Niederstetten Niederstettens Ehrenbürger Albert Sammt: Zeppelin-Kapitän war einzigartig

Niederstetten / PETER SCHRÖDER 24.04.2014
Heute vor 125 Jahren, am 24. April 1889, wurde Albert Sammt in Niederstetten geboren, wo seine Eltern eine Seilerei und ein Kolonialwarengeschäft betrieben.

Nach seiner Schulzeit absolvierte er im elterlichen Betrieb eine Kaufmannslehre und besuchte die Höhere Handelsschule im württembergischen Calw. 1910/11 schloss sich eine freiwillige militärische Ausbildung beim Füsselier-Regiment 122 in Mergentheim an, die er als Gefreiter der Reserve beendete.

Durch Vermittlung seines älteren Bruders Fritz, der bereits bei der Luftschifffahrt beschäftigt war und zur Besatzung des LZ 10 "Schwaben" gehörte, kam er im Januar 1912 zur damals neu gegründeten Deutschen Luftschiff-Reederei (Delag) nach Frankfurt/Main und später nach Baden-Oos. Für weitere Schiffe, die die Delag in Dienst nehmen wollte, wurden junge Leute für eine Ausbildung als Luftschiffbesatzungen gesucht. Albert Sammt war sofort dabei. Auf dem LZ 11 "Victoria Louise" erfolgte seine Ausbildung zunächst zum Höhensteuermann. Bereits im Sommer 1912 machte er seine erste Fahrt mit diesem Luftschiff.

In der Zeit des Ersten Weltkrieges kam die private Luftschifffahrt zum Erliegen. Neue Luftschiffe für die Marine wurden nicht nur im Stammwerk in Friedrichshafen, sondern auch im Werk Berlin-Staaken und Potsdam, wo Albert Sammt seit dem Jahr 1915 als Techniker beschäftigt war, gebaut. Seine Hauptaufgabe war die Verwirklichung von neuen Technologien auf dem erlernten Gebiet der Textiltechnik im Zellen- und Hüllenbau. Der Direktor der dortigen Luftschiffwerft war zu jener Zeit Dr. Dürr. Albert Sammt blieb in Staaken, bis ihn Dr. Dürr 1927 zur Werft nach Friedrichshafen holte, wo bereits der Bau des LZ 127 begonnen hatte. Noch während seiner Zeit in Staaken wurde er 1924 zur Besatzung des LZ 126 abkommandiert. Mit diesem Schiff nahm er als Höhensteuermann an der ersten Atlantiküberquerung teil. Er blieb mit einigen Kameraden in den USA, um die Besatzung der Amerikaner auszubilden, denn das Schiff wurde als Reparationslieferung den Amerikanern übergeben.

Viele Reisen in aller Herren Länder schlossen sich in den Folgejahren an. Albert Sammt nahm an fast allen berühmten Fahrten in verschiedenen Funktionen teil. Neben der ersten Atlantiküberquerung auch an der ersten Weltfahrt, der Arktisfahrt und den planmäßigen Transatlantikfahrten. Bald festigte sich sein Ruf als hervorragender Höhensteuermann und Navigator. Sein Fleiß, sein Können und seine Zielstrebigkeit ermöglichten ihm den Aufstieg in die Offizierslaufbahn. Neben Dr. Eckner war Sammt der einzige Kapitän, der nicht aus dem Militär kam.

1936 wurde er als erster Offizier auf dem neuen Schiff LZ 129 "Hindenburg" eingesetzt. So stand er auch am Steuer, als das Schiff bei der Katastrophe von Lakehurst verbrannte. Albert Sammt entkam dem Inferno stark verletzt und kehrte nach längerem Krankenhausaufenthalt nach Deutschland zurück.

Im September 1937 bekam er den Luftfahrerschein Nummer 7. Im November desselben Jahres wurde er zum Kommandanten des LZ 130 "Graf Zeppelin II" bestellt. Unter seiner Führung machte das Schiff noch 24 Fahrten Mit der letzten Fahrt dieses Luftschiffes am 20. August 1939 von Essen nach Frankfurt endete die Ära der Großzeppeline in Deutschland. Nachdem 1945 die deutsche Zeppelinreederei aufgelöst worden war, musste sich Albert Sammt mit 56 Jahren um eine neue Existenz bemühen. Als Repräsentant der Kohleunion betreute er dort größere Industriebetriebe zwischen Mannheim und Kassel. Im Alter von 77 Jahren setzte er sich zur Ruhe und übersiedelte nach Überlingen am Bodensee.

Mit 93 Jahren starb Albert Sammt in Bad Soden. Er wurde auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Niederstetten, deren Ehrenbürger er seit 1937 ist, beerdigt. Zur Erinnerung an ihn wurde im Juli 1982 das Albert-Sammt-Zeppelin-Museum eingerichtet.
 


"Mein Leben für den Zeppelin" lautet der Titel des Buches von Albert Sammt, in dem er über drei Jahrzehnte seiner Zugehörigkeit zur Luftschifffahrt erzählt. In diesem Zeitraum brachte er es vom Seilerlehrling zum Luftschiffkapitän und fuhr mehr als 2,5 Millionen Kilometer in Luftschiffen. Die Krönung seiner Laufbahn war die Ernennung zum Kommandanten des LZ "130 Graf Zeppelin".
 

Ausstellung

Am Sonntag, 27. April, wird das Museum von 11.30 bis 18 Uhr beim Frühlingsmarkt und Generationenfest in Niederstetten geöffnet sein. Neben der Dauerausstellung, die das Leben Albert Sammts und die Entwicklung der Zeppeline dokumentiert, wird eine Sonderausstellung zu sehen sein. Um 12 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr wird ein kurzer Dokumentationsfilm über Albert Sammt gezeigt. Der Eintritt ist frei
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel