Gschwend Musikwinter: Applaus für Novus-String-Quartet

Das Novus-String-Quartet aus Südkorea beim Musikwinterkonzert in der evangelischen Kirche Gschwend.
Das Novus-String-Quartet aus Südkorea beim Musikwinterkonzert in der evangelischen Kirche Gschwend. © Foto: Ralf Snurawa
Gschwend / RALF SNURAWA 19.11.2014
Leidenschaftliche Interpretationen, ohne den Gehalt der gespielten Werke aus dem Blick zu verlieren, gelangen am Samstagabend dem jungen Novus-String-Quartet aus Südkorea beim Gschwender Musikwinter.

"Ich habe dies und vieles andere Beziehungsvolle für Dich in diese Partitur hineingeschrieben", schrieb Alban Berg über seine "Lyrische Suite" an Hanna Fuchs, mit der er in den 1920er-Jahren eine Affäre hatte. Das Geheimnisvolle und Leidenschaftliche ist deshalb in seiner Komposition stets präsent. Mit der Titelgebung bezog sich Berg auf die "Lyrische Sinfonie" seines Freundes und Mentors Alexander Zemlinsky, aus der Berg im langsamen vierten Satz den Refrain des dritten Sinfoniesatzes, "Du bist mein Eigen", zitiert.

Diese stark gefühlsbetonten Umstände im Blick erwiesen sich die Musiker des Novus-String-Quartet als außergewöhnliche Interpreten dieses Klassikers der Moderne. Sie wussten das Werk nicht nur mit enormer Ausdrucksstärke wiederzugeben, sondern ungemein lebhaft zu gestalten. Dabei verloren sie aber nie strukturelle Momente dieser Zwölftonmusik aus dem Blick.

Das zeigte sich bereits im ersten Satz, den sie in seinen einzelnen Stimmverläufen transparent und sehr gesanglich wiedergaben, gefolgt von einem fast zaghaften, leicht tänzelnden "Andante amoroso". Genauso zart gelang den vier Musikern nach einem wunderbar heimlich klingenden dritten Satz mit seinen Namensandeutungen - A-B für Alban Berg und F-H für Hanna Fuchs - das erwähnte "Adagio appassionato" mit seinem Zemlinsky-Zitat. Zart-sanfte Tongebung, durch Dämpfereinsatz noch unterstrichen, und weich getönte Passagen bestimmten diesen Satz genauso wie leidenschaftlich gefärbte Ausbrüche.

An den stehenden Schlussklang, der dem Ensemble fantastisch silbrig im Ton gelang, knüpfen weitere statische Momente im fünften Satz an. Die stellten die Musiker äußerst kontrastreich wilder Emphase entgegen, die in das mit großer Innigkeit gespielte "Largo desolato" mündete. Bergs "Lyrische Suite" hatte das Novus-String-Quartet mit einem Klassiker der Wiener Klassik wie der Romantik eingerahmt. Schön gelang etwa in der langsamen Einleitung zu Wolfgang A. Mozarts Dissonanzenquartett das Gegenüberstellen von fahler und weicher Tongebung. Den nachfolgenden schnellen Satzteil spielte das Quartett espritvoll und um motivische Deutlichkeit bemüht ebenso wie beim sprühend-gewitzten Schlusssatz. In letzterem wurden auch dramatische Schattierungen hervorgehoben, die sich schon im fast atemlosen Trioteil des Menuetts andeuteten. Der langsame Satz davor erklang schön geatmet, aber auch spannungsreich. Eine Überhöhung des Spannungsmoments erlebte das begeisterte Publikum in der evangelischen Kirche mit Felix Mendelssohns f-Moll-Streichquartett. Das unter dem Eindruck des Todes seiner Schwester entstandene Werk interpretierten die Musiker des Novus-String-Quartet mit einer derart großen Leidenschaft, dass sie an die der zuvor gehörten "Lyrischen Suite" anzuknüpfen schien. Aufgewühlte Passagen im Eingangssatz mit seinen energiegeladenen Tremoli, getrieben wirkende Ruhelosigkeit im Finale und ein mit Entschiedenheit gespielter tragischer Ton im zweiten Satz stand der innig empfundene Ton des langsamen Satzes gegenüber, der wie ein erinnerndes Lied ohne Worte klang. Für seine fesselnden Interpretationen erhielt das Novus-String-Quartet lang anhaltenden. begeisterten Applaus.