Olympia Nach den Sommerspielen in London: Ist die Lust auf Sport im Landkreis gestiegen?

Nicht erst seit Olympia von Leichtathletik begeistert: Stabhochspringer Mario Siegele vom TSV Gaildorf, hier bei der 8. Regio-Meisterschaft in Mannheim 2010, peilt den Einstichkasten an. Am Ende sicherte er sich in der Klasse M 24 die Bronzemedaille. Archivfoto: Comi
Nicht erst seit Olympia von Leichtathletik begeistert: Stabhochspringer Mario Siegele vom TSV Gaildorf, hier bei der 8. Regio-Meisterschaft in Mannheim 2010, peilt den Einstichkasten an. Am Ende sicherte er sich in der Klasse M 24 die Bronzemedaille. Archivfoto: Comi
Landkreis / OLGA POSSEWNIN 19.09.2012
Die Medaillen sind verteilt, die Olympioniken in ihrem Alltag angekommen und in London ist wieder Ruhe eingekehrt. Doch was bleibt nach den Sommerspielen? Sind Nachwehen der Sportveranstaltung spürbar?

Die Olympischen Sommerspiele 2012 endeten am 12. August. Deutschland ist - mit insgesamt 44 Medaillen - auf dem sechsten Platz gelandet. Auch die Paralympics sind seit dem 9. September vorbei. Nun ist der Austragungsort London wieder zur Normalität zurückgekehrt. Stellt sich die Frage: Haben die Olympischen Spiele sich auf die Mitgliederzahlen in Sportvereinen im Landkreis ausgewirkt?

Sylvia Hägele von der Geschäftsstelle des TSV Gaildorf sagt, dass die Sommerspiele keinerlei Einfluss auf die Anmeldezahlen ihres Vereins genommen hätten. Allerdings hätte man auch keine großen Hoffnungen in diese gesetzt. Der TSV Gaildorf hat 1600 Mitglieder, davon sind etwa ein Drittel Jugendliche. Die Jüngsten seien drei, die Ältesten 17 Jahre. Die meisten Mitglieder hätten die Fußballmannschaften, so Hägele.

Wie gewinnt der Verein junge Leute? "Es gibt Ausschreibungen im Internet, wir haben ja eine Homepage. Die meisten neuen Mitglieder gewinnen wir aber durch Mundpropaganda, beispielsweise in der Schule", erklärt die Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des TSV Gaildorf.

Auch die Sportfreunde Bühlerzell haben die Olympischen Spiele nicht nötig, um ihre Anmeldezahlen aufzustocken. 1000 Mitglieder zählt der Verein aktuell - bei insgesamt etwa 2000 Einwohnern in der Gemeinde. Wie erklärt sich Vereinsvorstand Günter Kiesel diese Zahl? "Zum einen liegt das an der Vielfalt unseres Angebots. Da hätten wir die Grundsportarten Fußball sowie Kinder- und Jugendturnen und dann noch - für diejenigen, die mit den Klassikern nichts anfangen können - Tennis oder Kampfsport. Zum anderen - und das ist vermutlich der Hauptgrund - leisten wir seit 30 Jahren gute Jugendarbeit und haben kontinuierliche und zuverlässige Angebote", erläutert Kiesel. Von den 1000 Mitgliedern der Sportfreunde sind etwa 250 jugendliche Sportler. "Die Olympischen Spiele hatten keine Auswirkungen auf unsere Anmeldezahlen. Weder das Angebot noch die Nachfrage haben sich dadurch geändert", so der Vereinsvorstand weiter.

Die TSG Hall kann nach Olympia ebenfalls keine neuen Anmeldungen von Jugendlichen vorweisen. Obwohl man das natürlich gehofft hätte, wie eine Mitarbeiterin der Geschäftsstelle, die nicht namentlich genannt werden möchte, sagt. Der Verein hat ungefähr 2800 Mitglieder, von denen mehr als die Hälfte Jugendliche sind. Mangel an Nachwuchs besteht also keiner.

Welcher Sport ist besonders begehrt? "Das ist schwer zu sagen. Viele Sportarten, die wir anbieten, sind beliebt. Diejenigen mit den meisten Mitgliedern sind aber Schwimmen, Handball, Karate, American Football und Turnen", sagt die Mitarbeiterin der Geschäftsstelle der TSG Hall.

In Sportvereine strömen also keine Jugendlichen nach den Olympischen Spielen. Hat sich dann etwas am Sportverhalten von Jugendlichen im Landkreis Hall geändert? Lena Konrad aus Westheim verneint. "Ich habe die Olympischen Spiele zwar geschaut, zum Beispiel Turnen, Schwimmen und auch das Beachvolleyballturnier, aber das hat nicht den Wunsch in mir geweckt, mehr Sport zu treiben", erzählt die 16-jährige Gymnasiastin. Generell sei sie ein Sportmuffel und hänge eher auf der Couch rum, als in die Laufschuhe zu schlüpfen. "Ich bin einfach zu faul, außerdem nimmt mich die Schule ziemlich in Anspruch, weshalb wenig Zeit für Sport bleibt", so Lena. Schulsport mache ihr aber Spaß - vor allem Volleyball.

Elisabeth Tadesse aus Hall geht es ähnlich. "Die Olympischen Spiele hatten keinen Einfluss auf mein Sportverhalten. Ich habe sie nicht einmal mitverfolgt, weil ich in dieser Zeit in Äthiopien war", erzählt die 14-Jährige. Hätte sie denn reingeschaut, wenn sie zu Hause gewesen wäre? "Ja, sicher. Ich hätte mir alles querbeet angesehen."

Anders als Lena, treibt die Achtklässlerin in ihrer Freizeit gerne Sport. Seit einem halben Jahr besucht sie einmal wöchentlich einen Hip-Hop-Kurs in einer Tanzschule. Früher hat sie Kunstturnen im Verein betrieben. Aufgrund von Rückenproblemen musste sie damit aber aufhören. Auch der Sportunterricht in der Schule macht Elisabeth Spaß. "Was ich aber nicht so gerne mag, ist das Ausdauerlaufen."

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