Politik Politischer Auftakt: Moderater Kämpfer Bosbach

Crailsheim / MATHIAS BARTELS 20.09.2013
Wenn der Volksfestauftakt mit dem Wahlkampfende zusammen fällt, können dafür nur die Christdemokraten verantwortlich sein. Donnerstagabend hatte MdB Wolfgang Bosbach im Engel-Zelt seinen großen Auftritt.

Fassen wirs mal so zusammen: Natürlich hat der CDU-Politiker aus dem Rheinland Kanzlerin Merkel gelobt, natürlich hat er für seinen Freund Christian von Stetten um kräftige Unterstützung gebeten, und natürlich hat Wolfgang Bosbach um Wählerstimmen für die Union gebuhlt. Aber: Die (freie) Rede des geübten Wahlkämpfers aus Bergisch Gladbach fiel ausgesprochen moderat, beinahe handzahm aus. Da hat man im Engel-Zelt durchaus schon forschere Töne vernommen - und das sogar abseits irgendwelcher Wahlkämpfe.

Wolfgang Bosbach (61), Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, gilt nicht nur innerhalb der CDU als konservativer Ordnungspolitiker. Davon war gestern so gut wie nichts zu spüren. Vor annähernd 4000 Zuhörern - laut Christian von Stetten "Rekord und absoluter Höhepunkt bei Veranstaltungen unter Dach in diesem Wahlkampf in Baden-Württemberg" - freute sich der Jurist Bosbach darüber, dass man bei diesem Fest noch seine Currywurst essen darf. "Lassen Sie sich nie von einem Politiker sagen, was Sie essen dürfen", teilte er eine Watschn an grüne Regulierer aus, um später seinen Parteifreunden - bitte sehr - zu vermitteln, nie die Politiker zu wählen, die nie lachen. Denn: "Wenn die an die Macht kommen, haben Sie nichts zu lachen."

Und auch in Richtung Leihstimmen-Kampagne für die Liberalen gab sich der Festredner listig-wohlwollend-optimistisch: "Die schaffen den Bundestagseinzug schon allein - davon bin ich überzeugt." Die Beschäftigung mit den politischen Kontrahenten nahm allerdings eher die geringere Zeit seiner rund 45-minütigen Rede ein. Vielmehr zeichnete Bosbach ein Bild von den Erfolgen Angela Merkels während ihrer achtjährigen Kanzlerschaft, gestand aber den Gegnern zu, alle gemeinsam "an derselben Baustelle zu arbeiten, der Demokratie".

Also ein durchweg positives Bild von der Politik, das der CDU-Top-Mann da zeichnete? Nicht ganz, denn immerhin hielt er selbst es als "absolut undenkbar", bei einem Wahlerfolg von Rot-Rot-Grün "die ehemalige SED als Zünglein an der Waage" anzuerkennen. An die SPD gerichtet, orakelte er: "Die werden das machen, auch wenn sie jetzt noch anderes behaupten."

Deshalb gehe es nach dem gloriosen Wahlsieg in Bayern darum, am "Sonntag auch den zweiten Titel zu holen". Dass sich die Christdemokraten auf der Zielgeraden hängen lassen würden, diesen Eindruck vermittelte der profilierte Abgeordnete eben nicht. Immerhin gebe es "fundamentale Unterschiede zwischen den Parteien", weshalb es darauf ankomme, "mit Mut, Zuversicht und Optimismus die letzten 48 Stunden Wahlkampf zu betreiben". Er selber lebe dabei einen "fröhlichen Patriotismus, der dem Land nur gut tun kann". Die Schlüsselentscheidungen für eine gute Zukunft habe die CDU schon seit Helmut Kohls Zeiten als Kanzler der Wende richtig getroffen. Er jedenfalls empfinde es immer noch als Glück, "in Deutschland geboren worden zu sein und hier leben und arbeiten zu dürfen". Wolfgang Bosbachs kurzes Fazit: "Bei der CDU ist das Land in guten Händen."

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel