Hochwasser Nächtliche Hilfsaktionen im Norden

Birgit Trinkle 02.01.2018
Einsätze in Schrozberg-Ettenhausen, Blaufelden und anderen Gemeinden halten in der Nacht zum Sonntag die Feuerwehr in Atem.

Es ist nach Mitternacht; viele Feuerwehrler schlafen bereits, als vieldutzendfach im Crailsheimer Raum die Piepser ausgelöst werden. Andere feiern noch oder sitzen mit Freunden zusammen und sind nicht wirklich überrascht, als sie zum Einsatz gerufen werden: Immer wieder haben sie an diesem Abend besorgt das unentwegte und heftige Regenprasseln wahrgenommen. Und das nach der so abrupten Schneeschmelze: Das Silvesterhochwasser der Jagst war abzusehen.

„Ein reißender Fluss“

Gerabronns Stadtbrandmeister Matthias Trumpp berichtet von einer außergewöhnlichen Nacht in Michelbach an der Heide: Die Abteilungen Michelbach und Gerabronn wurden um 1.23 Uhr alarmiert; der Melder übermittelte die Textnachricht „Straße ist ein reißender Fluss“. Die Kanalisation des unterirdisch durch den Ort geleiteten Michelbachs konnte die Wassermassen nicht mehr fassen; das Wasser überflutete die Ortsdurchfahrt von Ludwigsruhe kommend bis zur Liebesdorfer Straße. Die Ortsmitte war nur noch mit Traktoren und schwerem Gerät befahrbar – für Autos gab’s kein Durchkommen. In diesem Bereich liefen zahlreiche Häuser mit Wasser voll. Insgesamt 21 Feuerwehrler unterstützten die Anwohner mit Wasser­saugern und Tauchpumpen, außerdem waren Kanaleinläufe freizuräumen und der Verkehr abzusichern. Bis morgens wurde ­unter anderem mithilfe großer Traktoren gearbeitet; die Abteilung Michelbach fuhr im Anschluss nach Liebesdorf, wo zwei Keller ausgepumpt werden mussten. Die Abteilungen Amlishagen und Gerabronn haben sich am Vormittag um einen überfluteten Keller in Unterweiler gekümmert.

Die Wehr in Kirchberg war mit 27 Einsatzkräften und fünf Fahrzeugen der Abteilungen Kirchberg, Gaggstatt und Hornberg im Einsatz. Hochwasser, Überschwemmungen, vollgelaufene Keller und wild gewordene Bäche, die Steine, Bäume, Äste und Geröll auf die Straßen spülten, gaben den Helfern bis kurz vor 6 Uhr in der Brunnenstraße und in der Raiffeisenstraße in Gaggstatt sowie auf der Landesstraße zwischen Gaggstatt und Kirchberg zu tun.

Großeinsatz auch für Blaufelden und Billingsbach: In Rabolds­hausen konnte das Regenwasser nicht mehr abfließen und überschwemmte dabei eine Straße; einige Keller waren auszupumpen. In Blaufelden selbst standen ebenfalls drei Keller unter Wasser; hier sorgte ein verstopfter Abwasserschacht für einen Rückstau. 40 Helfer waren rund sechs Stunden im Einsatz.

In Rot am See waren 32 Feuerwehrleute aus vier Abteilungen bis 3.30 Uhr damit beschäftigt, Wasser aus einem Keller in Reubach zu pumpen – Albtraum für den Besitzer, der dort sein Büro eingerichtet hatte.

Schrozberg meldete gestern, dass insgesamt 25 Einsatzkräfte aus den Abteilungen Schrozberg, Ettenhausen, Bartenstein und Riedbach in dieser Nacht zu tun hatten. In Ettenhausen kam das Wasser über die Hänge, sammelte sich in der Ettetalstraße und überflutete ein Anwesen. Nachdem die Kanaleinläufe gesäubert waren, lief das Wasser relativ schnell wieder ab. Die Bewohner der Mittelmühle wurden vor dem Hochwasser gewarnt, in Riedbach See und Hochwasserrückhaltung kontrolliert

„Über 150 Kameradinnen und Kameraden haben sich in dieser Nacht darum gekümmert, dass das Wasser möglichst schnell aus den Gebäuden und von den Straßen kommt, um die Schäden für die Betroffenen möglichst gering zu halten“, sagt Thomas Baumann, im Kreisfeuerwehrverband für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Feuerwehr war für Schlimmeres gerüstet, konnte dann aber doch ein ruhiges Silvesterfest feiern – zumindest was die Einsätze angeht.