Konzert Mozartolla und Radetzky-Samba

Passo Avanti, das sind Mario Korunic, Eugen Bazijan, Vladimir Grizelj und Alexander von Hagke (von links).
Passo Avanti, das sind Mario Korunic, Eugen Bazijan, Vladimir Grizelj und Alexander von Hagke (von links). © Foto: Ralf Snurawa
Crailsheim / Ralf Snurawa 02.01.2018
„Passo Avanti“-Quartett bezaubert und begeistert am Silvesterabend im Crailsheimer Ratssaal.

Die Besetzung des „Passo Avanti“-Quartetts ließ am Silvesterabend im Crailsheimer Ratssaal gleich an gehobene Unterhaltung denken: Violine, Klarinette, Gitarre und Violoncello. Zu Mozarts Zeit hätte man das als Divertimento bezeichnet.

Und das machten die vier Musiker auch tatsächlich aus den meisten Stücken – allerdings mit einem ins Heute weisenden stilistischen Einschlag: Jazz. Da wurde Wolfgang A. Mozarts sonst leicht revolutionäre Ouvertüre zur Oper „Le nozze di Figaro“ (Die Hochzeit des Figaro) zum gewitzten Spiel mit dem Stil.

Die d-Moll-Fantasie erwies sich nach innigem Beginn sehr nah am Klavieroriginal plötzlich als Tango Nuevo à la Astor ­Piazzolla mit viel Violinleidenschaft. Daher rührte auch Alexander von Hagkes dezenter Hinweis, der Arbeitstitel laute „Mozartolla“.

Der Klarinettist und Flötist von „Passo Avanti“ bestach auch durch seine Moderation: „Mozarts Klavier-Gigue haben wir an die Decke geworfen, aber nicht jeder hat dieselben Töne aufgefangen.“ Am Ende passte die feinsinnige Wiedergabe doch perfekt zusammen.

Und Mozart ein viertes Mal: Das „Alla turca“-Rondo bot Mario Korunic mit seiner laut von Hagke Weste in „Neujahrs-Orange“ die Möglichkeit, mit seinem Violin-Chorus Erinnerungen an den großartigen Jazzgeiger Stéphane Grappelli zu wecken.

Mehr der Barockzeit gewidmet war dagegen der erste Konzertteil im mit 250 Konzertbesuchern fast ausverkauften Ratssaal. Fast als ein Produkt von Einspielübungen entstand da zu Beginn der „Einzug der Königin von Saba“ aus Georg Friedrich Händels Oratorium „Salomon“. Hinzugefügt wurden jazzig swingende Einsprengsel.

Die bestimmten noch stärker die Musette von Johann Sebastian Bach. Was ganz brav und wiederum nah am tänzelnden Original begann, entwickelte im Gitarrenchorus von Vladimir Grizelj melodische Weite. Cellist Eugen Bazijan erwies sich in von Hagkes Worten als „Rückgrat für Groove“.

Publikum mittendrin

Das da schon zu erlebende Spiel mit dem Publikum wurde zum übergriffigen Einbeziehen der Zuhörer zu Johann Pachelbels D-Dur-Kanon. Zwei Melodien wurden auf die beiden Sitzblöcke im Saal verteilt und die Zuhörer dann zu begeistert mitsingenden Mitwirkenden. Als Ausgleich gab es zart gespielte Momente zur Händel-Arie „Lascia ch‘io pianga“, die in Giuseppe Verdis Chorklassiker „Va pensiero“ überging.

Zwischen den barocken Stücken waren Eigenkompositionen von Alexander von Hagkes zu erleben. Klangliche Idylle bot das balladenartige „Summer in Skåne“ mit „goldenen Weizenfeldern und roten Häuschen“. Nachdenklicher im Ausdruck erschien danach das in der Schwebe bleibende „Vom Suchen und Finden“.

Am Ende des Konzerts widmete sich das Quartett Strauß’schen Werken. Die Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß Sohn klang ausgelassen und frech. Der Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater erfuhr eine ungewöhnliche Wendung.

Wegen ihrer friedlichen Einstellung hätten sie das Stück „von allzu Martialischem befreien“ wollen, bekannte Alexander von Hagke, griff zur Piccoloflöte und kündigte die „Radetzky-Samba“ an. Das zu diesem Zeitpunkt von den Musikern bereits restlos begeisterte Publikum verzieh die verpasste Mitklatschmöglichkeit und wurde danach noch mit Claudio Monteverdis „Si dolce è il tormento“, innig zart vorgetragen, belohnt.

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