Schlossmuseum Puppenstuben-Ausstellung im Schlossmuseum Ellwangen

Modisches fürs Püppchen: Schmuck, Haarspangen, Schuhe, winzige Pelze und sogar eine Mininähmaschine mit allem Zubehör. Ob die Dame mit dem Fächer ein edles Fräulein ist oder ein „leichtes Mädchen“, ist nicht zu sagen.
Modisches fürs Püppchen: Schmuck, Haarspangen, Schuhe, winzige Pelze und sogar eine Mininähmaschine mit allem Zubehör. Ob die Dame mit dem Fächer ein edles Fräulein ist oder ein „leichtes Mädchen“, ist nicht zu sagen. © Foto: Fred Ohnewald
Ellwangen / Fred Ohnewald 02.01.2018
Die Puppenstuben-Ausstellung ist Panoptikum und Zeitreise in einem. Das ist gerade jetzt in der Weihnachtsferienzeit einen Ausflug wert.

Ganz genau! Es lohnt sich. Wer ins Schlossmuseum Ellwangen geht – was sich in diesen Tagen ja anbietet, geöffnet ist beispielsweise auch an Heilige Drei Könige – sollte sich viel Zeit nehmen, denn die Exponate sind ebenso sehenswert wie vielfältig. Um die Feiertage ­herum dürften neben den historischen Krippen vor allem die vielen ­Puppenstuben Anklang finden, die anno dunnemals, ebenso wie die elektrische Eisenbahn, nur rund um Weihnachten aufgebaut wurden und dann wieder auf dem Dachboden verschwanden.

Das Bürgertum lässt grüßen

Im Schlossmuseum bietet die Sammlung Hackenschuh nicht nur putzige Figürchen und ­Möbelchen, sondern auch einen Einblick in die Wertvorstellungen früherer Zeiten. Wohn- und ­Arbeitsalltag im 19. und frühen 20. Jahrhundert sind meist das ­Thema, und zwar aus der Welt gehobenen Bürgertums, denn so prunkvolle Puppenstuben, ­Puppenküchen und Kaufläden standen nicht in jedem Kinderzimmer. Historismus, Jugendstil, Belle Epoque: Die kleinen Kunstwerke wurden von Generation zu Generation weitergegeben und ausgeschmückt, und so sieht man denn auch mal ein Hausmädchen mit einem antiquierten Hoover-Staubsauger hantieren

Ein leichtes Mädchen?

Es lohnt sich, nicht die große ­Gesamtwirkung, sondern die kleinen Details im Blick zu haben. Und man wird da leicht fündig, wenn man sich nur die Zeit nimmt: Der Herr Papa, in Uniform und mit gezwirbeltem Schnurrbart im Sessel, die junge Dame – ein „leichtes Mädchen“ womöglich? – das im Modesalon in den Spiegel schaut und sich schminkt, die Schulbücher in ­einer Schulklasse – an der Tafel wird gerade die Zahl Pi erklärt –  das Botschamberle neben dem Bett, der Papagei auf der Stange. Und dass Musikanten schon immer etwas leichtlebiger waren, zeigt sich daran, dass bei den drei Musikussen eine Flasche Fernet Branca, mehr schlecht als recht verborgen, auf dem Tisch steht, und nicht wie in anderen Puppenstuben das Kaffeeservice. Es gibt Küchen samt allen Utensilien und Speisen, einen Blick in einen Bauernhof und sogar ein Sägewerk, das sich auf Knopfdruck auch in Betrieb setzt. Und bei aller Schönheit und Putzigkeit geht man mit dem sicheren Eindruck aus der Ausstellung, dass die Kindheit, wie sie hier abgebildet wird, in damaligen Zeiten wohl auch nicht immer das reine Zuckerschlecken war – dass Zucht und Ordnung in den Stuben herrschte, sieht man überall. Da lobt man sich dann doch die fidelen Musikanten.

Info Die Öffnungszeiten des Schlossmuseums Ellwangen: Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 17 Uhr, Sonntag und Feiertag 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Näheres im Internet www.schlossmuseum-ellwangen.de oder Telefon 0 79 61 / 5 43 80.

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