Wenn am Freitag der Neubau des Klinikums Crailsheim eingeweiht wird, ist ein Meilenstein in der Gesundheitsversorgung der Region erreicht. Mit seiner klaren Formensprache, der grünen Farbgebung und den Verschattungselementen, die gestalterische Akzente setzen, erhebt er schon äußerlich den Anspruch eines modernen Hauses. Dieser setzt sich bei den Baustandards und im Inneren fort: Das neue Klinikum ist ein Haus der kurzen Wege, hell und freundlich eingerichtet, mit modernster Medizintechnik ausgestattet und energiesparend betrieben.

Für Landrat Gerhard Bauer ist es ein Vorzeigeobjekt par excellence: „Mit dem Neubau ist die zeitgemäße und wohnortnahe medizinische Grundversorgung im Raum Crailsheim nun für die Zukunft gesichert.“ Darüber hinaus handelt es sich um die größte Baumaßnahme in der Geschichte des Landkreises. 54 Millionen Euro kostet der Neubau. Das Land Baden-Württemberg fördert das Projekt mit einem Zuschuss von 26 Millionen Euro. Auch die Stadt Crailsheim ist mit im Boot: Sie steuert 1,6 Millionen Euro für eine Erweiterung der Krankenhausküche bei, die später die städtischen Schulen und Kindertagesstätten mit Mittagessen beliefern soll.

Am 20. November 2012 fasste der Kreistag einstimmig den Baubeschluss für den Klinikneubau. Eine „Entscheidung von historischen Dimensionen“, urteilte Landrat Bauer. Vorausgegangen waren jahrelange Diskussionen, ob ein Neubau nötig sei, an welchem Standort er entstehen und wie er finanziert werden könnte. Der Planungsauftrag wurde an das Fachplanungsbüro Ludes Architekten in München vergeben.

Energetische Effizienz und Nachhaltigkeit

Ein weiterer Beschluss stellte die Weichen in Richtung Nachhaltigkeit. Der Sozial- und Kulturausschuss des Kreistags war sich einig, den Neubau mit Passivhauskomponenten auszustatten. Die Gebäudeplanung ist auf energetische Effizienz und Nachhaltigkeit ausgelegt: Für einen niedrigen Wärmeverbrauch wurden die Wände gedämmt und die Fenster dreifach verglast. Die Wärme wird von einem Blockheizkraftwerk produziert, ebenso ein Teil der benötigten Strommenge. Der restliche Strom kommt aus einer Fotovoltaikanlage. Die Lüftung besitzt eine Wärmerückgewinnung, es gibt eine energiesparende Kühlung und thermoaktive Decken.

Die Bauarbeiten begannen im Mai 2013 mit einem symbolischen Spatenstich. Das Bauunternehmen Leonhard Weiss stellte den Rohbau in nur 13 Monaten Bauzeit fertig. Anschließend ging es an den Innenausbau. Das gesamt Bauprojekt war eine organisatorische Herausforderung: 20 Ingenieurbüros waren am Bau beteiligt, die Arbeit von zwölf Firmen und rund 100 Bauarbeitern musste koordiniert werden. Weil die Gewerke europaweit ausgeschrieben waren, war auch eine Firma aus Italien dabei. Trotzdem: Die Bauarbeiten verliefen im Zeit- und Kostenplan. Zum Jahresende 2015 waren die Arbeiten an der Fassade abgeschlossen.

Projektleiter Werner Horlacher ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Ingenieurbüros, Gutachter und Prüfinstitute haben zielgerichtet und koordiniert dazu beigetragen, dass dieses Großprojekt gelungen ist.“

Mitten in der Bauphase meldete Geschäftsführer Werner Schmidt: „Wir haben zu klein gebaut.“ Innerhalb von vier Jahren stieg die Zahl der stationär aufgenommenen Patienten von 7155 (2011) auf 9332 (2015). Die Bettenauslastung lag damit zwischenzeitlich bei 85 Prozent. Bleibt sie auf diesem Niveau, würden die 165 Betten im neuen Klinikum nicht ausreichen. Deshalb wurde umgeplant: Die Geriatrie, eine aufstrebende
Abteilung im Krankenhaus, wird im Altbau bleiben. Auch die Frauenklinik zieht nicht mit um.

Modernste Medizintechnik zieht in Neubau ein

Dafür zieht jede Menge Hightech in den Neubau ein: von integrierten Operationssälen, einer komplett digitalisierten Radiologie, neuen Magnetresonanztomografie- (MRT) und Computertomografiegeräten (CT) sowie Angiografieanlage bis hin zu Multimedia-Terminals am Patientenbett. „Unsere Patienten werden nicht nur gut betreut und optimal versorgt – ihnen werden auch die hervorragend ausgestatteten Einzel- und Doppelzimmer in den Bettenstationen zusagen“, sagt der Klinische Direktor Thomas Grumann. Am Tag der offenen Tür am Samstag, 30. April, kann sich jeder selbst ein Bild vom neuen Krankenhaus machen. Anschließend beginnt die Umzugs- und Einarbeitungsphase des Personals. Mitte Juni geht das neue Krankenhaus in Betrieb.

Damit ist der erste Bauabschnitt abgeschlossen – und der zweite beginnt: Das alte OP-Gebäude wird abgerissen und eine neue Eingangshalle gebaut. Der Altbau wird saniert für Arzt- und Bereitschaftszimmer, Technikräume, Verwaltung und Arztpraxen. Der zweite Bauabschnitt kostet weitere 7,5 Millionen Euro.