Wie es sich für ein richtiges Neujahrskonzert gehört, knallten zu Beginn erst einmal die Sektkorken. Akkordeonspieler Felix Kautter durfte da zu Hans Christian Lumbyes Champagnergalopp zum selbst gebauten Korkenknaller greifen: eine umgebaute Ballpumpe mit Korken darauf.

Was wäre ein Neujahrskonzert ohne den Walzer schlechthin: Johann Strauß' "An der schönen blauen Donau". Die langsame Einleitung wie auch der ruhige Abgesang der Walzerfolge wurde von den zehn Musikern aus Gerabronn und Crailsheim wunderbar zart und empfunden intoniert. Federnd und locker im Ton erklangen die Walzerweisen.

Die Tritsch-Tratsch-Polka von Strauß entpuppte sich als bösartiger Klatsch und explosives Gemisch und wurde mit viel Esprit wiedergegeben. Dadurch erwies sie sich als idealer Kontrapunkt zu, so Ensembleleiter Jörg Baier in seiner Moderation, "zwei wunderbar kitschigen Salonpiècen". Das war zum einen Ludwig Siedes "Leuchtkäferchens Stelldichein", das heiter, zart und flockig ertönte. Zum anderen ließ die Salonkapelle darauf Paul Linckes "Glühwürmchenidyll" folgen. Es wurde nicht nur sanft gespielt; Jörg Baier sang mit Augenzwinkern auch die dazugehörigen neckischen Zeilen mit den Glühwürmchen, die als "Geleit zur Liebesseligkeit" im Wald flimmern sollen, zum meistens nur noch instrumental zu hörenden Stück.

"Mitten hinein in die wilden 30erJahre", so Stehgeiger Eckart Baier, ging es danach mit Helmut Wernickes "Das Fräulein Gerda". Auf den mit Pep vorgetragenen Swingrhythmus folgte das wundervoll schmalzige und sehnsuchtsvoll seufzend gesungene "Von 8 bis um 8" von Horst Kudritzki. Schwungvoll und mit großer Lust am gewitzten Text ging Jörg Baier später Peter Igelhoffs "Ich bring' dich um die Ecke - zum Autobus" an. Zu einem schmachtenden Schlager ließen Eckart Baier auf der Violine, Hannes Baier auf dem Altsaxofon und vor allem Bernhard Hubner auf dem Tenorsaxofon Gerhard Winklers "So wird's nie wieder sein" werden.

Den Refrainteil "Für einen richtigen Mann gibt es keinen Ersatz" aus Adolf Steimels "Die Männer sind schon die Liebe wert" unterstützten sie vokal zusammen mit allen anderen männlichen Salonkapellenmusikern genauso wie zuvor Fred Raymonds Ohrwurm "Die Juliska aus Budapest". Eingerahmt wurde sie vom sehnsüchtig melancholisch gedeuteten lyrischen Walzer aus Dmitri Schostakowitschs zweiter Jazz-Suite und feurigen Duschenka-Tönen.

Felix Kautter wurde zu den nachfolgenden Tangos zum Solisten. Ángel Villoldos "El choclo" musizierte er mit Hingabe und Leidenschaft, ebenso wie Gerardo Matos Rodríguez' noch berühmteren "La cumparsita". Zu Gerhard Mohrs "Orient Express", dem Franz Mücks Oriental-Foxtrott "Tetuan" vorausgegangen war, wurde das Akkordeon zur schnaufenden Lokomotive, die die Strecke Paris nach Istanbul in drei Minuten statt 81 Stunden zu bewältigen hatte. Entsprechenden Drive verlieh die Salonkapelle dem Stück.

Leroy Andersons "Sand Paper Ballet" nutzten Schlagzeuger Florian Friederich und Saxofonist Hannes Baier als "Malergesellen" zum Wettbewerb im Schmirgelpapierreiben. Nicht minder humorvoll war mit dem Charleston "Yes Sir, That's My Baby" die erste Zugabe, während die zweite, der Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater, dem Publikum Gelegenheit zum Mitwirken bot. Die dritte schloss den musikalischen Bogen zurück zum Konzertbeginn: Da ließen die Sternenglänzer wieder die Korken knallen.

Info Ihre Tournee durch Hohenlohe beendet die Kapelle am Samstag, 23. Januar, um 19.30 Uhr im "Spektrum" in Blaufelden. Karten gibt's im Rathaus, Telefon 0 79 53 / 88 40.