Crailsheim Rund 30.000 Kerzen leuchten märchenhaft

Crailsheim / Oliver Färber 21.08.2018
Das 56. Goldbacher Lichterfest lockt am Sonntag wieder Gäste in Scharen in den 1000-Seelen-Ort. Das Motto diesmal widmet sich der Welt der Märchen.

Welches Lied könnte besser zu einem Lichterfest passen, als Elton Johns „Candle in the Wind“. Als der Song aus den großen Lautsprechern tönt, nimmt sich so manches Paar am Sonntagabend an den Händen, bleibt bedächtig stehen und genießt den Ausblick auf die Anhöhe am Ortsrand beim Freibad. „Märchenhaft“ – so flackert der Schriftzug dort und verkündet das Motto der 56. Goldbacher Traditionsveranstaltung.

Die Welt der Gebrüder-Grimm oder Walt Disneys haben die Hohenloher in vielen verschiedenen Figuren dargestellt. Hier leuchtet der gestiefelte Kater aus dem Dunkeln, dort der Polarexpress. „Ist das wohl Tassilo aus die Schöne und das Biest?“, fragt Anne Müller in ihre Gruppe. Ganz einig ist man sich nicht. Dafür sind sich alle ein paar Meter weiter sicher, die Bremer Stadtmusikanten erkannt zu haben. „Esel, Hund, Katze und Hahn aufeinander, das kann nichts anderes sein“, meint die 31-Jährige.

Das Lichterfest will sie keinesfalls verpassen. „Da komm’ ich sicher seit über zehn Jahren immer her“, verrät sie. Ihr damaliger Freund hat sie mitgenommen. „Und ich nun zum ersten Mal meinen derzeitigen Freund“, fügt sie hinzu. Der stutzt. „Was heißt derzeitig?“, fragt er und grinst. Es kommt aber zu keiner Diskussion – sondern zu einem Geständnis. „Hier ist es so schön. Wenn ich dir mal einen Heiratsantrag machen sollte, dann hier“, sagt Marko Tolitsch. Das folgende Küsschen hat er sich für diese Worte verdient.

Er gibt zu, dass er sich das Lichterfest nicht so romantisch vorgestellt hatte. „Und auch nicht so groß. Die betreiben hier ja einen gigantischen Aufwand“, lobt er die vielen Helfer.

Diese Helfer haben auch jetzt, obgleich die Veranstaltung auf ihrem Höhepunkt ist, immer noch das eine oder andere zu tun, überwachen, dass nichts schiefläuft, oder greifen kurzfristig ein. Wer Kerzen und Figuren direkt in seinem Vorgarten hat, feiert kurzerhand draußen. Dort stehen Biergarnituren, fließt der eine oder andere gute Tropfen und wird – auch mit Freunden – über das Fest gesprochen. Der eine oder andere Besucher will etwas wissen über all die Lichter und erhält dann auch seine Antwort.

Obwohl die meisten Besucher wegen der bunten Figuren gekommen sind, bleibt der Rummelplatz auch später weiter frequentiert. Vor dem Crêpesstand steht eine lange Schlange, schneller geht’s dort, wo es frische Burger gibt. Kinder johlen auf ihrer rasanten Rundfahrt mit dem großen Kettenkarussell. Großeltern geben ihren Enkeln ein Eis aus.

Leuchtschwert für den Sohn

Nebenan ist es am Vater, seinen Geldbeutel zu zücken. „Jonas, nicht einfach wegnehmen“, rügt Sven Rüger seinen Sprössling, der an einem Stand beherzt zu einem Leuchtschwert greift. Der blau leuchtende Stab ist ja auch zu verlockend für den Siebenjährigen. Rüger fragt die Verkäuferin, wie viel das begehrte Stück kostet. „Sieben Euro?“, fragt er zurück und wiegt mit dem Kopf. „Bitte“, sagt Jonas, zieht die Vokale lang und blickt seinen Vater herzerweichend an. Das funktioniert: Das Leuchtschwert wechselt seinen Besitzer – Jonas strahlt mit ihm um die Wette und bedankt sich überschwänglich.

Kurz darauf ist der Spuk aber zu Ende. Die vielen Besucher strömen zurück zu ihren Wagen. Wieder gibt es ein Lichtermeer – das der Autoscheinwerfer.

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