Bei der Volleyball-Europameisterschaft haben die deutschen Männer nicht ganz die Erwartungen erfüllt und schieden im Viertelfinale gegen Polen aus. „Alle Topteams sind auf einem ähnlich hohen Niveau. Da entscheiden oftmals nur Kleinigkeiten“, erklärt Achim Schüler, der seit 2014 das deutsche Team als Physio betreut.

„Ich habe einen Helferinstinkt“, erklärt Schüler schmunzelnd, wie er nach der Schule zu diesem Beruf gefunden hat. 2013 hat er die schulische Ausbildung zum Sport- und Physiotherapeut in Waldenburg abgeschlossen. „Ich komme ja eigentlich vom Fußball, aber mir war es wichtig, irgendwas im Spitzensport zu machen – egal welche Sportart“, erzählt der 27-Jährige, wie er schließlich zum VfB Friedrichshafen kam. Dafür zog er an den Bodensee und arbeitete dort in einer Praxis, die mit dem Volleyball-Bundesligisten kooperiert. Er betreute vier Jahre lang die Volleyball-Profis bei Heim- und Auswärtsspielen. In dieser Zeit feierten die Friedrichshafener einige große Erfolge (einmal deutscher Meister, dreimal Pokalsieger und Supercup Sieger 2016). Daraus entstand auch der Kontakt zur Nationalmannschaft. Seit 2014 ist er in einem Dreierteam von Physios, die sich abwechselnd um die Auswahl bei Lehrgängen und Turnieren kümmern, und hat zwei zusätzliche Sportphysio-Lizenzen erworben.

Frickenhofen

Achim Schüler ist in die Heimat zurückgekehrt

Aus privaten Gründen zog es Schüler aber Ende 2017 zurück in die Heimat, wo er nun auch wieder in der dritten Mannschaft des TSV Ilshofen seinem Hobby als Freizeitkicker in der Kreisliga B nach geht . Im „Zentrum Mensch“ in Satteldorf betreut er die Basketball-Profis der Merlins in der Praxis. Auch seinen Nebenjob bei der Nationalmannschaft musste er nicht aufgeben – das war ihm sehr wichtig.

Während großen Turnieren bleibt allerdings nur wenig Zeit, Land und Leute des Ausrichters kennenzulernen. Da stehen praktisch jeden zweiten Tag Spiele auf dem Programm und außer Sporthalle und Hotel sieht man nicht viel. Anders ist es bei der alljährlich im Sommer ausgetragenen Nations-League, wo der Spielplan nicht so dicht gedrängt ist und die Begegnungen über knapp fünf Wochen verteilt sind. Schüler war inzwischen unter anderem in Argentinien, USA und Kanada.

„Wenn ich für die Nationalmannschaft im Einsatz bin, muss ich in der Praxis Urlaub nehmen.“ Und das sind dann oftmals gleich mehrere Wochen – wie zuletzt bei der Europameisterschaft in Belgien. „Bei der Vorbereitung war ein Kollege. Ich bin dann erst zum letzten Testspiel dazugestoßen und war beim Turnier dabei.“ Schüler sieht sich als Bindeglied zwischen Athlet und Trainer. Er unterstützt die Volleyballer bei Prävention oder Nachbehandlung bei Verletzungen. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn ich ­Athleten ­dabei helfen kann, dass sie ihre optimale Leistung abrufen können“, sieht sich Schüler als wichtigen Teil des Teams.

Und außerdem ist er durch die Gespräche emotional sehr nah dran an den Spielern, und es gibt eine hohe Vertrauensbasis. Zum Team ums Team gehören neben ihm noch der Mannschaftsarzt und der Athletiktrainer. Die Entscheidungen trifft Bundestrainer Andrea Giani immer in enger Absprache mit den dreien.

Nach den beiden Auftaktniederlagen bei der EM war die Stimmung natürlich im Keller. Mit hohen Erwartungen ist der Vizeeuropameister ins Turnier gegangen und wollte an die Erfolge der letzten Jahre anknüpfen. „Wir wussten, dass dies kein Selbstläufer wird.“ Einige Führungsspieler sind angeschlagen in das Turnier gegangen, „auch wenn wir sie wieder fit bekommen haben“. Und das wirkte sich auf die Ergebnisse aus, der Turnaround wurde noch geschafft. Erst im Viertelfinale war Schluss gegen die starken Polen. „Unter den letzten acht sind nur noch gute Teams, da kannst du gegen jeden gewinnen, aber auch verlieren.“

Wenig Kontakt zu anderen Mannschaften

Der Tagesablauf im Rahmen einer EM sieht für Schüler fast immer gleich aus, Kontakt zu den anderen Mannschaften gibt es nur recht wenig. An spielfreien Tagen behandelt er nach dem Frühtraining zwei, drei Spieler und dann noch einmal nach dem Abendtraining fünf oder sechs. „Wenn ich Probleme sehe, müssen die Spieler zur Behandlung kommen.“ Wobei die Profis ihren Körper so gut kennen, dass sie selbst wissen, wann sie eine Behandlung brauchen.

Nach den Spielen ist physikalische Therapie beispielsweise mit einem Bad in der Eistonne zur schnelleren Regeneration angesagt. Neben den Spielen ist Schüler auch bei jedem Training dabei, um bei Verletzungen oder Beschwerden akut versorgen zu können. „Wobei es bei den Trainingseinheiten im Rahmen eines Turniers keine hohe Intensität mehr gibt und jene mehr regenerativen Charakter haben. Die Grundlagen müssen in der Vorbereitung geschaffen werden.“

Schüler ist zuversichtlich, dass es für die deutschen Herren mit der Olympia-Qualifikation klappen wird. „Wir können alle schlagen.“ Acht Mannschaften spielen Anfang 2020 den letzten europäischen Starterplatz in Berlin aus. Gegner des Weltranglistenzehnten ist unter anderem der aktuelle Europameister Serbien. Sportliches Highlight mit dem Team war bislang die Vize-Europameisterschaft vor zwei Jahren, mit Olympia würde nicht nur für Achim Schüler ein Traum in Erfüllung gehen.

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