Vortrag Pflanzen der Klostermedizin: Johannes G. Mayer referiert im Äskulap-Info-Zentrum

Dr. Johannes G. Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg im Äskulap-Info-Zentrum in Oberrot. Der Wissenschaftler sprach über Pflanzenabbildungen von der Antike bis zur frühen Neuzeit. Foto: Fassbender
Dr. Johannes G. Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg im Äskulap-Info-Zentrum in Oberrot. Der Wissenschaftler sprach über Pflanzenabbildungen von der Antike bis zur frühen Neuzeit. Foto: Fassbender
Oberrot / MAFA/RS 18.08.2012
Pflanzen der Klostermedizin stehen im Zentrum einer Ausstellung im Äskulap-Info-Zentrum in Oberrot. Die dazugehörige Vortragsreihe beschloss jetzt. Dr. Johannes G. Mayer von der Universität Würzburg.

Die Pflanzenabbildungen von der Spätantike bis zur frühen Neuzeit waren das Thema des Vortrags von Dr. Johannes G. Mayer, Universität Würzburg, Forschergruppe Klostermedizin. Es war der letzte Vortrag des Begleitprogramms zur Ausstellung "Die Pflanzen der Klostermedizin in Darstellung und Anwendung" im ehemaligen Freien Adelssitz, dem Äskulap-Info-Zentrum, in Oberrot.

Bis heute spiele in der botanischen Literatur die kolorierte Zeichnung eine große Rolle, da sie einige Vorteile gegenüber der Fotografie biete, führte Mayer aus. Er zeigte anhand von Darstellungen die Identifizierbarkeit der Art einer Pflanze, die sich bei einer Zeichnung genauer erfassen lässt als bei einer Fotografie, die nur den aktuellen Stand darstellt. Die botanische Zeichnung hat den Vorteil, verschiedene Wachstumsstadien einer Pflanzenart in einem Bild darzustellen.

Vitus Auslasser, aus dessen Herbarium (1479) die Bilder der Ausstellung in Oberrot bestehen, stellt beispielsweise die beiden oberirdischen Formen der Herbstzeitlose, Blüte und Frucht, zusammen dar. Botaniker beauftragten Künstler, die Pflanzen mit Blüte, Frucht und Wurzel zugänglich darzustellen.

Bei Leonhart Fuchs (1543) sind auch Detailzeichnungen der Blüte, Blattform und Blattstruktur wiedergegeben. Dies gehörte zum Standard der botanischen Illustration des 18. Jahrhunderts. Die Funktion der Abbildung hängt mit dem botanischen Wissen der jeweiligen Zeit, die sich mehrfach gewandelt hat, zusammen, und gibt Aufschluss über die Verwendung in der Heilkunde und Küche. Mayer ging in seinem Vortrag auf die Pflanzenbilder von Krateuas zurück, der um 75 v. Chr. das erste illustrierte Herbarium geschaffen haben soll. Der berühmte "Wiener Dioskurides" wurde gegenübergestellt, auch ging er auf Plinius und Galen ein und zeigte Abbildungen aus dem schönsten Exemplar der Pseudo-Apuleus-Überlieferung, die aus dem Umfeld des Stauferkaisers Friedrich II. stammt. Im Mittelalter wurden die Pflanzenbilder nicht aus der Natur entnommen, sondern sind nach älteren Handschriften hergestellt worden, was zu systematisierten Darstellungen führte, zum Beispiel aus dem Salermitaner "Circa instans". Sehr naturnahe Pflanzendarstellungen fänden sich früh in der Steinplastik des Kirchenbaus, führte Mayer aus.

Ein Wechsel führte im Spätmittelalter von der Abstraktion hin zur genauen Beobachtung der Natur im Bestreben von Leonardo da Vinci (1452-1519), der nicht nur Anatomie, sondern auch botanische Studien betrieb. Albrecht Dürer (1503), Martin Schongauer (1450-1491), Matthias Grünewald (gest. 1528), Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), Hans Burkmair (1473-1531) oder Hans Baldung Grien (1484/5-1545) haben exzellente Pflanzendarstellungen geschaffen.

Gartenpläne entstanden - weltweit bekannt ist bis heute der "Hortus eystettensis" des Eichstätter Bischofs Johann Conrad von Gemmingen (1561-1612), drei Buchbände mit 373 Kupfertafeln, die in Frühling-, Sommer-, Spätsommer und Winter blühenden Pflanzen zeigen und bis heute zu den Höhepunkten des Buchdrucks zählen. Pflanzenabbildungen als Symbole entstanden in Kirchen, auch Paradiesgärten wurden gemalt. Das Zeitalter der gemalten Paradiesgärten in Kirchen setzte mit der Gegenreformation ein und endete um den Dreißigjährigen Krieg.

Es war ein aufschlussreicher Vortrag, der mit Sichtweisen in unsere Zeit bestückt war.Info Die Ausstellung ist bis zum 16. September 2012 jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

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