Amtseinsetzung Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer jetzt offiziell in Amt und Würden

Crailsheim / Sebastian Unbehauen 10.02.2018
Dr. Christoph Grimmer ist nun auch offiziell Oberbürgermeister der Stadt Crailsheim. Bei der Amtseinsetzung in der Festhalle Ingersheim kündigte er am Freitagabend an, ein streitbarer Kopf sein zu wollen.

Schon die erste Erinnerung, die Christoph Grimmer an die Festhalle im Stadtteil Ingersheim hat – so verriet der 32-Jährige dort am Freitag in seiner kurzen Antrittsrede – , ist eine überaus positive. Anfang der 1990er-Jahre nämlich wurde er Meister: Tischtennis-Minimeister. Damals dürfte dieser Sieg pure Freude hervorgerufen haben. Die heutige Oberbürgermeisterschaft freilich ist von anderem Kaliber – von einem, das bisweilen mindestens so schwer auf Grimmers Schultern lasten dürfte wie die Amtskette, die ihm Stadtrat Gernot Mitsch zur Verpflichtung durch Stadträtin Lilly Venohr umlegte.

OB fordert Selbstbewusstsein

Grimmer  machte vor den zahlreichen Ehrengästen und Bürgern aber nicht den Eindruck, als fürchte er sich vor dieser Last. Stattdessen ließ er in freier Rede und ohne sich hinter das eigentlich dafür vorgesehene Pult zu stellen ein Stück von jenem Selbstbewusstsein aufblitzen, das er – da ist er sich mit seinem Amtsvorgänger Rudolf Michl einig – in Crailsheim oft vermisst. Der Begriff „Mentalität“ sei wichtig. Er bezog das auch auf die vielen Sachbeschädigungen in der Stadt, von denen er fast jeden Tag in der Zeitung lese und die ihn zornig machten. „Wir müssen daran arbeiten, dass unser Rechtsstaat stark wird“, forderte Grimmer – und bekam dafür lauten Zwischenapplaus.

„Manchmal machen wir uns zu Unrecht kleiner als wir sind“, sagte der Oberbürgermeister. Dabei könne die Stadt doch mit dem Pfund toller Unternehmen und Schulen wuchern. „Wenn wir jetzt noch an den weichen Faktoren arbeiten, haben wir eine wunderbare Zukunft.“

Die Stadt brauche jemanden mit Haltung und Visionen, es gebe die Sehnsucht nach einem streitbaren Kopf, der sich einbringt. Keine Frage, dass Grimmer genau dieser Kopf sein will. „Die Crailsheimer haben mich gewählt, weil ich im Wahlkampf am stärksten Position bezogen habe“, ist sich der neue OB sicher. Und noch etwas stellte er fest: Die Menschen seiner Heimatstadt seien „per se vielleicht etwas zögernd, zaudernd, ein bisschen Bedenkenträger“. Er wünsche sich zwar, dass auch künftig Bedenken geäußert würden. Aber: „Ich bin jemand, der auch Lösungen haben will.“ Hier sprach er die versammelten Stadträte direkt an und lud sie ein, mit ihm an diesen Lösungen zu arbeiten.

Grimmer betonte, seine Aufgabe mit „Vertrauen, Optimismus, Zuversicht und Weltoffenheit“ angehen zu wollen – und zitierte den früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln: „Die beste Form, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie selbst zu gestalten.“ Das sei sein Ansporn, sein Antrieb.

Mehr Programmatisches bekamen die Gäste am Freitag nicht zu hören. Er wolle nicht große Worte, sondern Taten sprechen lassen, hatte Grimmer gleich zu Beginn seiner Ansprache betont. Im Wahlkampf sei er sich in diesem Punkt notwendigerweise untreu geworden, jetzt wolle er sich wieder treu werden. Dass er es mit den Taten durchaus ernst meint, hatte er ja bereits an seinem ersten Arbeitstag am 1. Februar demonstriert, als er seinen Mitarbeitern eine neue Rathaus-Struktur vorlegte. Wenn der Gemeinderat mitmacht, gibt es demnächst neben Grimmer selbst wohl nur noch einen Bürgermeister.

Vielfacher Dank

Der Rest der Rede war Dank – an Festredner, Ehrengäste, Stadträte, Bürger, an die wieder einmal überzeugend aufspielende Stadtkapelle, die helfende Fränkische Familie sowie die Bürgerwache, die sich mit einer Abendserenade an der Amtseinsetzung beteiligte. Warme Worte richtete Grimmer an seine Familie und besonders an seine Eltern, die in der ersten Reihe saßen. Sie hätten ihn im Wahlkampf stets moralisch und mental unterstützt: „Ich habe es euch zu verdanken, dass ich hier stehe.“

Auch bei seiner Mitarbeiterin Margit Fuchs als Organisatorin des Abends bedankte sich Grimmer – und beim Ersten Bürgermeister Harald Rilk, der an seinem letzten Arbeitstag eigentlich durch die Veranstaltung führen sollte, dies aber krankheitsbedingt nicht konnte. Rilk, betonte Grimmer, habe Crailsheim „fast ein Vierteljahrhundert mitgestaltet, mitgeprägt. Ich hätte es ihm gewünscht, dass er heute hätte dabei sein können.“ Der Erste Bürgermeister soll in der nächsten Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 22. Februar, offiziell verabschiedet werden.

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