Rebers Pflug: Feine Sterneküche mit Bodenhaftung

GUIDO SEYERLE 25.05.2013

Manchen Kulinarikfan schreckt schon das Wort Sterne-Gastronomie ab: Es könnte steif zugehen, schon ein paar laute Worte oder sogar ein kurzer Lacher könnten unpassend sein. Solche Sorgen braucht sich der Gast in Rebers Pflug nicht zu machen. Schon die Ausstattung des Restaurants zeigt, dass hier Menschen mit Bodenhaftung am Werk sind. Beispielsweise hängen an der Wand Getreidesäcke, die vor Jahrzehnten von der eigenen Familie genutzt worden sind. An einer anderen Stelle ist ein Schaufenster in den Boden eingelassen, das verschiedene Getreidesorten zeigt.

Aber zuerst wird gewandert. Die beiden Touren sind fast gleich lang, stellen aber verschiedene Ansprüche. Die kurze Variante ist ein Abenteuerspaziergang. Wir folgen der Weckriedener Straße bis nach Gelbingen. Oberhalb des Diaks genießen wir den Trail auf dem Jakobsweg, bevor wir über die Wettbachklinge zurückkommen. Die lange Variante lässt uns bequem durch die Felder bis nach Eltershofen und Erlach spazieren, bevor wir über Gelbingen zurück zum Pflug kommen.

Im Wintergarten, der "Schweine- und Weinbar" heißt, ist ein Fensterplatz frei. Hans-Harald Reber empfiehlt als Besonderheit vom Zander die Bäckchen im Speckmantel. Der Kontrast der feinen Fisch- mit den kräftigen Speckaromen überzeugt. Beim Spargel fällt sofort auf: Er schmeckt feiner. Reber klärt auf: Der Spargel wird im Vakuum zubereitet und kommt nicht mit Wasser in Berührung. Dadurch bleiben selbst die Spitzen herrlich knackig. Dazu der leicht-fruchtige Geschmack der Tomaten mit feinem Balsamico-Tupfer - da wird deutlich, warum der Pflug seit 2008 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet ist.