Warum brach am Abend des 22. August 2015 Feuer in der Lobenhausener Mühle aus? Diese Frage stand seit acht Monaten im Raum. War es Brandstiftung? Und wenn ja: fahrlässige oder gar vorsätzliche? Seit gestern gibt es einen neuen Erkenntnisstand: Die Staatsanwaltschaft teilte im Nachgang zu ihrer Jahrespressekonferenz mit, dass sie gegen einen 21-Jährigen wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung ermittelt. Die Ermittler, denen das Gutachten eines Sachverständigen vorliegt, werfen dem jungen Mann vor, im Umfeld der Mühle Abfall verbrannt zu haben. Dadurch sei es zu Funkenflug gekommen, und der habe die Mühle in Brand gesetzt.

Folge des Brandes war ein katastrophales Fischsterben in der Jagst. Auch hier steht eine große Frage im Raum, auf die die Staatsanwaltschaft bis heute keine Antwort liefern kann: Wer ist für die Öko-Katastrophe verantwortlich, die dadurch entstanden ist, dass Löschwasser in den Fluss gelangte? Immerhin so viel war gestern zu erfahren: Auch bezüglich der Gewässerverschmutzung liegt inzwischen ein Gutachten vor. Dieses wird nun von den Strafverfolgern ausgewertet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt hier zweigleisig: Es gibt ein Verfahren gegen den Mühlenbetreiber wegen des Verdachts der fahrlässigen Gewässerverunreinigung und zusätzlich ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des gleichen Verdachts.

Giftiges Löschwasser in der Jagst

In diesem Verfahren wird der Frage nachgegangen, ob beim Großeinsatz der Feuerwehren was schiefging. So viel steht fest: Im Überlaufkanal vom Löschwasser-Rückhaltebecken zur Jagst hatte sich ein von der Feuerwehr installiertes Dichtkissen gelöst, und so konnte für Fische giftiges Löschwasser (auf dem Mühlengelände war Kunstdünger gelagert worden) in die Jagst gelangen.

Die Ermittlungen rund um den Mühlenbrand in Lobenhausen stellen eines der Verfahren dar, die laut Andreas Freyberger, dem Leiter der Staatsanwaltschaft Ellwangen, „sehr viel Zeit kosten“. Genau davon haben aber die Ermittler zu wenig, meint zumindest deren Chef. Wie schon in den Vorjahren wies der Leitende Oberstaatsanwalt auf die „hohe Arbeitsbelastung“ seiner Kolleginnen und Kollegen hin und sprach davon, dass die Staatsanwaltschaft in Ellwangen sechs Ermittler zu wenig habe. Dass seine Behörde trotzdem „beeindruckende Werte“ vorweisen könne, liege an „verschärfter Mehrarbeit“. Freyberger verwies in diesem Zusammenhang auf eine Kontrolle durch die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart. Deren Ergebnis: Bestnoten für die Kollegen in Ellwangen.

„Irgendwann sind Belastungsgrenzen erreicht“

Aber irgendwann, so Freyberger, „sind Grenzen der Belastbarkeit erreicht“. Die Folgen der Mehrarbeit hätten inzwischen sicht- und spürbare Auswirkungen auf Mitarbeiter und „irgendwann packen wir’s nicht mehr“. Auf die Frage, ob das als Hilferuf an die Politik zu verstehen sei, antwortete Freyberg ausweichend, fügte aber hinzu, dass es bei den Koalitionsverhandlungen in Stuttgart derzeit auch um die Verbesserung der inneren Sicherheit gehe. Da solle dann aber nicht nur über die Zustände bei der Polizei gesprochen werden, sondern auch bei der Justiz.


Todesursache unklar

Noch immer steht nicht fest, wie genau der 20-Jährige, der am 29. Januar in der Nähe des Friedhofes in Altenmünster gefunden worden war, zu Tode gekommen ist. Gestern teilte die Staatsanwaltschaft Ellwangen mit, dass die genaue Todesursache trotz einer Obduktion bislang nicht geklärt werden konnte. Klar sei nur, dass es sich um eine „mechanische Gewalteinwirkung“ gehandelt haben müsse. (ah)