Crailsheim Sanierung der Leonhard-Sachs-Schule auf die kurze Bank geschoben

Wie groß die Leonhard-Sachs-Schule im Osten Crailsheims ist, erkennt man besonders gut aus der Luft. Entsprechend teuer wird ihre Sanierung.
Wie groß die Leonhard-Sachs-Schule im Osten Crailsheims ist, erkennt man besonders gut aus der Luft. Entsprechend teuer wird ihre Sanierung. © Foto: Ortner-Media
Crailsheim / Sebastian Unbehauen 22.09.2018

Es war ein Paukenschlag kurz vor der Oberbürgermeisterwahl: Im vergangenen Oktober beschloss der Crailsheimer Gemeinderat fast einstimmig eine 25 Millionen Euro teure Generalsanierung der Leonhard-Sachs-Schule (LSS) – nachdem nicht lange zuvor bereits das 13-Millionen-Euro-Projekt ASG-Sanierung auf den Weg gebracht worden war. Die Stadtverwaltung drückte seinerzeit aufs Gaspedal: Wenn man noch die Chance auf eine Förderung von knapp vier Millionen Euro haben wolle, müsse man quasi sofort einen entsprechenden Antrag stellen. Vor diesem Hintergrund wurde ein CDU-Antrag beiseitegewischt, der vorsah, vor dem LSS-Sanierungsbeschluss den Sanierungs- und Erweiterungsbedarf aller Crailsheimer Schulen zu untersuchen.

Rolle rückwärts

Jetzt machte die Stadtverwaltung – in neuer personeller Besetzung – eine Rolle rückwärts. Sie beantragte die Aussetzung des damaligen Baubeschlusses. Die Begründung: Die Beantragung einer Förderung, wie sie im vergangenen Oktober in Aussicht gestellt worden war, sei bereits seit Anfang 2015 nicht mehr möglich. Man könne also nicht mit den vier Millionen Euro Unterstützung rechnen. Wolle man Geld aus anderen Töpfen, fordere das Regierungspräsidium (RP) zuvor eine umfassende schulorganisatorische Untersuchung für ganz Crailsheim – genau das also, was die CDU-Fraktion gewollt hatte. Gegen den Beschlussantrag der Stadtverwaltung regte sich in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag vor allem bei SPD und Grünen Widerstand. An der LSS, die eine Gemeinschaftsschule mit Ganztagesangebot für die Klassen 1 bis 10 ist, fehle eine Mensa, es fehlten Betreuungsräume, der Zustand der Toiletten sei unzumutbar, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Gernot Mitsch. Kurzum: Der Sanierungsbedarf sei längst festgestellt. „Wir sollen die LSS im Regen stehen lassen“, so Mitsch. „Und das haben wir in unserer Mehrheit nicht vor.“ Man verliere schlicht Zeit, wenn man die Sanierung nicht angehe.

Mitsch war sich mit seinem Grünen-Kollegen Markus Schmidt einig, dass die Gemeinschaftsschule politisch gewollt gewesen sei – und man nun eben auch die baulichen Voraussetzungen schaffen müsse. „Der Status quo der LSS ist untragbar. Punkt“, sagte Schmidt. „Die Schule und die Eltern erwarten ein Signal, dass sich etwas tut. Wenn wir noch ein bisschen warten, ist Schicht im Schacht.“

Wolfgang Ansel (SPD) verwies darauf, dass die LSS in der Sanierungs-Prioritätenliste der Verwaltung vor dem ASG gestanden habe und nur wegen Förderregeln nach hinten gerutscht sei. „Es wird aber so getan, als ob die LSS mit den Problemen anderer Schulen auf einer zeitlichen Achse liegen würde.“ Sie sei ein „Sanierungsaltfall“. Allerdings versteckten sich in der beschlossenen 25-Millionen-Sanierung möglicherweise erhebliche Einsparpotenziale. Auch die Schule sei gefragt, sie aufzuspüren.

CDU bleibt bei Position

Die CDU verwies auf ihre alte Position. „Wir denken, dass uns die Ergebnisse einer schulorganisatorischen Prüfung erlauben werden, eine fundierte Entscheidung zu treffen“, sagte Jens Zielosko. Möglicherweise ergäben sich Synergien über verschiedene Schulen hinweg. Peter Gansky (BLC) übte derweil einmal mehr Kritik am System der Ganztagesschule – und sagte, er sei sowieso für einen Neubau der LSS statt für eine Sanierung der Schule „auf einer Verkehrsinsel“.

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer schoss scharf gegen die Kritiker seines Beschluss­antrags. Sie seien wohl bereits auf Stimmenfang für die Kommunalwahl 2019, warf er ihnen vor. Und an Schmidt gerichtet, der ein Signal gefordert hatte, sagte Grimmer, das seien „Worthülsen, die zeigen, dass auch Sie keine Lösung parat haben“.

Den Weg zu einem Kompromiss wies die AWV-Fraktion. Man wolle eine seriösere Entscheidungsgrundlage, sagte Hermann Wagner – also die vom RP geforderte Untersuchung aller Crailsheimer Schulen. Aber: „Wir wollen die Entscheidung nicht aussetzen. Wir haben die LSS schon einmal in die Warteschleife geschickt.“ Die AWV stellte also einen Vertagungsantrag – mit der Maßgabe, bis zur Entscheidung von Regierungspräsidium und Schulamt informiert zu werden, wie es aus deren Sicht um die Zukunft der Gemeinschaftsschule stehe.

Gemeinsame Linie

Dieser Antrag war die Grundlage dafür, in einer Sitzungsunterbrechung einen interfraktionellen Antrag zu erarbeiten, den Mitsch vortrug – und der eine große Mehrheit fand: Der Beschluss wurde vertagt, aber es wurden Fristen gesetzt, um nicht den Eindruck zu erwecken, man wolle die Entscheidung auf die lange Bank schieben. In der Dezembersitzung soll die Verwaltung Alternativvorschläge vorlegen, wie die Bedingungen für die Ganztagesbetreuung an der LSS verbessert werden können. In der März-Sitzung sollen die Ergebnisse der schulorganisatorischen Untersuchung vorgelegt werden und eine Information durch das RP erfolgen. Im April will man dann zu einer öffentlichen Klausursitzung zum Thema zusammenkommen. Die SPD fand derweil eine Mehrheit für den Antrag, die LSS-Sanierungspläne noch einmal auf Einsparpotenziale abzuklopfen.

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