Werktäglich kommen rund 1800 Menschen aus dem benachbarten Bayern nach Crailsheim, um hier zu arbeiten. Die wenigsten von ihnen fahren mit dem Zug. Das könnte sich ändern, wenn die S-Bahn von Nürnberg nach Dombühl bis Crailsheim verlängert wird. Vor etwas mehr als zwei Jahren ist erstmals eine S-Bahn von Dombühl weiter nach Crailsheim gefahren, weil ein DB-Regionalzug ausgefallen war.

Auch in den letzten Wochen ist die S-Bahn „nahezu täglich“ nach Crailsheim weitergefahren, weil der Fahrplanwechsel für Schwierigkeiten im Bahnverkehr gesorgt habe, schreibt der Feuchtwanger Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig in einer Pressemitteilung. Er erneuert seine Forderung, dass die Verlängerung nach Crailsheim noch in diesem Jahr realisiert wird.

Stümpfig hat kein Verständnis für die bereits jetzt aufgetretenen Verzögerungen. So wird eine Machbarkeitsstudie, die im Herbst 2019 hätte vorliegen sollen, erst im Februar fertig. Der bayerische Grünen-Politiker fordert nun, dass der Verkehrsverbund Nürnberg, der die Untersuchung in Auftrag gegeben hat, das Projekt auf seiner Prioritätenliste ganz nach oben setzt.

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Grünen-Abgeordneter findet die Verzögerung „völlig unverständlich“

Wenn die Praxis beweist, dass die S-Bahn schon jetzt fahren kann, ist es für den Parlamentarier „völlig unverständlich“, dass die Politik so lange braucht, bis das Vorhaben realisiert wird. Zumal, so Stümpfig – auch seine Ehefrau arbeitet in Crailsheim – die Menschen im württembergisch-bayerischen Grenzraum sehr von der verlängerten S-Bahnlinie profitieren würden. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) müsse schnell spürbar verbessert werden, um den Pendlern eine praktikable Alternative zum Auto anbieten zu können. Was den Grünen-Politiker besonders ärgert: „Bei der S4 nach Crailsheim wäre alles vorhanden: das Wagenmaterial, die Lokführer, die ohnehin in Dombühl auf die Rückfahrt nach Nürnberg warten, und die Infrastruktur.“

Stümpfig steht mit seiner Forderung nicht alleine da. Auch der Crailsheimer FDP-Landtagsabgeordnete Stephen Brauer setzt sich intensiv für eine schnelle Realisierung ein, ist inzwischen aber ernüchtert: Wenn die bisherige Bearbeitungsgeschwindigkeit beibehalten wird, sei die offizielle Inbetriebnahme der verlängerten S-Bahnlinie selbst im Jahr 2024 nicht sicher, hat er im vergangenen Herbst kundgetan.