Crailsheim Bremer Stadtmusikanten begeistern

Eine fulminante und turbulente Aufführung der „Bremer Stadtmusikanten“ mit der Landesbühne Bruchsal erlebte das kleine und große Publikum in der Ingersheimer Festhalle.
Eine fulminante und turbulente Aufführung der „Bremer Stadtmusikanten“ mit der Landesbühne Bruchsal erlebte das kleine und große Publikum in der Ingersheimer Festhalle. © Foto: Peter Empl
Crailsheim / Hans-Peter König 24.01.2019
Eine höchst amüsante und turbulente Aufführung der „Bremer Stadtmusikanten“ in der Ingersheimer Festhalle begeistert Jung und Alt gleichermaßen.

Undank ist der Welt Lohn“, lautet ein Sprichwort. In diesem Fall trifft es gleich auf ein Quartett höchst unterschiedlicher Charaktere zu. Das Besondere daran ist, dass es sich um Tiere handelt. Da sie alt geworden sind, sind sie für ihre Besitzer nicht mehr von Nutzen. Dass diese Tiere sich aber gegen ein drohendes Lebens-End-Schicksal auflehnen, zeichnet ein fabelhaftes Märchen aus. Die Rede ist von den „Bremer Stadtmusikanten“. Wie in anderen Geschichten auch kann man daraus lernen, dass man sich nicht unterkriegen lassen soll und gemeinsam stark ist.

Der Erste im Bunde ist der in die Jahre gekommene Esel. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass Grautiere dumm seien, merkt er, was sein Besitzer mit ihm vorhat, und sucht klug das Weite. Auf dem Weg nach Bremen, wo er Stadtmusikant werden will, begegnet er nacheinander einem Hund, einer Katze und einem Hahn, die alle einem tödlichen Schicksal entgehen, indem sie den Esel begleiten. Unterwegs landen sie in einem Räuberhaus.

Tierische Fähigkeiten

Mit ihrer gemeinsamen musikalischen Probe lösen sie die wilde Flucht der Banditen aus. Auch ein zweiter Versuch der Gesetzesbrecher, ihr Haus zurückzuerobern, scheitert an den Fähigkeiten des tierischen Quartetts. Nun fühlen sich die Bremer Stadtmusikanten im Haus so wohl, dass sie dort gemeinsam ihren Lebensabend genießen können.

In die Ingersheimer Festhalle hatte am Sonntagnachmittag die Theatergemeinde Crailsheim eingeladen, wo die Badische Landesbühne Bruchsal eine Kindervorstellung des bekannten grimmschen Märchens zum Besten gab. Mit sehr viel Schwung und Spielfreude präsentierten die sieben Akteure die musikalische Bühnenbearbeitung des Kabarettisten Peter Ensikat, sehr zur Freude des überwiegend jungen Publikums, aber auch der erwachsenen Begleitpersonen.

Es braucht viele neue Ideen, um aus einem relativ kurzen „Märchenklassiker“ (so der Untertitel) eine aktuelle 60-minütige Theatervorstellung zu machen. Dies ist Peter Ensikat und seiner Inszenierung in höchstem Maße gelungen. Die drei Musikanten Franziska Plüschke, Alexander Chico-Bonet und Mario Fadani (als ihr musikalischer Leiter) spielten nicht nur Saxofon, Gitarre und Akkordeon, sondern setzten unter anderem auch eine große Säge, einen Eimer und eine Kette als Begleitinstrumente ein. Sie verwandelten sich auch in die Räuber Laufweg, Denknach und Schlagzu sowie einen Bauern und eine Köchin.

Fast immer sind alle in atemloser Bewegung. Vier mit Rollen versehene schräge Leitern erweitern die Aktionsfläche. So können sich die vier Tiere auch, ohne sich akrobatisch verrenken zu müssen, wie auf dem gewohnten Bild quasi auf- und übereinanderstellen. Es gibt aber auch, wenn erzählt oder gesungen wird, im Hintergrund Standbilder und pantomimische Verzögerung als Kontrast dazu.

Eine große Farbigkeit – sowohl konkret als auch bildlich gesprochen – kam mit der unterschiedlichen Kleidung der vier Tiere ins Spiel. Blau waren der Esel (Tim Tegtmeier), polizeiuniformgrün der Hund (Norhild Reinicke), gelb die Katze (Yasmin Vanessa Münter) und grellrot der Hahn (Frederik Kienle) gekleidet. Sie spielten mal mit, mal ohne Tiermaskenkopf. Und wie sie spielten! Jedes Tier wurde auf artentypische Weise gestaltet.

Und dann die im ursprünglichen Märchen nicht vorhandene Neuerung, die das wirkliche Leben gut widerspiegelt: Alle bekriegten sich die ganze Zeit. Schon witzig: „Hört auf zu streiten wie Hund und Katze. Ihr macht euch ja lächerlich!“, kommentierte der Esel. Ebenso witzig: „Jetzt müssen wir uns aber beeilen. Von Crailsheim nach Bremen sind es 512 Kilometer.“ Wollten einige Tiere nicht weg, so munterte wiederum der Esel sie auf: „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“

Das Lied von der Freundschaft

Auch die drei Räuber stritten, und zwar über die Verteilung ihrer Beute. Man könnte ja in drei ­Hälften teilen. Doch sie werden von den Tieren in die Flucht geschlagen. Und wieder neuer Streit bei ihnen über ihre (Un-)Musikalität. „Müsst ihr immer nur streiten wie die Menschen? Könnt ihr euch nicht einmal benehmen wie erwachsene Tiere?“, mahnt der Esel besonnen. Schließlich stimmen sie in das Lied von der Freundschaft ein. Ende gut, alles gut: Die Räuber werden Stadtmusikanten, und die vier Tiere leben in Harmonie zusammen. Eine geniale Vorstellung beklatschen Jung und Alt in ebenfalls großer Harmonie.

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