Gerade noch hat Franziska Theiss (30) erzählt, wie sie sich die Geburt ihres ersten Kindes vorstellt. Lange dauert es nicht mehr - es sind nur noch vier Wochen bis zum errechneten Termin. Doch sobald Michaela Frisch-Winkelbeiner der werdenden Mutter mit ihren Handrücken sanft über Rücken, Schultern und Arme streicht, kommt die Schwangere zur Ruhe. Sie schließt die Augen, atmet tief und entspannt sich augenblicklich.

Es ist die fünfte Einheit des Hypnobirthing-Kurses, und Franziska Theiss lässt sich ganz auf die Übungen ein. "Anfangs war es ungewohnt. Ich hatte keinerlei Erfahrung mit Entspannung oder Hypnose. Wir haben zunächst viel gelacht", erzählt die gelernte Erzieherin von ihrer ersten Kursstunde. Auch ihr Mann hat daran teilgenommen. "Ich finde es wichtig, dass mein Mann weiß, worum es geht. Er soll später nicht hilflos im Kreißsaal stehen, sondern aktiv mit einbezogen werden."

Die junge Frau, die in Leipzig geboren und in Gröningen aufgewachsen ist, hat die letzten sechs Jahre in den USA gelebt. "In Amerika ist es ganz selbstverständlich, dass eine Doula die Frauen bei der Geburt begleitet. Das ist hier in Deutschland - und speziell bei uns auf dem Land - noch eher ungewöhnlich." Noch unbekannter als eine professionelle Geburtsbegleiterin ist das Erlernen von Selbsthypnosetechniken. "Davon hatte ich zuvor auch noch nichts gehört. Als sich herausstellte, dass meine Doula auch Hypnobirthing anbietet, wurde ich neugierig", berichtet Theiss. Idee und Konzept überzeugten sie schnell. "Der Kurs lohnt sich schon allein deswegen, weil ich mich in den letzten Schwangerschaftswochen intensiv mit positiven Gedanken auf die Entbindung vorbereite. Ich bin nicht ängstlich, sondern gespannt, wie es sein wird."

Michaela Frisch-Winkelbeiner hat die Methode Hypnobirthing kennengelernt, während sie mit ihrem dritten Kind schwanger war. "Ich hatte zuvor zwei Geburten, die lang und schmerzhaft waren. Diesmal sollte es anders werden", berichtet die 31-Jährige. Und es wurde anders: In der 20. Schwangerschaftswoche ließ sich die werdende Mutter in Hypnobirthing-Geburtsvorbereitung ausbilden. Dabei konnte sie die Entspannungsübungen sogleich selbst anwenden.

"Im Mittelpunkt dieser sanften Geburtsvorbereitung steht eine Programmierung des Unterbewusstseins", erklärt Frisch-Winkelbeiner. Entspannungsübungen und Massagen werden während der Schwangerschaft gemeinsam eingeübt. Während der Geburt angewandt können sie dazu beitragen, dass die Gebärende sich entspannt. Das wiederum beeinflusst die Geburt positiv.

"Bei der Light-Touch-Massage beispielsweise werden ganz leichte Berührungen mit dem Handrücken ausgeübt. Die Nerven springen sofort darauf an und der Körper schüttet Endorphine aus. Man kann sich gut vorstellen, dass das den Geburtsvorgang positiv beeinflusst." Außerdem werden spezielle Atemtechniken für die verschiedenen Phasen der Geburt erlernt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die positive Beschäftigung mit der Geburt. Dafür gibt es eine eigene Sprache: Wehen werden als Geburtswellen bezeichnet, wenn die Fruchtblase platzt, heißt es "die Geburt hat begonnen" und die werdende Mutter soll "mitschieben" wenn das Kind kommt, nicht pressen. "In vielen Begriffen, die üblicherweise benutzt werden, steckt negative Energie. Schon mit den Worten wird Schmerz ausgedrückt", erklärt Frisch-Winkelbeiner. In den Kursen dürfen von den Teilnehmern auch keine vorangegangenen traumatischen Geburtserlebnisse erzählt werden. Gibt es sie, werden sie in Einzelgesprächen aufgearbeitet.

Nach dem Kurs soll die Schwangere gut vorbereitet, angstfrei und mit klaren Vorstellungen zur Entbindung gehen. "Es wird alles Wissenswerte rund um die Geburt vermittelt, einen Geburtsvorbereitungskurs braucht man dann nicht mehr zu machen", so Frisch-Winkelbeiner. Es gibt einen Infozettel für die Hebammen und Ärzte im Krankenhaus, auf dem alle Wünsche vermerkt sind. Frisch-Winkelbeiner: "Es ist wichtig, dass die Eltern wissen, was gut ist für sie und ihr Kind und dass sie im Krankenhaus auf Augenhöhe mitreden können."

In den Wehenpausen zur Ruhe kommen

"Eine Garantie auf eine schmerzfreie Geburt gibt es nicht", betont Frisch-Winkelbeiner, "aber es ist möglich, eine sehr große Erleichterung zu erreichen." Sie selbst hat diese Erfahrung inzwischen gemacht. "Mein drittes Kind habe ich im Klinikum Crailsheim sanft, angstfrei und allein zur Welt gebracht. Es war ein wundervolles Erlebnis." Durch die Entspannungsübungen sei es ihr gelungen, in den Wehenpausen immer wieder zur Ruhe zu kommen. "Ich bin sogar zwischendurch kurz eingeschlafen. So konnte sich mein Körper die Energie, die er brauchte, mühelos wieder zurückholen."

Eine sanfte Geburt wünscht sich Franziska Theiss auch. "Mir ist klar, dass es nicht ganz ohne Schmerzen gehen wird. Aber ich hoffe, dass es eine Geburt ohne Komplikationen wird und dass ich jederzeit die Kontrolle darüber habe, was passiert", sagt die 30-Jährige. "Ich wünsche mir einfach eine möglichst natürliche Geburt." Info Mehr Informationen über Hypnobirthing-Geburtsvorbereitung gibt es auf der Homepage www.nicht-ohne-meine-doula.de.

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