Rührseligkeit ist nicht unbedingt Bürgermeister Siegfried Gröners hervorstechende Eigenschaft. Am Montag aber kam er kurz ins Sinnieren, nachdem sein erster dienstlicher Weg ihn in das Büro geführt hatte, das seit mehr als 18 Jahren seines war. „Ich habe die leeren Wände angeschaut“, sagt er. „Das war ein komisches Gefühl“ – zumal er nicht zurückkommen wird: Gröner gibt sein Amt im kommenden Frühjahr auf, das Rathaus ist wohl frühestens in zwei Jahren saniert und wieder bezugsfertig.

Seine Sachen hatte der Bürgermeister – wie die anderen knapp 20 Rathaus-Mitarbeiter auch – in den vergangenen Tagen und Wochen ausgemistet und zusammengepackt. Schon am Montagvormittag hatten Mitarbeiter der Firma Lindenmeyer aus Crailsheim die Kartons ins alte Postgebäude geschafft. Dort standen sie nun beim HT-Besuch im neuen, deutlich kleineren Schulzen-Zimmer im ersten Stock. Bis zum Auspacken schaut Gröner vom Schreibtisch aus auf eine braune Wand, danach auf die weiße Wand gleich dahinter. Von der Repräsentativität seines bisherigen Büros hat das nichts.

Konferenzen im Sitzungssaal

Es geht halt weniger geräumig zu als im eigentlichen Rathaus. Immerhin: „Die publikumsintensiven Bereiche im Erdgeschoss sind großzügig, das ist überhaupt kein Problem“, sagt Gröner. Und für Konferenzen nutzen die Verwaltungsmitarbeiter in Corona-Zeiten – so lange es geht – noch den Sitzungssaal im Rathaus.

Gastronomen in Rot am See Stammgäste halten die Treue

Rot am See

Grundsätzlich ist es natürlich ein Glücksfall, dass es das Postgebäude als Ausweichstandort überhaupt gibt. „Es kommt keiner schlecht unter. Jeder muss zwar mit kleinen Einschränkungen leben, aber es ist beileibe nicht so, dass alle auf 50 Quadratmetern zusammengepfercht sind“, sagt Bauamtsleiter Armin Vogt, der den Umzug „perfekt“ (Gröner) vorbereitet hat. Alles lief von Stunde eins an wie am Schnürchen: Jedem Raum war eine bestimmte Farbe zugeordnet, Kleber auf den Kartons wiesen den Weg. „Da habe ich mich im Vorfeld von der Firma Lindenmeyer beraten lassen“, so Vogt.

Baubeginn im Juni

Trotz eines Anflugs von Wehmut zeigte sich Bürgermeister Gröner froh, dass nach langer Planung nun endlich die heiße Phase der Rathaus-Sanierung beginnt: „Der Umzug ist mal ein erster Schritt. Noch froher sind wir aber, wenn tatsächlich die Baufirmen anrücken.“ Anfang Juni soll’s so weit sein.

Vorher stehen noch zwei weitere Tage der Wahrheit im Kalender: Heute werden die Telefone im Übergangs-Rathaus angeschlossen, am Freitag die EDV. Die Voraussetzungen dafür mussten erst geschaffen werden. „Die Profis haben gesagt: Man steckt ein, dann geht’s“, sagt Gröner. Er hofft, dass sie recht haben und „jedes Kabel am richtigen Platz ist“, wie es Bauamtsleiter Vogt formuliert.

Diese Firmen sind mit Arbeiten beauftragt


Der Gemeinderat von Rot am See hat in seiner April-Sitzung verschiedene Gewerke der Rathaus-Sanierung vergeben: Rohbauarbeiten (Firma Ilgenfritz, Reubach), Heizung (Firma Halbritter, Crailsheim), Sanitär (Firma Halbritter), Lüftung (Firma WSH Wurzinger, Schnelldorf). Außerdem wurde die Verwaltung bevollmächtigt, auch die Abbruch- und Elektroarbeiten zu vergeben. Erstere gingen an die Firma Schneider, Gammesfeld, Zweitere an die Firma EWB, Ilshofen. Man bewegt sich im Kostenrahmen. sebu