Alternativ-Kalender Nach dem Advent ist vor dem Advent

Ingersheim / Ute Schäfer 05.12.2018
Ein Adventskalender mit täglichem Überraschungseffekt: Das ist es, was sich Ingersheimer Familien gegenseitig bescheren. Klare Sache: „Die Hauptsache sind die Geschenke.“

Eigentlich und rein rechnerisch korrekt sollten am großen Tisch in Mittelmeiers Esszimmer 24 Personen sitzen. Für jeden Tag im vorweihnachtlichen Dezember eine. „Aber so groß ist der Tisch ja gar nicht“, beschwichtigt Anja Mittelmeier. Deshalb sitzen nur zwölf Frauen da. Ein paar haben Töchter mitgebracht, die meisten stammen aus Ingersheim. Aber auch Bölgental, Speltach und sogar Ludwigsburg sind vertreten.

Die lustige Runde vespert vergnüglich, jeder hat etwas Leckeres mitgebracht. „Aber zum Essen sind wir nicht zusammengekommen“, betont Anja Mittelmeier. „Die Hauptsache sind die Geschenke.“

Die liegen auf einem Extra-Tisch, säuberlich aufgereiht. Eine beeindruckende Menge ist zusammengekommen: 24 mal 12 sind es, für jeden Tag vor Weihnachten und für jede der zwölf Familien eines. Alle hübsch weihnachtlich verpackt. Mal als Elch, mal als Weihnachtsmann, und mit einer Nummer versehen. Denn die Päckchen ergeben Adventskalender. Und diese Idee steckt dahinter: Jeder Teilnehmer ist für zwei Tage zuständig. Jeder bringt für seine Tage für alle etwas mit. Auch für sich selber übrigens. „Denn man verpackt ja ohnehin nur das, über das man sich auch selber freut“, sagt eine der Frauen. Nach dem gemütlichen Essen wird dann verteilt. Jeder nimmt sich pro Tag ein Päckchen weg. Dann ist der Korb, der vorher mit gleichartigen Päckchen gefüllt war, mit unterschiedlichen Päckchen wieder voll.

Auftakt schon im letzten Jahr

Den gemeinschaftlichen Adventskalender gab es in Ingersheim im letzten Jahr erstmals. Und weil das gemeinsame Geschenke-Verteilen so nett war, wurde die Aktion wiederholt.

Doch was in den Päckchen steckt, wollen die Frauen natürlich nicht verraten. Nur so viel: „Wir haben nicht ausgemacht, was drin sein soll. Weder Preis noch Inhalt“, erklärt Anja Mittelmeier. Das habe im vergangenen Jahr gut geklappt. Und so habe man es beibehalten.

Die ersten paar Tage im Dezember freilich, die dürfen wir verraten. Die sind ja schon rum. Am 1. Dezember zum Beispiel gab es Pralinen. Am zweiten lag eine hübsche Adventskarte darin, ohne Text zwar, aber mit Zettel: „Versende einen kleinen Gruß im Advent“, stand darauf.

Anja Mittelmeier zum Beispiel denkt sich die Geschenke mit ihrer Tochter Jule aus und freut sich jeden Morgen auf das gemeinsame Auspacken. „Es ist ein bisschen wie früher. Man freut sich echt“, sagt Anja Mittelmeyer.

Das Projekt macht jetzt sogar Schule. Ein Platz am Tisch war an diesem Jahr frei geworden, denn eine der Beteiligten hat die Adventskalenderaktion selber aufgezogen.

Ein Ersatz war schnell gefunden – zum Glück, denn ein Adventskalender verlangt ja nach 24 Personen. Oder wenigstens nach einer Anzahl, die beim Multiplizieren 24 ergibt.

Es gibt sogar eine Warteliste

Derzeit sind nun wieder alle Plätze belegt. Es gibt sogar eine kleine Warteliste. Und wer am Verteilabend keine Zeit hat, muss seine Päckchen eben vorbeibringen, damit der Platz auch im nächsten Jahr gesichert ist. Denn das ist klar: Nach dem Advent ist vor dem Advent. Wer weiß denn schon, ob so manche Idee fürs nächste Jahr nicht jetzt schon wieder gesammelt wird?

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