Fünfte-Jahreszeit-erprobt ist Armin Laschet fraglos – schließlich gehört die ­narrenbekappte Schunkel-Heiterkeit in bierseligen Karnevalsrunden zur Jobbeschreibung eines nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten. Ein süddeutsches Bierzelt freilich ist noch einmal etwas anderes. „Das ist eine der größten Veranstaltungen, auf der ich je gesprochen habe“, sagte Laschet im Gespräch mit dem Hohenloher Tagblatt. „Das hat mich gereizt.“ Deshalb habe er die Einladung des CDU-Kreisvorsitzenden Dominik Schloßstein gern angenommen. Der donnerstagabendliche Besuch in einem württembergischen Festzelt hat also nichts mit etwaigen deutschlandweiten Karriereambitionen zu tun? „Nein“, sagt Laschet schnell. Und schmunzelt.

Schloßstein und der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Klaus-Jürgen Mümmler waren zuvor in ihren Grußworten offensiver: Beide brachten den Gast aus dem Westen als möglichen Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel ins Spiel.

Sollte der Auftritt in Crailsheim eine Prüfung für einen künftigen Bundestagswahlkampf gewesen sein, darf diese wohl als bestanden gelten. Laschet legte zwar keinen kraftstrotzenden Bierzelt-Auftritt à la Franz-Josef Strauß hin, der vor 50 Jahren das Volksfest politisch einläutete. Aber: Er war erstens fast auf die Minute pünktlich, konnte zweitens mit Lokalwissen wie den Crailsheimer Stadtfarben Schwarz und Gelb („schöner als Schwarz-Grün“) oder der ersten deutsch-amerikanischen Städtepartnerschaft mit Worthington punkten und sagte drittens nichts, was aus Sicht eines Großteils der 4000 Besucher gegen einen freundlichen Applaus nach einer nicht zu langen Rede sprach. Nur einmal gab es Pfiffe: Als Laschet, gleich nachdem er die „lieben Crailsheimer“ begrüßt hatte, auch die „lieben Schwäbisch Haller“ willkommen hieß.

Der eine oder andere Christdemokrat hatte vor der Veranstaltung derweil sicherlich Zweifel gehabt, ob der oft – und besonders in der zurückliegenden Flüchtlingskrise – sehr liberal argumentierende Ministerpräsident der konservativen Basis ein wärmendes Lagerfeuer würde bieten können. Konnte er durchaus: Einen Tag vor dem Zusammenkommen des Klimakabinetts  in Berlin präsentierte Laschet sich und die CDU als vernünftige Rufer in einer Ideologiewüste: „Ja, wir wollen Klimaschutz. Aber wir wollen auch Industrieland bleiben und unsere Arbeitsplätze erhalten!“ Man dürfe nicht „so ideologisch wie die Grünen“ an die Sache herangehen, wenn man eine Gesellschaft zusammenhalten wolle, in der sich zunehmend Wut und Aggression breitmachten: „Ich wünsche mir mehr Maß und Mitte, mehr Realitätssinn und weniger Geschwätz.

Wir erlebten einen „gigantischen Umbau unserer Industriegesellschaft“: Aus Atomkraft und Kohle wolle man gleichzeitig aussteigen, gegen Fracking-Gas und solches aus Russland gebe es ebenso Proteste wie gegen Pumpspeicherkraftwerke, Windräder und neue Stromtrassen. „Irgendwo muss der Strom doch herkommen“, so der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende.

Volksfest Crailsheim Politischer Volksfestauftakt mit Armin Laschet

Und dann der Umgang mit der Dieselaffäre: „In den USA, in China und Korea lachen sie sich kaputt darüber, wie wir unsere eigene Autoindustrie schlechtreden. Das muss aufhören!“ Es könne doch nicht sein, dass Porsche seine Innovationskraft auf dem Feld der Elektromobilität auf der Internationalen Automobilmesse zeigen wolle und Aktivisten den Eingang blockierten: „Auf so eine Idee kann man auch nur in Deutschland kommen. Wir wollen, dass die Tassen wieder zurechtgerückt werden im Schrank.“

Laschet griff die deutsche Umwelthilfe an, echauffierte sich über SPD-Mann Ralf Stegner, der die deutsche Vorliebe für SUV mit der amerikanischen Waffen-Vernarrtheit verglichen hatte, hielt ein Plädoyer für ein Stahlwerk in Duisburg und ein Auto­werk in Zuffenhausen statt in China („Das sind Beiträge zum Weltklima“) – und präsentierte sich schließlich noch als Garant innerer Sicherheit, indem er etwa auf den Einsatz seines Innenministers Herbert Reul gegen Clan-Kriminalität verwies: „30 Jahre hat man zugeschaut, jetzt wird durchgegriffen.“

Mit klarer Sprache und klarem Kurs müsse die Union in der Mitte um Wähler werben, ist sich Laschet sicher. Er schloss: „Das Leben ist zu kurz, um es den Miesmachern, den Griesgramen  und den Ideologen zu überlassen.“

Sind das die Botschaften, mit denen Laschet die Deutschen überzeugen will, ihm das Kanzleramt zu überlassen? Man darf gespannt sein.

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New York/Crailsheim