Der Investor W-I-N-D Energien aus Kirchheim/Teck will auf einer Fläche nahe Ölhaus im Burgbergwald fünf Windenergieanlagen bauen. Dafür hat er im Juli einen Genehmigungsantrag gestellt, den die untere Umweltschutzbehörde im Landratsamt Schwäbisch Hall bearbeitet. Vier der geplanten Anlagen befinden sich auf dem Gemeindegebiet der Stadt Crailsheim, eine auf Ilshofener Gemarkung.

Die Städte Crailsheim und Ilshofen waren nun aufgefordert, ihr gemeindliches Einvernehmen zu diesem Projekt zu geben. Der Ilshofener Gemeinderat hat seines in der vergangenen Woche erteilt. Der Crailsheimer Gemeinderat hat nach langer Diskussion und – wie von der CDU-Fraktion beantragt – namentlicher Abstimmung am Donnerstag das Einvernehmen versagt. Selbst Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer enthielt sich bei der Abstimmung, obwohl er in der Sitzungsvorlage empfiehlt, der Planung zuzustimmen.

Laut Baugesetzbuch darf das Einvernehmen nur dann verweigert werden, wenn es rechtliche Gründe gibt oder wenn etwa die Planungshoheit der Gemeinde beeinträchtigt wird, weil sie für eben jenes Gebiet andere Pläne hat. Dies ist jedoch nicht der Fall. Im Gegenteil: Im Teilflächennutzungsplan Windenergie der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim (VVG), der allerdings noch nicht rechtskräftig ist, entspricht die Fläche, die der Investor seiner Planung zugrunde gelegt hat, der Konzentrationszone 1/11 und ist somit für die Windkraftnutzung vorgesehen.

Das fehlende Einvernehmen aus Crailsheim wird das Genehmigungsverfahren nicht beeinflussen und die Realisierung des Windparks nicht stoppen. Die Genehmigungsbehörde kann es im Laufe des Verfahrens ersetzen.

Räte diskutieren ausgiebig

Obwohl Oberbürgermeister Grimmer zu Beginn der Debatte, die sich der Projekt-Präsentation durch den W-I-N-D-Energien-Geschäftsführer Jochen Kreidenweiss anschloss, ausdrücklich darauf hinwies, dass die Stadt wenig Einflussmöglichkeiten habe – „Wir können hier nicht mehr abgeben als ein politisches Statement.“ – diskutierten die Gemeinderäte ausgiebig und emotional.

Gerhard Neidlein stellte klar, dass die CDU-Fraktion das Einvernehmen nicht erteilen werde. Er rechnete vor, dass die Windräder mit einer Gesamthöhe von 229,3 Metern höher seien als der Burgbergturm. „Ich frage mich, unabhängig von der Rodung von Waldflächen, warum man sich überhaupt Gedanken macht über Grünzüge oder darüber, eine Brauerei an einer Bundesstraße zu bauen. Das sind alles ‚Vogelschisse’ im Vergleich zur Windenergie.“

SPD will größeren Abstand

Die SPD-Fraktion bekannte sich zwar grundsätzlich zur alternativen Energiegewinnung, forderte aber einen Abstand von 1000 Metern zwischen den geplanten Windkraftanlagen und dem Teilort Ölhaus. Diesen Abstand hatte auch der Ortschaftsrat Roßfeld verlangt. In der Planung bewegen sich die Abstände – je nach Windrad – zwischen 855 und 1610 Metern zur Ortschaft.

„Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind“, berichtete Hermann Wagner für die AWV-Fraktion. Wagner ermahnte seine Ratskollegen zu mehr Sachlichkeit. „Wir haben im Gemeinderat nicht die Kompetenz, etwas an den Rahmenbedingungen zu drehen, an die sich die Planer halten müssen. Da müssen wir uns an die Landesregierung wenden.“

Glück gehabt

Die Grünen-Fraktion signalisierte ihre Zustimmung zum Windpark. „Wir haben diesen Flächen hier im Gremium mehrheitlich zugestimmt. Wenn wir mit dem Flächennutzungsplanverfahren schneller gewesen wären, hätten wir noch mehr Einfluss nehmen können“, stellte Markus Schmidt klar. Nun könne man von Glück sprechen, dass der Investor den Windpark tatsächlich auf den dafür vorgesehenen Flächen plane und nicht an irgendwelchen anderen Standorten, was aufgrund eines fehlenden rechtskräftigen Flächennutzungsplans problemlos möglich wäre.

Peter Gansky (BLC) sprach seine Abneigung gegen Windkraftanlagen offen aus: „Das ist akustische und optische Umweltverschmutzung.“ Er fragte außerdem, wie es sein könne, dass Rotmilane einen Schutzraum von 1000 Metern genössen, für die Bewohner von Ölhaus dagegen nur 855 Meter gelten würden.

Dafür hatte Wolfgang Ansel (SPD) eine passende Erklärung: „Warum der Rotmilan 1000 Meter und der Mensch 700 Meter Abstand bekommt, liegt unter anderem daran, dass der Mensch nicht fliegt.“

Windkraftanlagen sind knapp 230 Meter hoch


Die fünf Windkraftanlagen sollen im dicht bewaldeten Bereich des Burgbergs errichtet werden. Eine weitere Anlage soll in einem späteren Verfahren auf Ilshofener Gemarkung beantragt werden. Die Flächen befinden sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg.

Bei den Anlagen handelt es sich um den sogenannten Typ E-138 EP3 mit einer Nabenhöhe von 160 Metern und einem Rotordurchmesser von 138,6 Metern, was einer Gesamthöhe von 229,3 Metern entspricht. Die Nennleistung einer Anlage beträgt 3500 Kilowatt. hof