Eigentlich wollte der Gemeinderat nur ein Kompetenzteam, auch Expertengruppe genannt, mit der Standortuntersuchung fürs Hallenbad und mit der Erarbeitung eines Nutzungskonzepts bis Juni 2020 beauftragen.

Sebastian Klunker, AWV, gab dem Ganzen eine unerwartete Wendung. Er sah die von der Verwaltung vorgeschlagene Bürgerbeteiligung durch Vertreter des Gemeinderats, Jugendgemeinderats, Stadtseniorenrats, der Schulen, der Vereine sowie der Stadtwerke und der Verwaltung kritisch. Die Frist bis Ende Juni 2020 war ihm zu lang, er forderte eine Entscheidung bis Ende 2019, um den stetig steigenden Baukosten entgegenzuwirken – der Neubau darf nur 17 Millionen Euro kosten. Vor allem aber beantragte er, dem Kompetenzteam die wichtigste Frage abzunehmen: Noch am selben Abend solle über den Standort abgestimmt werden.

Als sich Gerhard Neidlein von der CDU diesem Anliegen anschloss, zeichnete sich das überraschende Ergebnis bereits ab. Neidlein meinte, ihm als regelmäßigem Hallenbad-Nutzer sei ein deutliches Votum für den Freibad-­Standort zugetragen worden. Markus Schmidt von den Grünen zeigte sich ebenfalls skeptisch in Sachen Kompetenzteam, immerhin habe sich die Stadt vor Jahren fürs Heidelberger Modell entschieden: Als Reaktion auf die schlechte Wahlbeteiligung bei der Gemeinderatswahl 2014 und um mehr Transparenz und mehr Akzeptanz zu schaffen, wurde vor drei Jahren beschlossen, Bürger bereits in der Frühphase ausgewählter Projekte an der Planung zu beteiligen. Vor allem aber warnte Schmidt vor einer Standortentscheidung; dann bleibe den Bürgern bei diesem engen Kostenrahmen nicht mehr, als „über zwei spuckende Elefanten mehr oder weniger zu entscheiden“. Wolfgang Ansel (SPD) spielte auf die später durch ein Bürgerbegehren gekippte Standortentscheidung für die Stadthalle an und warnte: Die Stadt habe schon einmal erlebt, „was passiert, wenn über die Köpfe der Leute hinweg entschieden wird“: „Dass wir keine Stadthalle haben, ist diesem Versäumnis zuzuschreiben.“

Peter Gansky (BLC) wiederum fragte, ob die gewählten Vertreter der Crailsheimer Angst vor Verantwortung hätten; in den kommenden fünf Monaten – bis zur Kommunalwahl – könnten durchaus noch „Pflöcke eingeschlagen“ werden. Auch er fand, die Nutzer des Hallenbads seien die eigentlichen Experten. Damit waren zumindest die Eckpfeiler der Diskussion eingeschlagen.

Die Meinungen zur „Bürgerbeteiligung für die gesamte Bürgerschaft“, wie unter anderem von Dennis Arendt (Grüne) verlangt, wurden später von Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer gebündelt: Er schlug vor, das Kompetenzteam solle mit den Planungsvarianten eine Bürgerbeteiligung durchführen; entscheiden werde der Gemeinderat.

Reine Alibifunktion?

Recht bald freilich zeichnete sich ab, dass der Standort des Hallenbads bestimmendes Thema des Abends werden sollte. Es ging dabei auch um die Schulen, die Innenstadtbewohner und die Ansicht, bei bereits beantworteter Standortfrage sei die Bürgerbeteiligung auf eine reine Alibifunktion reduziert. Unter anderem Franz Köberle (CDU) kritisierte, dass das Thema Hallenbad bis weit ins Jahr 2018 hinein nicht öffentlich diskutiert wurde.

Die Frage, ob der Neubau dringend ist, sprich ob das Gebäude „in den nächsten Jahren zusammenbricht“, konnte der technische Geschäftsführer der Stadtwerke Jürgen Breit nicht beantworten. Ebenfalls ungeklärt ist, ob der Standort am Freibad schneller gebaut werden kann oder ob er überhaupt zu realisieren ist: Baubürgermeister Jörg Steuler zufolge muss zunächst die planungsrechtliche Voraussetzung geschaffen, sprich mit dem Regierungspräsidium abgeklärt werden, ob eine Änderung des Regionalplans möglich ist oder ob es ein Zielabweichungsverfahren geben muss.

Dennoch stimmten 19 Gemeinderäte für eine sofortige Standort­entscheidung, 15 dagegen; später wurde dem Maulach-Standort mit 22 Jastimmen der Vorzug vor den Innenstadtvarianten gegeben. Ist Bürgerbeteiligung immer noch sinnvoll, vor allem soll sie beginnen, so lange noch nicht geklärt ist, ob der Maulach-Standort verwirklicht werden kann? Dafür sprach sich die Mehrheit aus, ebenso dafür, dass die Ergebnisse des Kompetenzteams  Ende 2019 vorliegen sollen.