Die Musikschule mit ihren etwa 1000 Schülern gehörte zu Beginn der Coronavirus-Pandemie zu den ersten Musikschulen bundesweit, die auf digitalen Unterricht umgestiegen sind. Dabei half natürlich, dass die städtischen Kindertagesstätten geschlossen wurden. Denn, so berichtet Musikschulleiterin Barbara Kochendörfer, deshalb konnten die dort verwendeten Laptops nun in der Musikschule eingesetzt werden. Private Geräte der Musiklehrer dürfen nicht verwendet werden, weil darauf keine Schülerdaten gespeichert werden dürfen.

Daneben hatte sich die Musikschule aber auch entschieden, auf die Anschaffung neuer Instrumente zu verzichten und stattdessen lieber in Tablet-Computer zu investieren, deren Kauf eigentlich erst für das nächste Jahr geplant war. Dann können auch die Musiklehrer auf Online-Unterricht umsteigen, die bisher per Telefon versucht haben, Gesang oder Instrumentalspiel zu lehren.
Voraussetzung für den Online-­Unterricht sei aber, so Kochendörfer, dass bei den jungen Schülern die Eltern zustimmen. Die sind bei den Jüngeren oft dabei, wenn der Musiklehrer oder die Musiklehrerin erklärt, was es wie zu üben gilt. „Die Kinder genießen den Online-Unterricht“, weiß die Musikschulleiterin inzwischen aus Erfahrung. Viele würden sich auch über Kontakt nach außen freuen, weil sie in selbst gewählter Quarantäne zu Hause bleiben.

Ein gemeinsames Musizieren ist beim Online-Unterricht nicht möglich

„Aller Ehren wert“ gewesen sei es auch, so Barbara Kochendörfer, wie sich ihre Kollegen in den Unterricht per Videokonferenz eingearbeitet hätten – ohne richtige Schulung. Es sei „extrem anstrengend“, den ganzen Tag mithilfe von der zumeist verwendeten Skype-Software auf die Schüler einzugehen. Die Vorbereitung eines solchen Unterrichts erfordere außerdem mehr Zeit. Man müsse Dateien mit Notensatz versenden und sich überlegen, welches Dateiformat passend ist. Kreative Spiele gehörten ebenso zum Unterricht per Videokonferenz wie Lieder komponieren im Stil von „Wir packen einen Koffer“ oder Kreuzworträtsel mit Komponistennamen und Musikbegriffen.
Mehr Unterbrechungen seien ein negativer Aspekt des Online-­Unterrichts. „Man kann damit umgehen. In der jetzigen Situation ist es das Beste, was man anbieten kann. Den Präsenzunterricht kann es aber nicht ersetzen“, gesteht die Musikschulleiterin ein. „Denn ein gemeinsames Musizieren ist nicht möglich.“
Zeitverzögerungen und schlechte Tonqualität sprechen ebenfalls gegen diese Form des Unterrichts. Das bestätigt Schlagzeuglehrer Andreas Horst. Hauptproblem sei, dass die Computer nur mit Mikrofonen für Sprache ausgestattet seien, mit dürftigen Klangergebnissen besonders bei Instrumenten wie Schlagwerk oder Blasinstrumenten.
In dieser Woche wird sich das aber für einen Teil der Schüler ändern. Denn sowohl die Schlagzeugschüler als auch jene, die das Spiel auf Tasten-, Streich- oder Zupfinstrumenten lernen, können wieder in der Musikschule unterrichtet werden – es sei denn der Musiklehrer oder der Musikschüler gehört zur Risikogruppe.
Eine Woche lang hat Barbara Kochendörfer diese erste Phase der Schulöffnung mit Ressortleiterin Susanne Kröper-Vogt vorbereitet. „Insgesamt ist das sehr stressig, weil wir verschiedene Arten von Desinfektionsmitteln brauchen: für Hände, für Flächen und für Instrumente. Mund-Nasen-Schutz gilt im gesamten Gebäude. Die Schule musste mit Wegweisern ausgestattet werden. Es musste auf getrennte Ein- und Ausgänge geachtet werden.“

Holz- und Blechbläser müssen noch warten

Die Musikschulleiterin zählt weiter auf: „Die Lehrkräfte müssen nach jeder Unterrichtseinheit fünf Minuten für das Reinigen ihrer Instrumente aufwenden und für das Lüften. Es darf nur Einzelunterricht stattfinden, ausgenommen die theoretische Studienvorbereitung, aber mit dem notwendigen Sicherheitsabstand.“
In einer zweiten Phase sollen dann wieder Sänger sowie Holz- und Blechbläser in den Musikschulräumen unterrichtet werden. Die Räume müssen aber mit einem Spuckschutz ausgestattet sein. In dieser zweiten Phase könnten darüber hinaus wieder kleinere Ensembles in einer Größe bis zu sechs Teilnehmer zusammenspielen. Größere Ensembles und Orchester, bei denen Sicherheitsabstand und Raumgröße die Teilnehmerzahl bestimmen, werden erst in der dritten Phase zugelassen. Das betrifft auch die Gruppen der elementaren Musikpä­dagogik, also den Unterricht mit den jüngsten Musikschülern.
Barbara Kochendörfer hofft noch, dass anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Musikschule das Konzert von Big Band und weiteren Bands der Musikschule am 3. Oktober stattfinden kann. Denn das ursprünglich für eine Aufführung am 4. April in der Johanneskirche vorgesehene Jubiläumskonzert musste schon auf unbestimmte Zeit aufgeschoben werden.