Crailsheim Rotarier arbeiten auf dem Burgberg

Crailsheim / Birgit Trinkle 18.06.2018
Die Crailsheimer Rotarierer arbeiten mit erheblichem Material- und Zeitaufwand an einem kleinen Platz vor dem Haus Nr. 61 in der Burgbergstraße.

Es ist der Tag des schweren Geräts. Bevor die Rotarier ohne Bau-Hintergrund in der Burgbergsiedlung einen kleinen Platz  gestalten können, müssen die Vorarbeiten erledigt werden. Martin Jakob, Geschäftsführer der Firma Feuchter, hat die Baufahrzeuge mitgebracht; Steinbruchbesitzer Ekkehard Schumm liefert einige Tonnen Material und packt selbst kräftig mit an, Architekt Jörg Schust und Manfred Dohmen, der angehende Chef des Crailsheimer Serviceclubs, geben den Startschuss. An den kommenden Wochenenden werden immer neue Rotary-Mitglieder an der Außenanlage arbeiten, außerdem an einer extrem stabilen, pflegeleichten, barrierefreien Möblierung für etwa 20 Personen. Menschen ohne Obdach oder mit Problemen und Sorgen unterschiedlichster Art sollen es demnächst schöner haben hier.

Ganz gleich, wo in welcher Größe an Bauprojekten gearbeitet, wo Stadtentwicklung vorangetrieben oder ein Wohnumfeld verbessert werden soll: „Alle Projekte scheitern, wenn es keine Sozialräume gibt“, sagt Dohmen, der in diesen Tagen turnusmäßig Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg als Vorsitzenden der Crailsheimer Rotarier ablöst. Dohmen weiß, was er sagt. Der Kinder- und Jugendpsychotherapeut hat bereits während seines Studiums in Obdachlosensiedlungen gearbeitet, einen Nachbarschaftsverein auf die Beine gestellt und in Theorie und Praxis gleichermaßen erfahren, dass eine funktionierende Gemeinschaft Räume braucht, in denen sich Menschen begegnen: „Sonst passiert gar nichts, politisch und sozial ist das ganz wichtig.“

Auf seinen Vorschlag hin haben sich die Rotarier für dieses Projekt entschieden. Gemeinsam mit Kirsten Orth-­Krause vom Arbeitskreis Burgbergstraße, hinter dem die evangelische Kirche mit Dekanin Wagner steht, sowie mit Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer und der Stadtverwaltung als Eigentümerin wurde der neue Platz schließlich auf den Weg gebracht.

„Das war einfach nicht einladend hier“, sagt Orth-Krause. „Wir haben uns schon lange gewünscht, dass die Bewohner hier auch sitzen können, wenn kein Betrieb ist.“ Dass es an den Abenden und am Wochenende die Möglichkeit gibt, sich in aller Ruhe draußen aufzuhalten. In der Vergangenheit fanden sich Plastikstühle oft auf dem gesamten Areal verstreut, vieles wurde gestohlen oder beschädigt. Das neue Projekt sieht massive Steintische vor, praktisch unkaputtbar, mit integrierten Sonnenschirmen, zudem ein Sitzrondell und Sitzreihen, schöne Bepflanzung, und das alles auf einer gepflegten Splittdecke.

Kräutergarten für die Küche

In einer zweiten Bauphase entstehen unter anderem Pflanzkübel mit Kräutern entlang der Hauswand. Darauf freuen sich insbesondere die Ehrenamtlichen, die in der Burgbergstraße 61 zweimal wöchentlich kochen. Ekkehard Schumm findet vor allem dieses gemeinsame Arbeiten wichtig: „Das ist etwas ganz anderes, als nur einen Scheck auszustellen.“ Von diesem Gedanken lebt der Serviceklub von jeher. Schumm bringt die hehren, in der Satzung verankerten Ziele auf den Punkt: „Das hier schweißt zusammen, es macht Spaß, und vor allem entsteht etwas wirklich Gutes.“ Die Rotarier wollen die von ihnen gestaltete Außenanlage auch in Zukunft im Blick haben. Was für die Bewohner gilt, die in den kommenden Wochen eingeladen sind, mitzuhelfen, gilt auch für sie: Was mit eigener Hände Arbeit entsteht, hat eine ganz andere Wertigkeit. Darauf wird aufgepasst. Auch das ist ein Ziel dieses jüngsten Projektes der Rotarier in Crailsheim.

Info

Überplant werden etwa 160 Quadratmeter; die Rotarier geben rund 15.000 Euro aus; würden Maschinen- und Arbeitseinsatz sowie die Material­spenden gerechnet, so schätzt Architekt Schust, ist dieses Projekt auf mindestens 50.000 Euro zu beziffern.

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