In Rot am See mangelt es nicht an Gaststätten und Restaurants. Wer den 3000-Einwohner-Ort auf der Bundesstraße durchquert, hat gleich fünf Möglichkeiten für eine Einkehr. Von Familienbetrieben über den Schnellimbiss bis zum Italiener. Als sechste Option lockt ein wenig abseits der B 290 das Landhaus Hohenlohe.

Die Gastronomiebetriebe verbindet in diesen Tagen, dass sie alle mit den Corona-Einschränkungen ringen. Das gilt selbst für den Lieferservice Raja, von dem man vielleicht am ehesten glauben könnte, das richtige Geschäftsmodell für diese Zeit zu haben. Er müsse bald Angestellten kündigen, sagt Besitzer Rashid Waraich. Seine Erklärung für die Umsatzverluste: „Wenn die Leute wegen Corona nicht arbeiten können, haben sie auch kein Geld, um Essen zu bestellen.“

Kochen im Freien

Kaum eine Branche spürt die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie so stark wie die Gastronomie. Gaststätten waren unter den ersten Einrichtungen, die im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus schließen mussten. Zu groß schätzten Bund und Länder die Infektionsgefahr ein. Irmgard Lutz vom Gasthaus Adler hat dafür vollstes Verständnis, wie sie sagt: „Die Gäste können bei uns ja keinen Mundschutz zum Essen und Trinken tragen, sie sitzen eng aufeinander.“

An eine baldige Rückkehr eines normalen Betriebes glaubt sie deshalb nicht. In der Krise bleibt den Gastronomen nicht viel mehr als Pragmatismus. Alle Betriebe in Rot am See haben auf Essen zum Mitnehmen umgestellt, teils mit durchaus kreativen Ideen: Das Gasthaus Rössle bietet, nach dem Vorbild amerikanischer Fastfood-Ketten, einen Drive-in für Autos an, gekocht wird vor dem Restaurant auf einer Kochplatte. Matthias Mack vom Landhaus Hohenlohe verlegte einen seiner Kochkurse kürzlich in das Internet. Die Teilnehmer bekamen die Zutaten nach Hause geliefert, gekocht wurde gemeinsam in der Videokonferenz.

Den Umsatz aus normalen Zeiten kann das nicht ersetzen – auch wenn, wie einige Wirte betonen, auch in der Krise auf die Stammkundschaft Verlass sei. Elsbeth Haberstock-Markert, Inhaberin des Gasthofs Lamm, sagt, dass sie durch den Außerhaus-Verkauf und Kurzarbeit sogar ihre Betriebskosten decken könne. Allerdings fehlen ihr die Einnahmen aus ihren Fremdenzimmern, aber auch von großen Veranstaltungen wie Familienfeiern oder Konfirmationen.

Kreis Hall

Das Land Baden-Württemberg hat zusätzliche Mittel als Soforthilfe für Gastronomen bereit gemacht, die auch Betriebe in Rot am See in Anspruch genommen haben. „Damit können wir was anfangen, aber es ist bei Weitem nicht das, was wir brauchen“, sagt Matthias Mack.

Pacht wird gestundet

Auch Simone Sandroni von der Pizzeria Dreispitz hat Geld vom Land erhalten, „eine wichtige Hilfe“. Sein Verpächter Klaus Dieter Rupp hat ihm die Pacht vorerst gestundet. „Ich habe kein Inte­resse daran, dass er insolvent geht“, sagt Rupp. „Da hat keiner was davon.“

Auch die Gastronomen aus Rot am See bereiten sich so gut wie möglich auf den Tag X vor, an dem sie wieder – unter Auflagen – öffnen dürfen. Für Speiselokale in Baden-Württemberg gilt das ­voraussichtlich ab Montag, 18. Mai.