Oldtimer Nostalgische Karossen am Schweinemarkt zur Tour gestartet

Crailsheim / MATHIAS BARTELS 24.09.2012
Das Glück der Erde lag bekanntlich lange auf dem Rücken starker Pferde. Wenn sich zur Pferdestärke nostalgische Karossen gesellen, dann können eigentlich Rudolf Wagner und seine Mitstreiter nicht weit sein.

In der Tat sorgte der Ellrichshäuser Oldtimer-Freak auch gestern auf dem Schweinemarktplatz wieder für kribbeln bei all jenen, die "Benzin im Blut" haben und mit alten Automobilen deutlich mehr verbinden als den Blick zurück auf schrottreife Kisten. Das waren sie nämlich fürwahr nicht, die Schätzchen, die da aus Garagen, Scheunen und sonstigen Unterstellplätzen geholt worden waren zur alljährlichen Herbstausfahrt der Oldtimer-Interessengemeinschaft Ellrichshausen. Die Tour bietet stets auch einen Blick in die Kulturgeschichte. Es sind Erinnerungen an vergangene Zeiten, als Autos noch richtige Autos waren.

Jene rund 120 Oldies, die gestern zur Fahrt gen Mergentheim und zurück nach Ellrichshausen aufbrachen, wären wohl jeder für sich eine eigene Story wert. Zum Beispiel die vom 1937er Adler von Georg Rollbühler. In Südafrika hat er das Fahrzeug vor drei Jahren aufgetan, reimportiert und neu aufbereitet. Jetzt schnurrt das "Vögelchen" bereitwilligst vor sich hin. Ersatzteile? Kein Problem - besorgt der Adler-Club.

"Das Firmenemblem", erzählt der stolze Besitzer, "schaut nach rechts - das war erst in der Nazi-Zeit so angeordnet worden." Bis dahin hatten alle Adler den Blick nach links. Das Schnauferl begnügt sich mit 74-Oktan-Benzin, fährt aber laut Rollbühler "mit fast allem, was man in den Tank schüttet". Bleifrei? Logisch! Die niedrige Verdichtung machts möglich. Die Besonderheit dieser Schönheit: Sie ist ein Viertürer. Bei der jüngsten TÜV-Untersuchung spuckte der Computer die Bemerkung aus, das Fahrzeug sei "mit Airbag nicht nachrüstbar". Kann man verkraften.

Roland Glück kann damit leben, dass auf sein zuweilen scherzhaft am Fahrzeug befestigtes DIN-A-4-Blatt noch kein weibliches Wesen angebissen hat: "Junge Dame zum Mitreisen gesucht". Allzu viel Platz hätte die Bewerberin ohnehin nicht im Thurner-NSU mit seinen 100 PS. Nur 121-mal wurde die "Plastik-Kiste" gebaut, etwa 25 fahren noch. Aus allen möglichen Fahrzeugtypen hat der Schöpfer Rudolf Thurner in Bernbeuren Teile verbaut: Daimler, Porsche, VW. Die Frontscheibe gibt es leider nicht mehr. "Die muss also halten", betont Roland Glück aus Waldtann. Ach ja: Eine Mitfahrerin wusste ihre niedrige Sitzposition offenbar zu schätzen: "Das einzige Auto, aus dem man von unten auf andere herabschauen kann", soll sie geäußert haben.

Oder Werner Meiser mit seinem "Hausfrauen-Porsche", dem 914-6. "Mein Lieblings-Fahrzeug", sagt er über den rasanten Sechszylinder, "sensationelle Straßenlage." Er muss es wissen, schließlich hat er noch ein paar andere Boliden in der Garage. Porsche habe das Modell schon deshalb aus dem Programm genommen, weil es zu erfolgreich und dem 911er zum Konkurrenten wurde.

Also: Das Oldie-Sammelsurium in der City konnte sich gestern getrost sehen lassen - all die BMW, Fiat, Daimler, Ferrari, Citroëns, Chevis, VW, Ford, Ro 80, Manta und was immer da auch fuhr. Für Oldtimer-Fans eine Fundgrube. Offenbar sogar für die Fußballfrauen des 1. FFC Recklinghausen, die sich auf den Marktplatz verirrt hatten. "Richtig süß" fanden zwei junge Damen die Isetta. Wenn die wüssten, dass die zur ihrer Zeit "Knutschkugel" genannt wurde.

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