Vorneweg: der honorige Professor hat sich persönlich nichts zuschulden kommen lassen. Es handelt sich um eine Formalie, die allerdings gravierende Folgen haben könnte. Zum Hintergrund: Harald Unkelbach hatte bei der Wahl zur Vollversammlung Ende des Jahres 2012 den direkten Einzug in das höchste Gremium der Kammer nicht geschafft.

Eine einzige Stimme hatte ihm in der Wahlgruppe Absatzwirtschaft gegenüber dem Öhringer Autohändler Martin Häußermann gefehlt. Auf der konstituierenden Sitzung am 20. Februar 2013 war der Geschäftsführer der Adolf Würth GmbH dann gemeinsam mit fünf weiteren Unternehmern zugewählt worden. Eine Zuwahl als solches ist nichts besonderes und bis dato gängige Praxis, um kompetenten Fachleuten wegen des recht komplexen Wahlsystems zusätzlich die Mitgliedschaft im höchsten Selbstverwaltungsorgan der Kammer zu ermöglichen.

Doch die aktuelle Rechtsprechung hat nun aber Eckdaten verschoben und so könnte eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes die Wirtschaftsvertretung in Heilbronn nun in böse Verlegenheiten stürzen. Die Richter in Leipzig kamen in einem ähnlich gelagerten Fall bei der IHK Bonn nämlich zu dem Schluss, dass die Wahlordnung in dem verhandelten Fall nicht mit dem IHK-Gesetz als solches zu vereinbaren ist. Ließe diese Entscheidung einen Rückgriff auf zurückliegende Präsidiumswahlen zu, dann wäre die Wahl von Harald Unkelbach möglicherweise ungültig. Kai Bödinghaus, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes für freie Kammern in Kassel - und in dieser Eigenschaft der IHK eher kritisch zugetan - forderte nun auch schon den Rücktritt des Heilbronn-Fränkischen IHK-Präsidenten. Doch so einfach ist die rechtliche Lage wohl nicht. Denn nach Darstellung der Rechtsaufsicht im Wirtschaftsministerium in Stuttgart hat das Gericht keine Aussage darüber getroffen, was dies für bereits gewählte Mitglieder genau bedeutet. Das Fazit der Auskunft: "Hier werden die Kammern im konkreten Einzelfall und unter Abwägung aller Gesichtspunkte prüfen müssen, wie sie mit der Situation umgehen." Wie über den Bundesverband der freien Kammern bekannt wurde, gibt es in der Region wohl einige Unternehmer, die wohl willens sind, das Urteil der Leipziger Richter heranzunehmen, um "die Ungültigkeit der Wahl feststellen zu lassen, wenn die IHK das Problem nicht löst". Doch was hieße dies konkret: Ist die Zuwahl ungültig? Müsste der IHK-Prädident sein Amt dann niederlegen? Sowohl Hauptgeschäftsführerin Elke Döring wie auch der Präsident haben bislang keine öffentliche Stellungnahme abgegeben, da "kein Handlungsbedarf" bestehe. Rückschau: Schon der Weg zum Präsidenten war für Harald Unkelbach alles andere als einfach. Aussichtsreichster Kandidat war zunächst der Igersheimer Manfred Wittenstein. Doch dieser hatte - aus bis heute nicht öffentlich dargelegten Gründen - kurz vor der entsscheidenden Sitzung seine Kandidatur zurückgezogen. Bei der Abstimmung zur Nachwahl hatten 10 der 35 Vollversammlungsglieder gegen Unkelbach votiert. Viele waren gar der Meinung, die Wahl des Präsidenten müsse verchoben werden. Ob Unkelbach dann überhaupt angetreten wäre, ist fraglich. Mit dem denkbar knappsten Ergebnis von 18 zu 17 Stimmen entschied sich die Vollversammlung dann doch dafür, die Wahl abzuhalten. Auch hier war es knapp: Unkelbach erhielt 22 Stimmen. Überzeugende Mehrheiten sehen anders aus. Im Nachgang leistete der 68-Jährige dann überzeugende Arbeit und orientierte sich dabei ganz an seinem angekündigten Paradigma "die Akzeptanz der Kammer zu verbessern" und "ihren Auftritt in den Teilregionen zu stärken". Eine neue Außenstelle in Wertheim, Sitzungen der Vollversammlung im gesamten Kammergebiet, Firmenbesuche oder regionale Wirtschaftstreffen sind nur Ausschnitte dieses Bemühens. Dabei ist der Nachfolger von Thomas Philippiak in der Sache durchaus streitbar. Bei der Neuausrichtung der regionalen Wirtschaftsförderung machte er sich zuletzt nicht nur Freunde.