Langenburg Queen Elizabeth II. erinnert sich noch gern an Besuch in Hohenlohe

Langenburg / MANFRED MÜHLENSTEDT 26.05.2015
Vor 50 Jahren besuchten Queen Elizabeth II. und ihr Ehemann Prinz Philipp Schwäbisch Hall und Langenburg. Nicht nur die Verwandten waren entzückt. Am Sonntag jährte sich das Ereignis.
Montag, der 24. Mai 1965: Kein Montag wie jeder andere. Denn Ihre Königliche Majestät Elizabeth II. war unterwegs in Hohenlohe. Repräsentantin von 600 Millionen Menschen, von Großbritannien über Kanada und Australien bis so seltsam entfernten Inseln wie Tuvalu und Tonga. Die junge Bundesrepublik feierte die Monarchin. Natürlich waren die Hohenloher gut demokratisch und republikanisch, aber für eine 39-jährige Mutter und Repräsentantin der ältesten konstitutionellen Monarchie Europas, im primelgelben Kleid und ebensolchem Hut, hatten sie was übrig. Deshalb säumten sie zu Tausenden die Straßen, winkten mit Fähnchen und freuten sich über die Begegnung.

Auf Stippvisite in Langenburg

Als die Königin am späten Nachmittag in Schwäbisch Hall ankam, hatte sie schon ein strammes Programm hinter sich. Noch am Vorabend war ihr eine festliche Aufführung des „Rosenkavaliers“ in München zuteil geworden, am Morgen ging es mit dem Sonderzug nach Stuttgart. Es folgte der obligatorische Staatsempfang beim damaligen Ministerpräsidenten Kurt Georg Kiesinger, ein Bankett und ein Besuch des Fernsehturms. Dann folgte die Fahrt im offenen Mercedes durch Stuttgart, die Weiterfahrt nach Marbach, danach der Besuch in Schwäbisch Hall und schließlich – ganz privat – die Stippvisite bei der fürstlichen Verwandtschaft in Langenburg.

Die Begeisterung der Schwaben und Hohenloher für das royale Paar schlug sich auch in der Presse nieder. Nicht nur das Hohenloher und das Haller Tagblatt brachten Sonderseiten – auch noch die kleinste Begebenheit war erwähnenswert. In Stuttgart: Vor der Ankunft im Bahnhof kehrte ein Putzgeschwader sogar unter dem schon ausgerollten roten Teppich. Bei der Begrüßung machten nur drei Damen den Hofknicks. Wie überhaupt die damaligen Berichterstatter erkennbar schwankten zwischen royaler Begeisterung und gut demokratischer Gesinnung.

In Schwäbisch Hall warteten indes Tausende Neugierige, die Stadtoberen, der Siedershof und Trachtengruppen aus der ganzen Gegend. Erst gegen 17.30 Uhr konnte der damalige OB Theodor Hartmann zu seiner Begrüßungsrede ansetzen: „Das Schicksal gewährt uns die Gnade, Eure Majestät hier begrüßen zu dürfen. . .“ Es klang wie zu Kaisers Zeiten. Anschließend ging es weiter nach Langenburg.
 

Es sollte ein „einfacher“ Verwandtenbesuch werden. Schließlich war Prinz Phillip, Ehemann der Queen, gleichzeitig der Bruder der Langenburger Fürstin Margarita, Großmutter des heutigen Fürsten Philipp zu Hohenlohe-Langenburg. In Langenburg selbst herrschte seit dem frühen Nachmittag schon Volksfest-Atmosphäre. Das ganze Umland drängte sich im Städtle, um einen Blick auf die Königin zu erhaschen. Der Spielmannszug und die Crailsheimer Jugendkapelle gaben ein Standkonzert, und die Spannung steigerte sich, denn der königliche Tross ließ sich Zeit. Die Nervosität stieg aber vor allem unter den Journalisten im Schlosshof, denn man war übereingekommen, die Königin nicht mit einem Blitzlichtgewitter zu behelligen – und das Licht schwand mit jeder Minute. Über so viel Rücksichtnahme können die heutigen Paparazzi wahrscheinlich nur müde lächeln.

