Ingersheim Biber: Ohne Feinde lebt es sich richtig gut

Am aufgestauten Weidenbach sterben Bäume ab.
Am aufgestauten Weidenbach sterben Bäume ab. © Foto: Birgit Trinkle
Ingersheim / Birgit Trinkle 26.09.2018
Zwischen Ingersheim und Jagstheim lässt sich nicht mehr übersehen, dass Biber eingezogen sind. Mehr Probleme bereiten die Tiere in der Trutenbachallee.

Ist es über Nacht November geworden zwischen Ingersheim und Jagstheim? All die kahlen Bäume auf Höhe des entstehenden Gewerbegebiets Süd-Ost III. legen diesen Schluss nahe. Und doch ist dem nicht so. Dutzende Bäume am Weidenbach bereiten sich nicht im Winterschlaf auf den Frühling vor, sie sind – zum Teil seit geraumer Zeit – abgestorben. „Biberwerk“, sagt Gerhard Schacht, Leiter des Fachbereichs Bauen und Verkehr der Stadt Crailsheim. Um einen gewissen Wasserstand rund um ihre Burgen sicherzustellen, bauen Biber Dämme, die Bäche aufstauen oder gar künstliche Teiche anlegen; in Gewässerrandbereichen kann es so zu Staunässe kommen, die den meisten Bäumen gar nicht guttut.

Nicht nur in Crailsheims Südosten sind die rührigen Nager aktiv. Der von ihnen an anderen Stellen verursachte Rückstau ins Regenwasserkanalnetz etwa bereitet Gerhard Schacht zufolge ebenso Sorgen wie absterbender wertvoller Baumbestand in städtischem ebenso wie in privatem Besitz. Für die Stadt, so Schacht, stelle sich schon die Frage, ob ein Stadtgebiet der richtige Lebensraum für Biber ist, ein Lebensraum mithin, in dem  Bäume, die nicht länger standsicher sind, Menschenleben gefährdeten. „Die Stadt hat eine Verkehrssicherungspflicht.“

In enger Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde werde versucht, hier einen Wasserspiegel zu regulieren, dort einen Rückstau zu verhindern. Längerfristig werde wohl, wiederum mit Genehmigung der Naturschutzbehörde, über ein Vergrämen nachgedacht werden müssen. Biber sind durch die FFH-Richtlinie besonders geschützt und unterliegen nicht dem Jagdrecht.

Probleme an mehreren Stellen

Das Biber-Problem wurde auch  in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats mehrfach angesprochen. Gernot Mitsch (SPD) war der Erste, der sich diesem Thema widmete. Mittlerweile nähmen die unter anderem in der Trutenbachallee, mithin einem stark frequentierten Rad- und Fußweg, verursachten Schäden Ausmaße an, mit denen die Stadt die Bürger nicht alleine lassen dürfe. Schacht bestätigte: Nicht nur, dass am Weidenbach auf 250 Metern die Bäume abgestorben sind: „Auch mitten in der Stadt“ gehe wertvoller Baumbestand verloren. Stünden Baumwurzeln länger als hundert Tage unter Wasser, seien die meisten Bäume nicht zu retten, und genau das geschehe derzeit an mehreren Stellen. Schäden entstünden, so der Fachbereichsleiter: „Der Biber kostet Geld und vor allem Bäume, die wir mit großem Aufwand erhalten.“

Harald Gronbach (CDU)  sprach als persönlich Betroffener ebenfalls von Bibern verursachte Schäden an – so gebe es zum Beispiel keinen Ausgleich für gepachtete Wiesen, die aufgrund des Bibers nicht bewirtschaftet werden können. Gronbach sprach von „Problembibern“, die keine natürlichen Feinde hätten und ähnlich wie im Nachbar-Bundesland Bayern in Einzelfällen bekämpft werden sollten.  Gernot Mitsch meinte abschließend, dieses Problem könne Crailsheim nicht lösen, „hier muss die Politik eine Lösung finden“.

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