Crailsheim/Gerabronn Razzien in Crailsheim und Gerabronn

Polizeibeamte beobachten in Neuss (Nordrhein-Westfalen) ein Treffen der „Osmanen Germania“, dieser Einsatz lief bereits im Jahr 2016.
Polizeibeamte beobachten in Neuss (Nordrhein-Westfalen) ein Treffen der „Osmanen Germania“, dieser Einsatz lief bereits im Jahr 2016. © Foto: Archivfoto: Dieter Staniek/dpa
Crailsheim/Gerabronn / JS/DPA 14.03.2018
Die Polizei ist am Dienstag in drei Bundesländern gegen die türkisch-nationalistische Rockergruppe „Osmanen Germania“ vorgegangen – auch in Hohenlohe durchsuchte sie zwei private Objekte.

Das Bundesinnenministerium hält die Gruppe „Osmanen Germania“ für gefährlich – und hat zum Schlag gegen die Rockergruppe ausgeholt. Gestern durchsuchte die Polizei 59 Objekte in drei Bundesländern. Es bestehe der Verdacht, dass Zweck und Tätigkeit des Vereins den Strafgesetzen zuwiderlaufen, hieß es.

Der Verein bezeichne sich als Boxclub und gebe vor, Jugendliche von der Straße zu holen. Tatsächlich aber liege der Zweck in der gewalttätigen Gebiets- und Machtentfaltung sowie in der Selbstbehauptung gegenüber konkurrierenden rockerähnlichen Gruppierungen. Die Gruppe steht nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP. Die Gruppierung vertrete türkisch-nationalistische und rechtsextremistische Positionen.

„Null-Toleranz-Strategie“

Der Schwerpunkt der Razzia am Morgen lag mit 41 Objekten in Nordrhein-Westfalen. Dabei setzte die Polizei teilweise auch Spezialkräfte ein. In Hessen durchsuchten die Einsatzkräfte zehn Objekte. In Baden-Württemberg waren es acht. Neben  Jettingen bei Nagold, Mannheim, Crailsheim und Gerabronn waren auch Räume in den Justizvollzugsanstalten Offenburg und Stuttgart-Stammheim betroffen. Dort sitzen der „Weltpräsident“ und der „Weltvizepräsident“ der „Osmanen Germania“ in Untersuchungshaft.

„Wir begegnen allen kriminellen Rockern und rockerähnlichen Gruppierungen mit einer Null-Toleranz-Strategie“, betonte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU). In Baden-Württemberg existieren laut Ministerium sechs sogenannte Chapter mit rund ­100 Mitgliedern und Unterstützern.

Vom 26. März an müssen sich in Stuttgart acht mutmaßliche „Osmanen“ – darunter drei aus der weltweit höchsten Führungsebene – vor Gericht verantworten. Ihnen werden unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgeworfen.

„Kriminelle Vereinigung“

In Baden-Württemberg waren am Dienstag mehr als 100 Polizisten im Einsatz, wie das Innenministerium mitteilt. Der Einsatz wurde vom Landeskriminalamt koordiniert, von „absoluter Geheimhaltung“ war im Vorfeld die Rede. Ob es in Crailsheim oder Gerabronn Verhaftungen gegeben hat, ist allerdings nicht bekannt.

Wer sich bei Motorradclubs in Hohenlohe umhört, erfährt, dass die „Osmanen Germania“ zwar ein Begriff sind, aber dieser Verein sich in der Region „unauffällig“ verhalte. „Keine Ahnung, wer zu den Leuten gehört“, sagt ein Vorsitzender. Nicht nur er stört sich an der Formulierung Rockergruppe: „Das, was die Osmanen machen, hat mit Rockern nichts zu tun: Das ist eine kriminelle Vereinigung.“

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