Sandhof Sandhof wird zum Kürbisland

Sandhof / WOLFGANG RUPP 20.09.2012
Entweder richtig viel oder gar nicht. Simone und Volker Rüeck haben sich für richtig viel entschieden und präsentieren auf ihrem Hof im Sandhof viele, viele Hundert Kürbisse unterschiedlichster Sorten.

Auch wenn sie allesamt aus eigenem Anbau stammen, eigenhändig geerntet, sortiert und auf Strohballen vor der Scheune ausgelegt wurden: Wirklich gezählt hat die ausgelegten Kürbisse bislang niemand. Jedenfalls sind es mehr als Tausend, meint Simone "deutlich über Tausend", ist ihr Mann Volker sicher. Beeindruckend ist nicht allein die Masse und kreative Präsentation, sondern vor allem auch die Sortenvielfalt der Speise-, Zier- und Schnitzkürbisse.

Sie heißen Aladdin und Ambercup, Hokkaido und Howden, Bischofsmütze und Herakles. So unterschiedlich Größe, Aussehen und Verwendungsmöglichkeit, so unterschiedlich sind die Preise. Die Arbeit und der Umgang mit Kürbissen macht den Rüecks zwar Freude und Spaß, doch davon allein lässt sich nicht leben.

Der Verkauf dieses Gewächses ist in diesem Jahr als Einnahmequelle der Rüecks hinzugekommen. Und warum ausgerechnet Kürbisse? "Wir wollen das jetzt einfach mal ausprobieren", sagen sie, nachdem sie sich einen Überblick über den Markt verschafft haben und gute Absatzchancen sehen. Aber wie kommen ein gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und eine Bankkauffrau überhaupt dazu, Kürbisse anzubieten - und noch viel, viel mehr? "Landwirtschaft war schon immer mein Hobby", sagt Volker Rüeck und strahlt. Er ist in Sandhof auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen: Fünf Milchkühe, ein halbes Dutzend Schweine, zehn Hektar Land. Als er vor 16 Jahren den schon immer im Nebenerwerb geführten Betrieb übernahm, konzentrierte er sich zunächst auf Ferkelaufzucht und dann auf Schweinemast. Als der Kaufmann später vor allem im Außendienst eingesetzt wurde, war bald klar, dass berufliche Inanspruchnahme und Viehhaltung zeitlich nicht miteinander zu vereinbaren sind. Seit fünf Jahren stehen der Stall und die Scheune leer, vor der jetzt die Kürbisse präsentiert werden und zum Angebot von Rüeck Agrar gehören.

Der Kaufmann hat sich Anfang letzten Jahres selbstständig gemacht und eine Handels-GmbH & und Co. KG gegründet. So kompliziert die Bezeichnung des Unternehmens klingt, so einfach ist die Intention seines Geschäftsführers: Er bietet Dienstleistungen an und will vor allem eines: regionale Produkte vermarkten. Der Landhandel, unter anderem mit Dünger, Saatgut, Sämereien und Pflanzenschutzmittel, sowie das Lohnunternehmen sind der eine Teil, der andere der Lebensmittelbereich. Nach zehn Jahren Pause hat Volker Rüeck letztes Jahr wieder Kartoffeln angebaut - nicht nur zum Eigenverbrauch, sondern vor allem auch zum Verkauf. Selma und Granola fanden ein solch guten Absatz, dass die Anbaufläche deutlich vergrößert wurde. Mit dem Kartoffelverkauf war die Idee des Regio-Häusles geboren. "Wenn es nicht klappt, können wir es ja als Gartenhaus verwenden", waren sich die beiden über das geringe Risiko einig, als sie auf ihrem Hof ein Holzhaus aufstellten. Und das wird inzwischen als Selbstbedienungsladen sehr gut angenommen und von Kunden aus der näheren und weiteren Umgebung aufgesucht.

Nicht nur, dass täglich inklusive Sonntag von acht bis acht eingekauft werden kann: Längst werden in dem Lädle neben verschiedenen Sorten von Kartoffeln auch selbst eingemachte Gurken, Zwiebel, Rot- und Blaukraut, Karotten und Mehl vom eigenen Acker und Gsälz von den eigenen Beeren angeboten. Die Kunden decken sich auch mit Dosenwurst und Nudeln ein, mit Honig und frischen Eiern. Diese Produkte beziehen die Rüecks von einheimischen Produzenten, was von den Kunden sehr geschätzt wird, weil sie wissen: "Was draufsteht, ist auch drin", wie Simone Rüeck formuliert. Und das gilt selbstverständlich auch und ganz besonders für die Spezialität des Hauses: Bauernbrot und Hefezopf. Jeden Freitag wird im Sandhof der alte Holzbackofen angeheizt und nach alter Mutters Sitte gebacken. "Die ersten Brote haben ausgesehen wie Brikette", erinnern sich die einstigen Backneulinge, die inzwischen wissen, wie der Teig bei welchem Wetter geht, wie richtig Feuer gemacht wird und bei welcher Hitze das Brot eingeschossen und nach welcher Zeit es wieder herausgeholt werden muss.

Das engagierte Paar ist sicher, dass das Regio-Lädle und die Selbstvermarktung von eigenen Produkten noch ausbaufähig sind, überlegt sich die Anschaffung von Hühnern, macht sich Gedanken über Angebote für Touristen. Doch jetzt ist im Sandhof erst mal Kürbiszeit.