Konzert Konzert: Reformationshymne ganz exklusiv

Die Uraufführung der eigens für die Stadtkapelle Crailsheim komponierten Reformationshymne – hier ein Blick auf die Partitur – ist beim Konzert am ersten Adventssonntag in der Johanneskirche.
Die Uraufführung der eigens für die Stadtkapelle Crailsheim komponierten Reformationshymne – hier ein Blick auf die Partitur – ist beim Konzert am ersten Adventssonntag in der Johanneskirche. © Foto: Stadtkapelle
Ute Schäfer 25.11.2016
Mit dem Crailsheimer Choral „Christ fuhr gen Himmel“ als Basis will die Stadtkapelle am Sonntag bei der Uraufführung den Namen der Reformationsstadt hinaustragen in die Welt.

Hämmernd“ fängt das Musikstück an. Weil „hämmernd“ auch die Reformation angefangen hat. Gerade mal einen Monat hatte die Stadtkapelle, um dieses „Hämmern“ des Thesenanschlags einzuüben. Denn so frisch ist die Komposition noch. Jetzt steht sie unmittelbar vor der Uraufführung. „Und sie gefällt uns allen gut“, sagt Stadtmusikdirektor Franz Matysiak, der das Stück mit dem Orchester erarbeitet hat.

Komponiert hat es Hermann Pallhuber. Er ist ein renommierter Blasmusiker, Komponist, Professor für Blasorchesterleitung in Mannheim und nicht zuletzt Studienfreund von Franz Matysiak, der nämlich bei allem Trubel um das Reformationsjahr eine Lücke ausgemacht hat: „Die renommierten Musikverlage haben das Thema nicht für sich entdeckt“, sagt Matysiak. „Meines Wissens gibt es kein Musikstück, das zum Reformationsjahr in Auftrag gegeben wurde“, sagt Matysiak. Deshalb haben die Stadt Crailsheim, der Kirchenbezirk und die Stadtkapelle eine Komposition in Auftrag gegeben. Es sollte die Reformation ausdrücken, plakativ sein, von Blasorchestern gut gespielt werden können – und crailsheimerisch sein. Das geht. Denn dem Werk liegt nämlich das Crailsheimer Lied im Gesangbuch zugrunde. Es ist der Choral „Christ fuhr gen Himmel“, dessen Text etwa um das Jahr 1480 entstand und damit vorreformatorisch ist. Dichter war der Crailsheimer Pfarrer Johann Sattler. Deshalb wird der Choral als „aus Crailsheim“ geführt, sowohl im Gesangbuch wie auch im katholischen Gotteslob.

Das Werk ist also crailsheimerisch und ökumenisch, wenn man so will. Und nun Grundlage des neuen Musikstücks. Dort taucht die Melodie erkennbar immer wieder auf, „in verschiedenen Schichten und mit Umspielungen“, sagt Matysiak. Kompositionstechnisch heißt das „cantus firmus“ – „feststehender Gesang“, was eine festgelegte Melodie bezeichnet, die im Werk verwendet wird, ohne selbst groß verändert zu werden. „Die Kompositionstechnik stammt wie der Kontrapunkt aus dem Mittelalter.“

„Das Werk soll Erkennungszeichen der hiesigen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum sein“, sagt Matysiak und sozusagen als „Crailsheimer Reformationshymne“ in alle Welt gehen. Denn die Noten werden gedruckt und tragen damit den Namen der Reformationsstadt, aber auch der Stadtkapelle in alle Welt.

Das Stück heißt „Momentum Profectionis, Luthers Aufbruch in eine neue Zeit“, dauert acht Minuten, und sein Komponist kennt es auch noch nicht live gespielt. „Er wird aber versuchen, bei der Uraufführung am Sonntag dabei zu sein.“ Doch das ist natürlich nicht das einzige Stück, das die Stadtkapelle am Sonntag aufführt: Die Programmauswahl greift auf die Veranstaltung „Crailsheim auf dem europäischen Reformationsweg“ vor. Sie steht unter dem Leitthema „Reformation – Zivilcourage – Engagement“.

Das drücken auch die Musikstücke aus: „Die Geschichte der Anne Frank“ berührt wie die Titelmelodie zu „Schindlers Liste“ gleichermaßen die Seele, meint Franz Matysiak. Den Part der Solovioline übernimmt Alexandra Hänisch, die neue Musikschulleiterin. Und dann wird es natürlich noch einen Ausblick auf Weihnachten geben. Schließlich erreicht uns der Lichtmonat Dezember, und die Musik leuchtet in den Advent hinein. Werke des Gedenkens stehen also denen der Hoffnung und des Aufbruchs gegenüber. Zum Thema „Begegnung und Aufbruch“ wird Dr. Winfried Dalferth Einblick in seine Gedanken dazu geben. Und natürlich auch das „Hämmern“ erwähnen, mit dem das neue Musikstück beginnt. Und die Reformation.

Info Uraufführung der Crailsheimer Reformationshymne ist beim Adventskonzert der Stadtkapelle an diesem Sonntag,  27. November, am 1. Advent, um 18 Uhr in der Johanneskirche. Der Eintritt ist frei.