Wir müssen uns damit beschäftigen“, sagte Bürgermeister Wolfgang Class, als der Langenburger Gemeinderat über den Bebauungsplan für eine Photovoltaikanlage am Hofgut Ludwigsruhe abstimmte. Begeisterung klingt anders. Auf rund 6,8 Hektar, die durch einen schmalen Grünstreifen von der historischen Bebauung getrennt sind, soll eine Freiflächen-Solaranlage entstehen, die etwa in der Mitte von der stillgelegten Bahnlinie Blaufelden-Gerabronn-Langenburg durchquert wird.

Weitere Äcker aufgeben?

Nicht nur die Verwaltung, auch der Gemeinderat zeigte sich skeptisch. Warum das so ist, machte Stadtrat Moritz Frick in einer gemeinsamen Sitzung des Gemeinderats und des Werksausschusses deutlich, als er von der Bedeutung des gesamten Areals als Erholungsgebiet sprach, vor allem aber von der „erschreckenden Nähe“ der geplanten, knapp zehn Fußballfelder großen Anlage zum alten Gutshof.

Class meinte ebenfalls, die Planung betreffe ein regional bedeutendes Kulturgut, Beeinträchtigungen seien nicht auszuschließen. Auch der Eichenbestand und die Kastanienallee im fraglichen Areal kamen zur Sprache; Konsequenzen fürs Projekt Nebenbahn Gerabronn-Langenburg werden vermutlich noch Thema sein. Stadtrat Johann Pollanka erinnerte an das im März 2018 abgelehnte Bebauungsplanverfahren für eine ähnliche Freiflächenanlage in Nesselbach: Ein Argument damals war, dass bestes Ackerland für das Vorhaben genutzt werden sollte. Eigentlich sei man sich doch einig, so Pollanka mit Blick auf den damaligen Beschluss, dass Langenburg „künftig keine landwirtschaftlichen Flächen mehr entzogen“ werden sollten. Bei sechs Ja- und fünf Neinstimmen sowie zwei Enthaltungen wurde der so genannte vorhabenbezogene Bebauungsplan „Sondergebiet Solarpark Ludwigsruhe“ dann doch aufgestellt und damit festgestellt, dass das Vorhaben grundsätzlich zulässig ist.

Sonnenbühl

Der Planungsauftrag wird an den Fachbereich Kreisplanung des Landratsamts vergeben. Die Kosten des Verfahrens trägt der Unternehmer. Für die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit wird der Bebauungsplanentwurf im Langenburger Rathaus ausgelegt, auch die Behörden werden eingebunden. Der Gemeinderat geht davon aus, dass es aus Sicht des Umwelt- und des Denkmalschutzes Einwände geben wird.
Bürgermeister Class machte im Verlauf der Diskussion deutlich, dass ein guter Kompromiss gefunden werden müsse, der dem historischen Hofgut Ludwigsruhe gerecht werde – indem beispielsweise die Fläche im westlichen Bereich etwas reduziert und damit der Abstand zwischen Gut und Solaranlagen vergrößert werde. Ebenfalls möglich sei eine Eingrünung der Fläche um die Solaranlagen – die dadurch nicht allzu augenfällig wären.

Hannover/Berlin

Geschichtsträchtiges Gut Ludwigsruhe


Die frühere Sommerresidenz der Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg wurde ab 1736 als Jagdschloss nach französischem Vorbild gebaut. Seit 1980 werden Gut und Schloss privat bewohnt und bewirtschaftet; aus Kornscheuer und Maschinenhalle ist eine große Eventscheune entstanden, der Trausaal ist eine Außenstelle des Langenburger Standesamtes.