Menschen Wilfried Kraft legt sein Gemeinderatsmandat nieder

Von seinem Balkon aus genießt Wilfried Kraft den Blick über Crailsheim. Die Stadt – und ganz besonders die Menschen in der Stadt – liegen ihm am Herzen.
Von seinem Balkon aus genießt Wilfried Kraft den Blick über Crailsheim. Die Stadt – und ganz besonders die Menschen in der Stadt – liegen ihm am Herzen. © Foto: Christine Hofmann
Christine Hofmann 19.09.2017
Wilfried Kraft zieht sich aus der Kommunalpolitik zurück. Am Donnerstag legt das Crailsheimer Grünen-Urgestein sein Gemeinderatsmandat nieder.

Fast 50 Jahre lebt Wilfried Kraft in Crailsheim. Die Stadt und die Region sind ihm längst ans Herz gewachsen. Und mehr noch die Menschen, die hier leben. Für sie engagiert sich der 64-Jährige – beruflich und ehrenamtlich – seit vielen Jahren. Eines seiner Ehren­ämter legt er nun nieder: In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag gibt Wilfried Kraft sein Mandat als Ratsmitglied und Vorsitzender der Grünen-Gemeinderatsfraktion zurück. 23 Jahre lang war er im Stadtrat.

Kürzlich erst hat Kraft seine Ämter als Kreisvorstand der Grünen und als Ortsvorstand der Crailsheimer Grünen abgegeben. Zum Jahresende wird er auch sein Kreistagsmandat niederlegen. Wird Wilfried Kraft, der seit Mai letzten Jahres im Ruhestand ist, nun etwa unpolitisch? „Sicher nicht“, antwortet er lachend. „Jetzt beginnt einfach eine neue Phase.“

Politisch interessiert und engagiert ist der gebürtige Heilbronner schon lange. Anfang der 1970er-Jahre trat er den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, bei. Kurz darauf verlagerte er seine Aktivität ins Crailsheimer Jugendzentrum, zu dessen Gründerkreis er gehörte. Zum Bruch mit der SPD kam es Ende der 1980er-Jahre, als die Crailsheimer CDU- und SPD-Fraktion das Jugendzentrum abreißen und an dieser Stelle eine Stadthalle bauen wollten. Doch daraus wurde bekanntlich nichts.

1994 kandidierte Kraft erstmals für den Crailsheimer Gemeinderat, damals auf der Unabhängigen Grünen Liste (UGL) – und wurde prompt gewählt. Im selben Jahr kam er als Nachrücker in den Kreistag. Einige Jahre später wurde er Fraktionsvorsitzender der UGL. Kurz vor der letzten Kommunalwahl löste sich die UGL auf und Kraft trat mit einer Grünen-Liste an.

Durch seine Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters im Jahr 2009 wurde Wilfried Kraft stadtbekannt. Im ersten Wahlgang erhielt er fast 20 Prozent der Stimmen. Er trat im zweiten Wahlgang jedoch nicht mehr an. „Das war ein toller Erfolg“, erinnert er sich. „Der Wahlkampf hat mich nicht nur bekannt, sondern auch beliebt gemacht. Die Grünen in Crailsheim wurden plötzlich ernst genommen.“

Rückzug aus den Ämtern

Kurz darauf kandidierte Wilfried Kraft bei der Landtagswahl 2011 für die Grünen. Nur wenige Stimmen fehlten ihm am Ende zum Einzug ins Parlament. „Das war ein bissel Pech. Aber ich konnte mit der Niederlage umgehen.“ Fünf Jahre später wollte er es noch einmal wissen und erklärte sich erneut zur Landtagskandidatur bereit. Doch so weit kam es nicht: In einer Kampfabstimmung verlor er gegen die Hallerin Jutta Niemann. Danach stand für ihn fest, dass er sich nun nach und nach aus seinen politischen Ämtern zurückziehen wollte.

„Für mich war es eine stimmige politische Karriere“, resümiert Wilfried Kraft. Es habe Chancen gegeben und knappe Entscheidungen. Doch das sei in Ordnung. „Ich habe nie genetzwerkt, um Ziele zu erreichen“, sagt er. Und er hat sich nie ins „Weichwaschen“ geflüchtet. Klare Aussagen treffen und Probleme benennen – diese Grundsätze waren und sind ihm stets wichtig.

Wilfried Kraft ist verheiratet, hat drei Kinder und vier Enkel. Dass ihm die sozialen Themen besonders am Herzen liegen, ist eigentlich klar. Der Sozialpädagoge hat in verschiedenen Einrichtungen und Bereichen gearbeitet, die sich für Menschen mit Hilfebedarf einsetzen: in der Jugendarbeit, im Gefängnis, in der Drogenberatung, in der Vermittlung von Arbeitslosen, in der Behindertenhilfe und als Betreuer. Kraft: „In diesem Beruf muss man auch politisch arbeiten. Auf der einen Seite steht die fachliche Arbeit für Menschen mit Hilfebedarf, auf der anderen Seite muss man aber auch gucken, wo sich gesellschaftlich etwas ändern kann und muss.“

Eine kleine Partei braucht in der Regel mehr Zeit, um Themen durchzubringen. Doch mit Beharrlichkeit und eindringlichen Appellen gelingt es doch: Als größten Erfolg seiner politischen Arbeit wertet Kraft die Poolförderung der Jugend- und Schulsozialarbeit. Inzwischen gibt es flächendeckend Schulsozialarbeiter – nicht nur in den städtischen Schulen, sondern auch im gesamten Landkreis.