Sie haben eine Wetterstation hinten im Garten? Sie möchten wissen, wie stark es regnet? Dann müssen Sie Ihren Regenschirm aufspannen und die Daten am Gerät ablesen. Sie sind Landwirt und wohnen nicht direkt neben Ihrem Putenstall? Abends möchten Sie aber sichergehen, dass genug Wasser in den Tränken ist, dass die Lichter aus und die Türen geschlossen sind? Oder Sie sind Jäger und haben eine Lebendfalle aufgestellt? Da müssen Sie gleich zweimal am Tag checken, ob sie noch leer ist. Oder haben Sie ein kleines Feinstaubmessgerät vorne an die Straße gehängt? Wenn Sie wissen möchten, wie stark die Belastung aktuell ist, müssen Sie hinlaufen. Denn Messgeräte senden nicht automatisch. Sie haben ja nicht automatisch WLAN oder eine SIM-Karte, mit der sie sich ins Handynetz wählen könnten (wenn der Putenstall nicht sowieso im Funkloch steht).

Für die geringe Datenmenge wären die nötigen Investitionen rund ums Handynetz sowieso unverhältnismäßig hoch, meint André Geißler aus Satteldorf, der das Problem ganz anders lösen würde. „Ich bin ein Nerd“, sagt er von sich. Er ist von neuer Technik schnell begeistert und ganz besonders ist er das von LoRa – laienhaft ausgedrückt ein Funknetz, auf dessen Technologie sich die LoRa-Alliance von mittlerweile 500 internationalen Unternehmen und Institutionen geeinigt hat (siehe Inforubrik).

LoRa-Netz bietet eine große Reichweite für geringe Datenmengen

Der Vorteil: Das Netz reicht weit, deutlich weiter als ein „normales“ WLAN-Netz. Das steckt schon im Namen: LoRa ist die Abkürzung für Long Range – Langstrecke. Der Nachteil: Die Datenmenge, die das Netz verteilen kann, ist gering – Sprachnachrichten oder gar Internetsurfen funktioniert nicht. Deshalb ist LoRa auch keine Konkurrenz für das Handynetz. Es ist aber eine Alternative, die einfache Sensordaten über weite Strecken übermitteln kann – Temperaturdaten oder eben die Füllstände von Putentränken zum Beispiel, sagt André Geißler. Ziel ist es, das LoRa-Netz flächendeckend zu installieren, sodass sich die Sensoren von überall her einwählen können.

Das Besondere an LoRa: Das Netz ist offen, die Technik basiert auf dem Prinzip Open Source, ist also allgemein verfügbar. Dies könnte einen großen Markt versprechen, der allerdings erst noch entstehen muss.

Auch für Kommunen wäre das Netz ideal, wirbt André Geißler, weshalb es sich für sie vielleicht sogar lohnen könnte, selbst eines aufzubauen. Denn die Hardware ist nicht teuer und die Anwendungen brauchen extrem wenig Energie. Die Sensoren kommen so oft locker mit normalen Batterien aus. „Kommunen könnten Grundwasserstände oder Füllstände an Glascontainern erfassen, den Verkehr zählen, die Raumluft in Kindergärten oder Schulen messen oder den Parkverkehr steuern.“

Dass das nicht bereits überall getan wird, liegt daran, so Geißler, dass die LoRa-Alliance erst im fünften Jahr existiert und dass der Markt erst noch wachsen muss. Immerhin gebe es schon drei Länder, die LoRa flächendeckend anbieten: die Schweiz, die Niederlande und Südkorea. Die Vorteile des LoRa-Netzes, sagt Geißler, sprechen für sich. Damit auch die Hohenloher baldmöglichst auf den Zug aufspringen können, überlegt er sich, für Crailsheim auf eigene Kosten ein solches Netzwerk aufzubauen. Fünf Gateways – also Sendemasten – würden für die Stadt und ihr Umland genügen, meint er.

Dienstleister für die Technik

Was er selbst davon hat? Mit seiner Firma „Soci.one“ will er als Dienstleister rund um LoRa auftreten und bietet die Technik samt Anwendungen an – derzeit sind Prototypen für Lebendfallen und Luftmessgeräte in der Mache. Investoren werden noch gesucht.

„Aber ich bin überzeugt davon, dass sich in ein paar Jahren niemand mehr wundert, wenn das Spargelfeld die Bodentemperatur meldet und der Spargelbauer dann ohne extra hinzufahren weiß, dass er jetzt seine Erntehelfer mobilisieren kann“, sagt André Geißler.

Daten im Netzwerk fließen verschlüsselt


LoRa ist eine Technologie, auf die sich die LoRa-Alliance geeinigt hat. Diese Technologie beziehungsweise das „Protokoll“ ist nötig für das LoRa-Netzwerk. ­Zur ­„Alliance“ gehören Global Player wie Amazon oder Bosch genauso wie die Netze BW oder die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Das Netz verbindet ­LoRa-Sensoren (zum Beispiel an der Wetterstation) über „Gateways“ mit dem Internet. Die Daten sind in diesem Netzwerk verschlüsselt, also relativ sicher. Die Technologie und das Netzwerk sind offen (Open Source) und stehen jedem kostenfrei zur Verfügung. Selbst die Anwendungen (zum Beispiel ­Sensoren) könnten Bastler selbst herstellen, denn die Komponenten sind leicht erhältlich. Es wird aber auf dem Markt wohl ­zunehmend die ent­sprechenden Geräte geben, die mit der Technologie ausgerüstet sind. uts