Vandalismus Nur selten kann ein Täter ermittelt werden

Kein Kavaliersdelikt: Die sinnlose Gewalt hat sich hier gegen eine Parkbank gerichtet.
Kein Kavaliersdelikt: Die sinnlose Gewalt hat sich hier gegen eine Parkbank gerichtet. © Foto: Stadt Crailsheim
Crailsheim / Christine Hofmann 02.01.2018

Zündeln in der öffentlichen Toilette, zerstörte Bänke im Park, eine aus den Angeln gerissene Tür am ZOB-Wartehäuschen – immer häufiger müssen Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs ausrücken, um Vandalismusspuren in der Crailsheimer Innenstadt zu beseitigen.

Dass die Zahl der Vandalismusfälle gestiegen ist, bestätigt die Polizei auf Nachfrage. „Im Jahr 2017 gibt es im Innenstadtbereich auf jeden Fall eine leichte Steigerung zum Vergleichszeitraum des Vorjahres“, teil Bernd Märkle aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Aalen mit. Allerdings schwanken die Zahlen jährlich. Insgesamt 93 Fälle von Sachbeschädigung hat die Polizei 2016 gezählt – allein in der Crailsheimer City. Ein Jahr zuvor waren es nur 66 Fälle. Es gab jedoch 2012 schon einmal einen ähnlich hohen Wert (siehe Grafik).

Straftaten anzeigen

Die Polizei könne im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten eingreifen – entweder nach dem Polizeigesetz zur Gefahrenabwehr oder im Rahmen der Strafprozess­ordnung zur Strafverfolgung. Märkle: „Wichtig ist auf jeden Fall eine konsequente Strafverfolgung, wenn eine Straftat vorliegt.“ Das funktioniert aber nur, wenn Geschädigte oder Zeugen die Straftaten auch anzeigen – und zwar möglichst schnell. Denn das passiere nicht immer. „Es kommt vor, dass solche Taten im Paket angezeigt werden, wodurch eine zeitliche Eingrenzung der Tat nahezu unmöglich ist und damit natürlich die Tataufklärung erschwert wird“, so der Polizei-Pressesprecher.

Wenn eine Tat angezeigt wird, heißt das noch lange nicht, dass der Täter auch bestraft wird. Tatsächlich landen nur wenige Fälle vor Gericht. Eine Statistik über Vandalismus-Fälle gebe es am Crailsheimer Amtsgericht nicht, teilt Richterin Uta Herrmann mit. Sie kann nur von wenigen Verhandlungen berichten, in denen sich ein Täter wegen Sachbeschädigung verantworten musste. Viele Fälle würden meist im Vorfeld eingestellt, weil kein Täter ermittelt werden könne. Herrmann: „Aus meiner eigenen Wahrnehmung kann ich konkret zwei Verfahren benennen, in denen es um eine entsprechende Sachbeschädigung ging. Eine Steigerung der Fallzahlen kann ich nicht feststellen.“

Steht jedoch einmal ein Angeklagter vor Gericht, wird schnell deutlich, dass Vandalismustaten keine Kavaliersdelikte sind. Der Tatbestand der sogenannten „gemeinschädlichen Sachbeschädigung“, also der Sachbeschädigung von öffentlichem Eigentum, kann hart bestraft werden. Hier ist ein Strafrahmen von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren möglich. In der Praxis fällt das Strafmaß jedoch in den meisten Fällen eher mild aus, berichtet Richterin Herrmann: „Es werden tendenziell Geldstrafen verhängt.“

Um das Thema Vandalismus in den Griff zu bekommen, ist jeder gefordert. Bernd Märkle vom Polizeipräsidium Aalen appelliert an das Rechts- beziehungsweise Unrechtsbewusstsein der Bevölkerung. Jeder könne hier einen Beitrag leisten. Es sei wichtig, nicht wegzuschauen, betont Märkle: „Oft werden solche Taten als nicht so schlimm angesehen und deswegen toleriert.“ Doch das ist auf Dauer keine Lösung. Denn wenn Menschen, die fremdes Eigentum zerstören oder beschmutzen, immer wieder ungeschoren davonkommen, gebe es keinen Grund für sie, ihr Verhalten zu ändern.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel