Crailsheim Nie war der Himmel über Beuerlbach blauer

Crailsheim / Ute Schäfer 14.02.2018
Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur  schlechte Belichtung – ein Spaziergang mit der Gründelhardter Fotogruppe durch den Crailsheimer Stadtteil Beuerlbach.

Am liebsten hätte ich das Auto angehalten und sofort fotografiert“, sagt Barbara Hoyer. Denn eben hat es ziemlich geschneit. Die alten Bäume der Allee zwischen Krekelberg und Beuerlbach waren auf ihrer einen Seite weiß vor Schnee, auf ihrer anderen schwarz vor Nässe. „Ein toller Hell-Dunkel-Kontrast“, findet die Fotografin. Doch Hoyer musste weiter. Denn sie wollte pünktlich am Treffpunkt sein: Drei Mitglieder der Fotogruppe Gründelhardt hatten sich am Montagnachmittag in Beuerlbach zum „Foto-­Walk“ verabredet – also zu einem Spaziergang mit ihren Fotoapparaten.

Auf einmal ist alles interessant

Ein solcher Gang hat seinen ganz besonderen Reiz. „Wenn man auf Motivsuche ist, nimmt man seine Umgebung viel intensiver wahr“, erklärt Eberhard Schuch, der die Fotogruppe leitet. „Man wird auf Details aufmerksam, an denen man sonst vielleicht vorbeigehen würde. Bei einem Spaziergang mit der Kamera wird auf einmal alles interessant. Wie diese alte Scheunenwand zum Beispiel“, sagt er und deutet auf eine verwitterte Holzwand, braun und gelblich, die Holzmaserung gut zu sehen. Er zückt die Kamera. „Gleich überlegt man, wie man sie gut fotografieren könnte.“ Das bestätigt auch Willy Emmert: „Man sieht mehr mit der Kamera als ohne.“

Die Fotografen sind zwar gemeinsam losgezogen. Doch auf der Suche nach Motiven schwärmen sie alleine aus. „Das ist ganz typisch“, sagt Schuch. „Denn jeder hat andere Interessen.“ Hoy­er zum Beispiel ist offensichtlich auf der Suche nach Frühlingsboten. Sie krabbelt fast auf dem Boden herum, um ein paar gelbe Winterlinge in Szene zu setzen, die da durch den Schnee lugen. „Für mich ist das Fotografieren ein mentaler Ausgleich zum Job“, sagt sie. „Wenn ich ein Motiv fotografiere, wie jetzt diese Winterlinge, dann bin ich ganz ruhig. Ganz konzentriert. Und hinterher ist der Stress weg.“

Schuch und Emmert haben indes ein altes Fachwerkhaus entdeckt. Es scheint unbewohnt. „Lost Places“, also verlassene Orte, „das ist mein Thema“, sagt Schuch, der am liebsten Models mitnimmt, wenn er in verlassenen Fabrikhallen oder Industrieruinen fotografiert. Oft mietet die Gruppe für ihre Mitglieder auch Locations an und macht einen Ausflug dorthin. Doch jetzt bauen die Fotografen ihre Stative vor dem alten Haus auf. HDR-Fotos wollen sie machen. HDR heißt „High Dynamic Range“, und das ergibt Bilder mit einem hohen Dynamikumfang. „Die Fotogruppe bietet einen Kurs in der HDR-Technik an“, sagt Schuch. „Jeder, der sich interessiert, kann dazukommen.“

Strukturen werden betont

Allerdings braucht es dazu eine Kamera, die das auch kann: mehrere Bilder aufzunehmen und sie zusammenzurechnen. „Von diesen Einzelbildern sind manche unterbelichtet und manche überbelichtet. Im fertigen Bild betont das dann die Details und Strukturen“, erklärt Schuch die dahintersteckende Technik.

Der Besitzer des Hauses taucht auf, es entspinnt sich ein nettes Gespräch über den Denkmalschutz und die Last und Lust alter Gebäude – und nun kommt auch noch die Sonne heraus. Emmert fotografiert konzentriert. Wolken im Himmel sind bei den HDR-Fotos betont, und der Himmel über Beuerlbach war nie blauer!

Zufrieden packen die Fotografen ihre Stative wieder zusammen. Mittlerweile hat sich der Himmel schon wieder verdunkelt, der nächste Schneeschauer steht an. Jetzt also schnell zurück nach Crailsheim und noch gemeinsam einen Kaffee trinken. Denn obwohl die Fotografen alleine auf Motivsuche gehen, sind sie doch eine nette Gemeinschaft, die sich durch das gemeinsame Hobby verbunden fühlt.

Und natürlich: Auf dem Weg zurück hält Hoyer ihr Auto an. Denn noch immer ist die Allee zwischen Beuerlbach und Crailsheim malerisch – will heißen: fotografierenswert. Das macht sie jetzt. Der Kaffee kann warten.

Auch Anfänger sind willkommen

Wer das Bild von der Allee zwischen Beuerlbach und Crailsheim sehen will: Barbara Hoyer hat es auf die Facebook-Seite der Fotogruppe gestellt. Mehr zur Gruppe und ihren Terminen gibt es online unter der Adresse
www.fotogruppe-gruendelhardt.de. Die nächsten Termine: 20. Februar, „Beauty-Retusche“ mit Photoshop; 20. März, HDR-Foto und Bearbeitung; jeweils um 19 Uhr in der „Linde“ in Frankenhardt-Waldbuch. Die Veranstaltungen sind auch für Nicht-Mitglieder kostenlos. Wichtig: Man muss nicht in Gründelhardt wohnen, um teilzunehmen. uts