Premiere Neues Stück fusst auf altem Lied

Ralf Snurawa 30.11.2016
Mit besonderem Konzert eröffnet Stadt­kapelle den Reigen der adventlichen Veranstalt­ungen in Crailsheim.

Dekan i. R. Dr. Winfried Dalferth führte zum Konzertmotto aus: „Im Advent bereiten wir uns vor auf die Begegnung mit dem Kind in der Krippe. Zudem ist der Aufbruch ins Gedenkjahr ‚500 Jahre Reformation‘ angesagt.“ Crailsheim sei zur „Reformationsstadt Europas“  ernannt worden.

Die Crailsheimer Stadtkapelle unter der Leitung von Franz Matysiak hat ihr Konzert unter dieses Leitthema gestellt. Vier Werke standen dabei im Mittelpunkt. Dazu gehörte die Uraufführung von Professor Hermann Pallhubers „Momentum Profectionis“, eigens für die Stadtkapelle angesichts des Reformationsjahres geschrieben. Pallhuber verweist im erweiterten Titel auf den Reformator: „Luthers Aufbruch in eine neue Zeit“. Die Komposition beruht auf dem Kirchenlied „Christ fuhr gen Himmel“. Das, so Dalferth, „vorreformatorische“ Lied entstand 1480 in Crailsheim: „Das Lied nahm, ausgehend von diesem Ort mit damals Lateinschule und Johanneskirche, seinen Weg hinaus in die deutschen Lande und in die Gesangbücher.“ Und es kehre nun mit der neuen Komposition gewissermaßen an seinen Ursprungsort zurück.

Monumental wirkte Pallhubers Einleitung, der nach Ausklingen das Thematisieren der Kirchenliedmelodie folgte. Er beleuchtet sie klangfarblich, indem er sie, des Öfteren mit marschartigen Rhythmen unterlegt, durch die Instrumentenstimmen des Blasorchesters wandern lässt. Die Stadtkapelle unterstrich dies durch einen schön durchhörbaren Orchesterklang.

Musikschulleiterin beeindruckt

Noch vor der Uraufführung waren Kompositionen zum Thema Zivilcourage zu hören. Dazu gehörte Oskar Schindler, der viele Juden vor dem Tod rettete. Die Musik zu Steven Spielbergs Film über diesen Mann hatte John Williams geschrieben. Dr. Alexandra Hänisch, die neue Leiterin der städtischen Musikschule, hat sie in ihrem Violinsolopart innig wiedergegeben, einfühlsam vor allem von den Klarinetten und Bassklarinetten begleitet. Schon zu Otto Schwarz‘ auch stark an Filmmusik erinnernde sinfonische Dichtung „Die Geschichte der Anne Frank“ war Hänisch anrührend auf ihrem Instrument zu hören. Aram Chatschaturjans „Spartacus“-Ballett gehörte als viertes Werk unter das Thema des Abends. Die Stadtkapelle bot den rund 600 Zuhörern in der Johanneskirche sinfonisches Klangschwelgen. Eingerahmt wurden diese Werke durch Anton Bruckners „Ecce sacerdos“ und einem „Greensleeves“-Arrangement von Alfred Reed, beide Werke zwischen brillantem Blech­bläserklang und weich getönten Holzbläsern.