen und zeigen, dass man kein Disneyland an der Romantischen Straße bauen wollte.

Als im Oktober 2015 plötzlich publik wurde, dass das benachbarte Dinkelsbühl sich ebenfalls mit dem Outlet-Gedanken trug, ging der 54-Jährige in die Offensive und mietete Büroräume an: „Damit wollten wir ein Zeichen setzen. Nach außen sichtbar machen, dass wir an Feuchtwangen und das ,Altstadt Outlet‘ glauben.“ Auch die Verhandlungen mit den Besitzern der infrage kommenden Immobilien wurden in dieser Phase immer konkreter. Mit etlichen Hauseigentümern war man sich bereits einig. Zu einem Kaufabschluss kam es bei zwei Objekten: der ehemaligen „Krone“ und dem „Haus Merklein“ am Marktplatz. Dennoch kam man mit den städtischen Verantwortlichen nicht auf einen gemeinsamen Nenner.

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