„Dass ich diese Ehrungen ganz bewusst in Bilgoraj verleihe“, sagte Oberbürgermeister Rudolf Michl, „unterstreicht auch, dass uns in Crailsheim diese Partnerschaft sehr wichtig ist.“ Denn der goldene Horaff – es ist die höchste Ehrung, die die Stadt vergeben kann – ging an drei Männer, die allesamt entscheidenden Anteil an der Partnerschaft zwischen Crailsheim und Bilgoraj haben. Der Horaff ging an den heutigen Präsidenten des Bilgoraj-Komitees Manfred Salinger, an den ehemaligen Direktor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Dr. Wolf Späth und an seinen polnischen Kollegen Marian Klecha vom UNO-Lyceum in Bilgoraj.

Wie alles begann

Doch wie fing die Partnerschaft überhaupt an? Dies recherchiert Grzegorz Bryla derzeit akribisch. Er ist Deutschlehrer in Bilgoraj, „Crailsheimer im Herzen“ und arbeitet an einer Chronik, die die Ereignisse der Freundschaft ausführlich darstellt. Auch Oberbürgermeister Michl hat sie in seiner Laudatio auf die Preisträger erwähnt.

Begonnen hat damals alles mit einer Kläranlage. Die wollte das Crailsheimer Unternehmen USF Schumacher Umwelt und Trenntechniken (inzwischen Pall) in Bilgoraj bauen. Da schlug die Stunde des damaligen Bürgermeisters Stefan Oleszczak (seit 2014 selbst Träger des goldenen Horaffen). Denn sein Plan war: in allen Nachbarländern Polens eine Partnerschaft aufzubauen. Der Hintergrund: Grenzen sollten ihren trennenden Charakter verlieren und Nationen enger zusammenrücken.

Manfred Salinger war damals Regionalmanager bei USF, immer wieder in Bilgoraj unterwegs, selbst überzeugt von einem gemeinsamen Europa und leitete den Wunsch nach Partnerschaft nach Crailsheim weiter. Die Türen waren offen: Bereits im Folgejahr besuchte eine Delegation aus Bilgoraj das Volksfest – und den Direktor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Dr. Wolf Späth. Der wollte und konnte nicht anders, als einer Partnerschaft zuzustimmen, erinnert er sich später  (siehe Kasten). Das war im September 1995.

Bereits ein halbes Jahr später, im April 1996 reiste die erste Schülergruppe aus Bilgoraj nach Crailsheim. Im Herbst folgte der Gegenbesuch. Die Crailsheimer Schüler wurden bei ihrem ersten Besuch in Bilgoraj vom UNO-Lyceum um Rektor Marian Klecha gastfreundlich aufgenommen. Mittlerweile hat sich der Austausch zum 20. Mal gejährt, bei dem sich insgesamt etwa 1450 Schüler und 50 Lehrer an rund 200 Austauschtagen besser kennenlernten. Der Schüleraustausch mündete einige Jahre später in die offizielle Besiegelung der Städtepartnerschaft.

Es ist also Zeit, sich für dieses Engagement zu bedanken, sagte Oberbürgermeister Michl am Samstag in Bilgoraj, und heftete Klecha, Späth und Salinger die goldenen Horaffen ans Revers.
 

Entfernung von Crailsheim nach Bilgoraj ist „nicht tragisch“

Dr. Wolf Späth erinnerte sich an den Beginn der Schulpartnerschaft in einer Rede zum zehnjährigen Bestehen 2010. Hier ein leicht gekürzter Auszug:

„Am Volksfestdienstag 1995 kam Herr Salinger mit Herrn Bürgermeister Oleszczak aus Bi?goraj zu mir ins Rektorat, um dafür zu werben, mit dem UNO-Gymnasium eine Schulpartnerschaft ins Leben zu rufen. Herr Bürgermeister Oleszczak redete wie ein Buch auf mich ein, sodass ich kaum zu Wort kam, aber er hatte Erfolg. Das Kollegium zu überzeugen, mit einer polnischen Schule eine Partnerschaft einzugehen, war nicht schwierig. Lediglich die Entfernung führte zu einer kurzen Diskussion. Doch nach Pamiers, unserer französischen Partnerschaft – auch hier ging die Schulpartnerschaft der Städtepartnerschaft voraus – seien es 1250 km. Also seien die 1200 km nach Bi?goraj auch nicht tragisch.“

UTS