Nicht unter Wert verkaufen

Bei einem Verkauf an Privatpersonen kann mehr Geld für den Verkäufer drin sein.
Bei einem Verkauf an Privatpersonen kann mehr Geld für den Verkäufer drin sein. © Foto: dpa
cw 14.10.2017

Wer sich dazu entschließt sein altes Auto zu verkaufen, sollte wissen, wie viel es noch wert ist. Ansonsten läuft man Gefahr, sich von gewieften Händlern über den Tisch ziehen zu lassen. Eine erste Orientierung bieten Onlinebörsen. Das eigene Fahrzeug suchen und aus den Preisangaben der ersten vier Seiten einen Mittelwert bilden, empfiehlt Michael Koppelmann vom TÜV Süd. Viele Autofahrer überschätzen allerdings den Ist-Zustand ihres Autos. Der Preisvergleich im Web liefert daher nur einen „Ungefähr”-Wert. Bei höherwertigen Autos im fünfstelligen Bereich empfiehlt Gunnar Beer vom Auto Club Europa (ACE) ein Gutachten von Sachverständigen. „Eine realistische, fundierte Wertschätzung kann beim Verkauf im teureren Segment mehrere Tausend Euro ausmachen.” Solche Checks bieten einige Autoclubs und Prüf­organisationen an. Wer an seinem Auto kleine Beulen und Kratzer hat, sollte sich vom Händler nicht zu stark drücken lassen. „Mittels Smart-Repair lassen sich solche Schäden mitunter für 100 Euro ausbessern, während der Händler erzählt, er müsse das für 1000 Euro nachlackieren lassen”, sagt Koppelmann. Werden generell nötige Reparaturen moniert, sollten Autobesitzer im Hinterkopf haben, dass der Händler dafür meist Zugang zu wesentlich günstigeren Reparaturmöglichkeiten hat.

Das Serviceheft

Egal ob man an Private oder Händler verkauft: Ein lückenloses Serviceheft ist ein entscheidender Wertfaktor. Es dient nicht nur als Nachweis von Reparaturen und regelmäßiger Wartung, es kann auch den Austausch von Verschleißteilen belegen. „Damit kann man mit Verweis auf das neuwertige Teil gegen Preisabschläge argumentieren“, so Koppelmann. Je höher die Kilometerzahl des Gebrauchten ist, desto tiefer fällt meist der Händlereinkaufspreis. „Händler verkaufen ab etwa 120 000 bis 150 000 Kilometer nicht mehr gerne an Endkunden, weil ihnen das Risiko der Gewährleistung zu groß wird”, erläutert Koppelmann. Sie schauen dann stattdessen, ob sie das Auto an andere Händler verkaufen oder in den Export geben können. Da Händler erst durch den Weiterverkauf verdienen, müssen Autobesitzer hier stets mit Abschlägen rechnen. Erst ein Einkaufspreis unter Verkaufswert sichert ihnen Gewinn.

Wer sein viel gefahrenes Auto wegen der Abschläge lieber im Web inseriert und privat verkauft, sollte auch auf einige unseriöse Anfragen gefasst sein. „Günstige Autos mit hoher Laufleistung locken freie Händler und die In- und Exportleute an”, so Koppelmann. „Sie kommen dann gerne mal und bieten 2000 Euro für ein Auto, das für 5000 Euro inseriert war.” Dem müsse man gewachsen sein und dem Druck bei den Verhandlungen standhalten. Fazit: „Beim Privatverkauf kann man vielleicht mehr rausschlagen, braucht aber harte Nerven.”