Günter Braun hatte sich so sehr auf seinen 80. Geburtstag gefreut, dann würde er nämlich in die Altersklasse M 80 aufrücken und hätte bei den Wettkämpfen wieder gute Siegchancen. Doch da­raus wurde (zumindest vorerst) nichts. Seit knapp eineinhalb Jahren kämpft der 81-Jährige nämlich mit Herzproblemen und kann nur in äußerst reduzierter Form trainieren. „Einmal in der Woche gehe ich dennoch ins Schönebürgstadion zum Training“, erzählt der Leichtathletik-Senior mit der Startpassnummer 5181, der seit über 70 Jahren für den TSV Crailsheim auf Medaillen- und Urkundenjagd geht.

Seinen ersten Wettkampf hatte er am 22. Mai 1949. „Wir sind mit unserer Trainingsgruppe mit dem Zug nach Rot am See gefahren“, kann er sich noch genau an diesen Tag erinnern. „Wir sind dann zusammen zum alten Sportplatz an der Straße Richtung Gerabronn rausgelaufen.“ Im Dreikampf mit Schlagball, Weitsprung und 50-Meter-Lauf kam er auf den vierten Platz. „Danach ging es wieder zurück zur alten Turnhalle, wo die zusätzlichen Turndisziplinen Bodenturnen, Pferdsprung und Niederreck abgenommen wurden und in die Wertung für den Sechskampf eingingen.“ Hier wurde der damals Elfjährige in seiner Altersklasse sogar Zweiter.

Sindelfingen

Günter Braun trainierte immer fleißig

Gunter Bergschmidt hieß damals sein Lehrer an der Oberschule. Er brachte ihn zum Sport und war auch der einzige Trainer, den er überhaupt in seiner Karriere für nur wenige Jahre hatte. Im Sommer wurden die verschiedenen Leichtathletikdisziplinen geübt, im Winter ging es zum Turnen in die Halle.

Trainiert wurde meist am oberen Sportplatz, der damals noch ein Ascheplatz war. Die Rundlaufbahn um den Rasen war nur 303 Meter lang und bei jedem Wettkampf musste alles neu vermessen und gestreut werden „Wir haben irgendwann alte Förderbänder bekommen und diese dann für die Anlaufbahn beim Weitsprung ausgelegt“, erinnert sich Braun an die Zeit kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als noch sehr viel Improvisation gefragt war. Viel wichtiger war allerdings ein ganz anderer Aspekt: „Der Sport half uns nach den Grauen des Krieges dabei, wieder ein Stück Normalität in unser Leben zu bekommen.“

Nicht immer gab es einen Bahnhof in der Nähe der Sportfeste, so ging es manchmal auch mit dem Fahrrad zu den Wettkämpfen. Nachdem Trainer Bergschmidt berufsbedingt den TSV verlassen hatte, übernahmen die Nachwuchssportler einfach selber das Training. „Wir waren ein eingeschworener Haufen, haben uns gut ergänzt und gegenseitig gepusht.“ Braun trainierte fleißig, der Bauernhof seiner Eltern war nur knapp hundert Meter vom Trainingsgelände entfernt. In dieser Zeit bei den Junioren war er sehr erfolgreich, unter anderem wurde er württembergischer Vizemeister im Hammerwurf und im internationalen Fünfkampf.

Nach einer schweren Operation im Jahr 1953 brauchte Braun sehr lange, um wieder Anschluss zu finden. Und so kam es, dass sich zwischendurch seine Prioritäten mehr in Richtung Handball verschoben hatten. „Wir spielten im Sommer auf einem Ascheplatz und im Winter in der Reithalle“, erinnert er sich lächelnd.

Der Sportler hat viele Erfolge gefeiert

Auf viele tolle Erfolge in seinem langen Sportlerleben kann Braun zurückblicken, Höhepunkte waren sicherlich der deutsche Meistertitel im Weitsprung (M 35), eine WM-Teilnahme (M 40) sowie zwei Europameisterschaften, die mit Platz 6 (M 60) und sogar dem Titelgewinn (M 50) äußerst erfolgreich für den Crailsheimer endeten. In den zehn Jahren M 70 sicherte sich Braun insgesamt beeindruckende 16 Medaillen bei überregionalen Wettbewerben in der Halle und unter freiem Himmel. Unter anderem kam er im internationalen Fünfkampf (Weitsprung, Speerwurf, 200-Meter-Lauf, Diskuswurf und 1500-Meter-Lauf) auf den dritten Platz bei der deutschen Meisterschaft und hält immer noch den württembergischen Rekord in dieser Altersklasse.

Crailsheim

Zudem hat Braun insgesamt 62 Mal das Mehrkampfabzeichen und 35 Mal das Sportabzeichen jeweils in Gold bekommen, „aber leider geht das momentan auch nicht mehr. Ob ich in diesem Jahr noch einmal angreifen kann, ist fraglich.“ Im Moment steht einmal wöchentlich schnelles Gehen oder Schwimmen auf seinem Trainingsplan. Außerdem geht er ab und an in den Kraftraum oder trainiert seine Wurfdisziplinen Hammer, Diskus und Kugel. „Eigentlich bin ich ja ein Läufer und Springer, aber ich musste mich altersbedingt umstellen.“

Sportangebote für Senioren

Das Ehrenmitglied des TSV Crailsheim ist als Seniorensportwart auch außerhalb des Stadions für seinen Verein immer noch im Einsatz. Braun ist es wichtig, dass es im Klub abteilungsübergreifende Angebote wie beispielsweise die Turngruppe „Bäuchlinge“ oder den Rehasport für Senioren gibt. Zudem bietet seit Anfang des Jahres Andrea Breuninger immer mittwochs von 19 bis 20.30 Uhr ein Sportabzeichen-Training in der Crailsheimer Großsporthalle an. Und sicherlich hat der umtriebige Sportler auch bald wieder neue Ideen, was er den Senioren im Verein neben dem alljährlichen Adventscafé und diversen Ausflügen noch alles anbieten kann – langweilig wird es Günter Braun sicherlich auch in Zukunft nicht.