Am Anfang stand der Unplugged-Trend – ohne großartige Verstärker einfach Musik machen ohne Strom. Das Problem aber: „Wenn dahinter ein Riesenschlagzeug steht, dann tötet das alles”, erklärt der Drummer Dirk Feuchter. Deshalb griff der Musiker bei der Gründung der Band C-Town Connection das erste Mal zur Cajon.

„Null Ahnung” hatte er von der Holzkiste, doch Unterricht nehmen wollte der Schlagzeuger nicht. „Mein Prinzip damals war der eigene Weg. Ich wollte, dass es genauso klingt wie ein Schlagzeug”, erklärt er seinen Umgang mit dem eigentlich eher simplen Percussion-Instrument. Als er nach zwei Jahren des Experimentierens dann doch einmal bei Cajon-Lehrern vorbeischaute, lautete deren Fazit: „Du spielst falsch, du spielst wie ein Schlagzeuger.”

Doch genau das war es, was Dirk Feuchter gerne hören wollte, und was als Kritik gemeint war, kam bei ihm als Kompliment an. „Ich spiele lauter, mit mehr Energie”, erklärt er den Unterschied. Dazu kam seine Experimentierfreude. „Ich saß auf der Kiste und hab’ immer wieder Dinge drumherum gebaut, bis ich am Ende fast wieder ein Schlagzeug hatte”, beschreibt er diese Phase lachend. „Boom Tschack“, wie er es nennt, war ihm zu wenig.

Im Baumarkt auf Klangsuche

Um einen Latin Beat zu kreieren, nahm er einen Stock in die Hand, er klebte Glocken mit Tape ans Cajon und probierte sämtliche Küchengeräte aus, die er zu Hause in die Finger bekam. „Ich war bei Obi schon bekannt dafür, dass ich nur rumlaufe und auf Sachen haue”, erzählt er amüsiert.

Dass es kein richtiges Zubehör für Cajons gibt, führte in Kombination mit seiner Neugierde für neue Beats und Sounds schließlich dazu, dass er sich ernsthaft damit beschäftigte, genau das professionell zu entwickeln, was ihm selbst fehlt. Über einen Bekannten nahm er Kontakt zur Produktentwicklung der Firma Schlagwerk auf, einem der Marktführer der Branche und stellte seine Idee vor. Was folgte, waren viele Stunden in der Erfinder-­Ecke des Konzerns und im eigenen Probenkeller, wo er alle Ideen ausgedehnten Praxis- und Belastungstests unterzog.

Youtube Das verbirgt sich hinter „Take Five“

„Mit der Zeit kristallisierten sich die fünf Teile heraus, die es jetzt gibt”, sagt er und blickt damit zurück auf vier Jahre Entwicklung. Doch am Ende hatte er nicht nur das fertige Produkt, sondern schuf gleichzeitig auch einen ganz neuen Musikstil an der Cajon. „Eine Hand spielt Schlagzeug, die andere Cajon, so entsteht der Beat”, erklärt Dirk Feuchter.

Auf der NAMM in Los Angeles, einer der weltweit größten Musikmessen, stellte er seine Erfindung am Stand der Firma Schlagwerk vor. Eine Glocke, ein Schneebesen, ein Holzstock und ein Metallgitter – das sind die Dinge, die Dirk Feuchter am Ende für sein Cajon-Set mit dem Namen „Take Five“ nutzte.

Das Interesse in der Branche war riesig. Und die Vernetzung des Unternehmens Schlagwerk verspricht tatsächlich weltweiten Erfolg für das Instrument. „Ich will das Gesicht von ,Take Five’ sein“, sagt der Schlagzeuger über seine Rolle.

Kollegen zollen Lob

Die nächsten Stationen wären Messen in Mailand und Moskau gewesen, danach in Asien – aber wegen der Corona-Krise fällt der große Startschuss für das Projekt leider flach. Doch davon lässt Dirk Feuchter sich nicht entmutigen.

Mit Tutorials auf Videokanälen will er „Take Five“ dennoch verbreiten. Von professionellen Schlagzeugern wird die neue Technik am Cajon übrigens anerkennend ernst genommen, was Feuchter besonders freut. Seit zwei Wochen ist das Set im Handel erhältlich, und jetzt muss er nur noch die Spieltechnik vermitteln.

Seine Schüler sind da schon weiter. Sie haben in den vergangenen vier Jahren alles gelernt und sie waren natürlich die ersten, die die fertigen Sets in Händen halten durften. Jetzt freut sich Dirk Feuchter darauf, den neuen Klang mit der Öffentlichkeit zu teilen.