Michelfeld Pfarrer Gerhard Bergius belebt mit seiner Familie die alte Mühle in Gnadental

Ein Platz zum Wohlfühlen: Pfarrer Gerhard Bergius hat zwischen Mühlkanal und der benachbarten Friedhofsmauer eine gemütliche Ecke eingerichtet, die auch im Winter zum Verweilen einlädt - mit der Mühle in Sichtweite.
Ein Platz zum Wohlfühlen: Pfarrer Gerhard Bergius hat zwischen Mühlkanal und der benachbarten Friedhofsmauer eine gemütliche Ecke eingerichtet, die auch im Winter zum Verweilen einlädt - mit der Mühle in Sichtweite. © Foto: Bettina Lober
Michelfeld / BETTINA LOBER 17.01.2014
Die Gnadentaler Mühlenkonzerte sind in der Region ein Begriff. Dahinter steht Pfarrer Gerhard Bergius, der vor Jahren die Klostermühle kaufte, nun dort mit seiner Familie lebt und einen Konzertsaal einrichten möchte.

Ob in der gemütlichen Wohnküche oder im heimeligen Lese-Eck des Wohnzimmers im Stockwerk darüber - überall in dem ehemaligen Mühlengebäude im alten Gnadentaler Ortskern stehen Gitarren. Eine musikalische Familie lebt dort. Gerhard Bergius war zuletzt 16 Jahre lang Pfarrer im evangelischen Walxheim, in der katholischen Gemeinde Unterschneidheim im Ostalbkreis. Seit mehr als einem Jahr ist er im Ruhestand und lebt nun mit seiner Familie in Gnadental. Ein sehr musikalischer Geistlicher, der in seiner aktiven Zeit 80 Walxheimer Pfarrhauskonzerte veranstaltete. "Wer singt, der betet doppelt", dieser Ausspruch des Kirchenvaters Augustinus ist für Bergius ein Leitfaden.

Die Palette der Pfarrhauskonzerte reichte von Klassik über Jazz bis Volksmusik. Seit knapp zehn Jahren organisierte der Theologe die Konzerte zudem als Gnadentaler Mühlenkonzerte in Doppel-Aufführungen. Das ehrwürdige Gemäuer in Nachbarschaft zu Klosterkirche und Friedhof hat sich Bergius mit seiner Familie als Alterssitz ausgeguckt. Allerdings hat der umtriebige 66-Jährige eine recht junge Familie - dazu gehören Ehefrau Simone (41) und vier Kinder im Alter von 17, 15, 11 und 8 Jahren. "Da bin ich eher ein Spätberufener", sagt er lachend.

Geboren wurde Gerhard Bergius in Halle an der Saale, aufgewachsen ist er in Berlin und München, studiert hat er in Tübingen und Wien. Der Vater war Psychologie-Professor, die Mutter Klavierlehrerin. Eine musikalische Familie also? "Ja, mein Bruder war zum Beispiel Cellist an der Staatsoper München, und dessen Sohn ist es jetzt auch", erzählt Bergius. Er selbst habe zu Schulzeiten eine Gesangsausbildung absolviert und hat daher in seiner Reihe auch schon Schuberts "Winterreise" oder "Die schöne Müllerin" vorgetragen. Der Konzertveranstalter scheut sich nicht, auf der Bühne zu stehen. Einst habe er gar mit dem Gedanken gespielt, Schauspieler zu werden. Nach dem Abitur zog er mit dem Musical "Hair" durch die Lande. Doch ihm wurde klar, dass sein Weg zum Theologie-Studium führen sollte: "Ich bin lieber ein ehrlicher Schauspieler auf der Kanzel."

Viele Jahre war Bergius Pfarrer in Stuttgart, wo er auch seine Frau Simone kennenlernte. Und mit der Heirat kam der Wechsel: vom Stadt- zum Landpfarrer. Die Kultur nahm der begeisterte Musikliebhaber mit. Und der Zufall - ein befreundeter Musiker war spontan auf der Suche nach einer Aufführungsmöglichkeit - half der Konzertreihe schließlich auf die Beine. So etwas hatte Bergius schon lange vorgeschwebt.

Gnadental kam ins Spiel, als die Familie auf der Suche nach einem Domizil für den Pfarrerruhestand war. "Ich wollte nach Schwäbisch Hall oder Heidelberg", sagt Simone Bergius. Ihr Mann durchforstete das Internet und stieß auf die alte Mühle in Gnadental. "Erst haben wir es gar nicht gefunden", erzählt Gerhard Bergius lachend von einer ersten Erkundungsfahrt. Doch die Mühle sei ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen: "Eines Tages hab ich mich einfach aufs Motorrad gesetzt und bin hergefahren. Ich habs gesehen und gleich gewusst: Das ist es!"

Vor rund zehn Jahren kaufte Familie Bergius das Anwesen und rief parallel zu den Pfarrhauskonzerten die Mühlenkonzerte ins Leben. Allerdings wurde nicht in der Mühle musiziert, sondern in der Klosterkirche, in der Klosterschänke und häufig in Untermünkheim. Die Mühle wurde kernsaniert. Nun sind die Pfarrhauskonzerte in Walxheim passé, doch die Mühlenkonzerte gibt es weiterhin. Das nächste ist am 9. Februar.

Vor gut drei Jahren wurde der gemeinnützige Verein "Musik und Kultur - Klostermühle Gnadental" gegründet. Er sichert das Fortbestehen der Mühlenkonzerte und soll helfen, Spenden zu beschaffen und Sponsoren zu gewinnen. Denn mit deren Hilfe soll der Mühlenraum zu einem Konzertsaal umgestaltet werden, so Bergius Plan. Wo einst die Mühle beschaulich klapperte, soll später Musik erklingen. Denkbar seien auch Ausstellungen, Kleinkunst und vieles mehr. Doch zunächst müsse er einen Raum finden, um die spätere Ausstattung wie Stühle, Kaffeehaustische und Bücherregale zwischenzulagern, erklärt Bergius.

Der Theologe ist voll Tatendrang. Er freue sich über Mitstreiter mit Ideen, Material und Arbeitskraft. Mittlerweile haben sich er und seine Frau auch für Kindertagespflege qualifiziert, und Gerhard Bergius hat für die "Mühlenstrolche" ein kleines Lied verfasst. Wenn er zur Gitarre greift, wippen die Kleinen freudig mit. Die Mühle steckt voller Leben.

57. Mühlenkonzert
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