Schließlich kam die Kolonne die Bächlinger Steige heraufgerauscht. Vorneweg die „weißen Mäuse“ (Motorradpolizei), dann der 600er Spezial-Mercedes mit Elizabeth und Philipp, dahinter das Gefolge. Nur weil es ein Privatbesuch war, durften beide im gleichen Fahrzeug sitzen. Zum Empfang im Schlosshof hatten sich die Hohenloher Fürsten versammelt, Fürst Kraft erläuterte die Schäden am Gebäude, die zwei Jahre nach der Brandkatastrophe immer noch sichtbar waren, dann gab es einen Cocktail-Empfang, ein Abendessen im engsten Familienkreis. Draußen wartete die bürgerliche Menge sehnsüchtig auf die angekündigte Fahrt durch die Stadt zum Bahnhof. Gegen 23 Uhr war es so weit. Der große Mercedes glitt langsam durch ein Fackelspalier zum Stadttor und weiter zum Bahnhof. Bereits vorher hatte die Stadtverwaltung die Parole ausgegeben, auf Hoch- und Heilrufe zu verzichten, das sei nicht englische Sitte – Beifallsklatschen reiche. Die Hohenloher hielten sich brav daran.

Am Bahnhof folgte die feierliche Verabschiedung, die vor allem wegen der legendären Rede des Langenburger Bürgermeisters Fritz Gronbach im Gedächtnis geblieben ist. Selbst die Queen, so der Langenburger Fürst Philipp im Gespräch, erinnert sich noch heute, 50 Jahre später, an den denkwürdigen Moment, in dem es ihr sichtlich schwerfiel, das Lachen zu unterdrücken. Vielleicht deshalb, weil bei Staatsbesuchen heitere Momente eher selten sind.
 

Legendäre Rede auf Youtube und donnernder Käfer

Die Rede: Die Abschiedsrede des Langenburger Bürgermeisters an „jor Mädschestie“ ist Legende, und auf Youtube immer noch abrufbar (Queen in Langenburg). Fritz Gronbach, Langenburger Schultes, entwarf sie, Fürst Kraft übersetzte, und Ihre Majestät musste sich auf die Lippen beißen ob des „Hohenloh-Englisch“, mit der die Rede schließlich vorgetragen wurde. Elizabeth II. hatte schon damals Contenance und ließ sich – kaum – etwas anmerken. Nur Prinzgemahl Philipp sagte zum Schluss: „Die Rede war gut – verstanden habe ich sie nicht. . .“ Wahrscheinlich war der Slang nicht Schottisch genug.

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Die Hauptstraße: Im Vorfeld des königlichen Besuches beriet der Langenburger Gemeinderat. Bürgermeister Gronbach, bekennender Hohenloher und sparsam: „D’ Schlochlächer in der Hauptstroaß, die mieß mr net mache, die Queen kummt im Mercedes, die mergt des nedd.“

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Die Fahnen: Beflaggung war angesagt. Anlässlich des Besuches Ihrer Majestät sollten auch die württembergischen Landesfarben in Langenburg wehen. Warum aber für teures Geld schwarz-gelbe Fahnen kaufen, die die Hohenloher eh nicht mochten. Architekt Albert Munz, Sohn Langenburgs, amtete in Leonberg. Auftrag: Sofort nach der Abfahrt der Queen in Stuttgart die Fahnen einsammeln, nach Langenburg bringen. Es gelang. Munz im VW-Käfer donnerte mit den Fahnen an Bord durch den Mainhardter Wald in seine Heimatstadt. Die Majestät wurde in Marbach aufgehalten (Where are the horses?) – und er kam rechtzeitig an. Nur einige Passanten waren verdutzt, aus seinem Schiebedach wedelten die württembergischen Farben.

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Das Schauspiel: Einige Jahre nach dem Besuch gab das Langenburger „Markttheater“ den Einakter „Besuch der Königin“ vor dem Rathaus. Günter Rössler aus Regenbach war die Rolle des „Royal Consort“, also des Prinz Philipp, vorbehalten. Noch heute würde er als „alias“ des Duke of Edinburgh durchgehen, hätte er nicht etwas zugelegt, um die Hüften. . . Übrigens, die Queen wurde damals von Angelika Winkler verkörpert.
 
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